China drängt auf Öffnung der Straße von Hormus – und positioniert sich als Vermittler

China drängt auf Öffnung der Straße von Hormus – und positioniert sich als Vermittler

Veröffentlicht

Mittwoch, 06.05.2026
von Red. TB

China erhöht im Konflikt um die Straße von Hormus den diplomatischen Druck. Außenminister Wang Yi forderte bei einem Treffen mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi in Peking eine schnelle Wiederöffnung der wichtigen Schifffahrtsroute. Eine dauerhafte Waffenruhe habe „höchste Priorität“, erklärte Wang laut chinesischen Staatsmedien.

Das Treffen gilt als politisch bemerkenswert: Für Araghtschi ist es der erste Besuch in China seit Beginn des Iran-Krieges. Peking nutzt die Gelegenheit sichtbar, um sich als stabilisierende Kraft und potenzieller Vermittler in der Krise zu präsentieren – wenige Tage vor dem geplanten Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping.

China versucht dabei einen Balanceakt. Einerseits kritisiert Peking die amerikanische Blockade iranischer Häfen als „gefährlich“ und warnte vor einer weiteren Destabilisierung der Region. Andererseits vermeidet die chinesische Führung bislang jede direkte Konfrontation mit Washington. Stattdessen setzt sie demonstrativ auf Diplomatie und Gespräche.

Für China steht dabei weit mehr als nur Geopolitik auf dem Spiel. Die Volksrepublik ist einer der größten Abnehmer iranischen Öls und stark von stabilen Handelswegen im Persischen Golf abhängig. Rund zwölf Prozent der chinesischen Rohölimporte stammen aus Iran. Eine dauerhaft blockierte Straße von Hormus würde deshalb auch Chinas Wirtschaft empfindlich treffen.

Wang Yi betonte deshalb, die internationale Gemeinschaft habe ein gemeinsames Interesse an einer sicheren und freien Schifffahrt. „Die relevanten Parteien sollten möglichst schnell auf diesen dringenden Appell reagieren“, erklärte er.

Iran zeigte sich demonstrativ offen gegenüber Peking. Araghtschi erklärte laut iranischen Staatsmedien, die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern werde „noch stärker“ werden.

Beobachter sehen darin ein weiteres Zeichen dafür, dass China die Krise nutzen könnte, um seinen Einfluss im Nahen Osten auszubauen – während die USA zunehmend zwischen militärischem Druck und diplomatischen Rückzügen schwanken.

Denn auch Washington sendet derzeit widersprüchliche Signale. Präsident Trump droht Teheran weiterhin mit massiven neuen Angriffen, falls kein Abkommen zustande kommt. Gleichzeitig hat er die amerikanische Marineoperation in der Straße von Hormus überraschend pausiert und spricht von Fortschritten bei möglichen Verhandlungen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das angekündigte Treffen zwischen Trump und Xi zusätzliche Bedeutung. Neben Handelsfragen dürfte dabei vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen, ob es gelingt, die gefährliche Eskalationsspirale rund um Iran und die Straße von Hormus zu stoppen – oder ob der Konflikt erneut außer Kontrolle gerät.

Bildnachweis:

kevin93sqs (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 06.05.2026

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