Trump will Spanien aus der NATO werfen – leider stört die NATO dabei

Trump will Spanien aus der NATO werfen – leider stört die NATO dabei

Veröffentlicht

Samstag, 25.04.2026
von Red. TB

Washington denkt laut Reuters über „Strafmaßnahmen“ gegen unwillige Bündnispartner nach. Spanien soll rausfliegen – aus einem Bündnis, das gar keinen Rauswurf kennt. Willkommen im sicherheitspolitischen Impro-Theater der USA.

Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz prüft, ob vielleicht schon wieder der 1. April ist.
Und dann gibt es Nachrichten aus Washington.

Laut Reuters soll die US-Regierung intern über „Strafmaßnahmen“ gegen NATO-Partner nachdenken, die den Krieg gegen den Iran nicht engagiert genug unterstützen. Besonders im Fokus: Spanien.

Die Pointe kommt sofort mitgeliefert:
Die NATO sieht gar keinen Ausschluss von Mitgliedern vor.

Mit anderen Worten:
Die USA denken offenbar darüber nach, Spanien aus einem Club zu werfen, dessen Hausordnung exakt diesen Rauswurf gar nicht kennt.

Das ist ungefähr so, als würde Donald Trump verkünden, er habe beschlossen, den Montag abzuschaffen – und der Kalender antwortet trocken:
„Nein.“

Pentagon offenbar im Modus: Erst mailen, dann völkerrechtlich improvisieren

Wie Reuters berichtet, soll in einer Pentagon-Mail skizziert worden sein, wie man mit „schwierigen“ NATO-Partnern umgehen könnte.
Darunter:

  • Ärger über verweigerte Überflugrechte
  • Ideen, unliebsame Staaten bei wichtigen NATO-Posten auszubremsen
  • und offenbar die ganz große Fantasie: Spanien raus

Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen:

Die größte Militärmacht der Welt soll laut Bericht gerade Außen- und Bündnispolitik per Rundmail organisieren – ungefähr auf dem Niveau von:
„Wer bringt eigentlich Freitag Kuchen mit? Und kann man Spanien löschen?“

Spanien macht das Undenkbare: Es bleibt ruhig und liest Verträge

Der spanische Premier Pedro Sánchez reagierte auf diese Mischung aus Trotz, Drohgebärde und geopolitischem Wutanfall erstaunlich gelassen.

Seine Linie:

  • Spanien ist bündnistreu
  • Spanien kooperiert mit den Verbündeten
  • aber eben nur im Rahmen des internationalen Rechts

Ein Satz, der in Washington derzeit offenbar als linksextreme Provokation gilt.

Noch schöner wurde es, als Sánchez erklärte, man arbeite „nicht auf Grundlage von E-Mails“, sondern orientiere sich an offiziellen Regierungspositionen und Dokumenten.

Also kurz gesagt:
Madrid betreibt Außenpolitik – Washington offenbar Posteingangsverwaltung.

Kleiner Haken: Der NATO-Bündnisfall ist kein Freifahrtschein für Angriffskriege

Für alle, die im Pentagon den NATO-Vertrag offenbar nur als dekoratives PDF gespeichert haben, hier nochmal langsam:

  • Die USA haben gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen
  • Der Iran hat nicht zuerst die USA angegriffen
  • Der NATO-Bündnisfall ist für Verteidigung, nicht für spontane Luftschläge mit moralischer Selbstbegleitung

Deshalb kann Washington auch nicht einfach sagen:
„Wir haben angefangen, jetzt seid ihr bitte solidarisch.“

Spanien hatte die Nutzung seines Luftraums und seiner Stützpunkte für Angriffe auf den Iran verweigert und den Krieg mehrfach als illegal bezeichnet.

In der Trump-Logik reicht das offenbar schon, um als sicherheitspolitischer Staatsfeind mit Tapas zu gelten.

Rota und Morón: Die US-Basen stehen in Spanien – aber offenbar nicht im Pentagon-Kopf

Besonders charmant ist der Vorgang, weil die USA in Spanien mit Rota und Morón zwei strategisch wichtige Militärstandorte unterhalten.

Man könnte also sagen:
Washington droht gerade dem Land, auf dessen Territorium man selbst militärisch ziemlich bequem wohnt.

Das ist ungefähr so, als würde ein Mieter seinem Vermieter mitteilen:
„Wenn Sie mir nicht sofort die Garage überlassen, kündige ich Ihnen die Freundschaft.“

Auch Großbritannien bekommt sein Fett weg – diesmal über die Falklands

Weil man im Pentagon offenbar gerade geopolitische Tombola spielt, soll laut Reuters auch Großbritannien ins Visier geraten sein.

Dort wird angeblich erwogen, die Haltung zu den Falklandinseln zu „überdenken“.

Also nochmal zum Mitschreiben:

  • Spanien verweigert Überflugrechte → NATO-Drohkulisse
  • Großbritannien ist zu zögerlich → vielleicht plötzlich doch nicht mehr so eindeutig britische Falklands

Das ist nicht Außenpolitik.
Das ist ein internationaler Beziehungsstreit mit Atomwaffen und schlechtem Benehmen.

London reagierte erwartbar trocken und erklärte sinngemäß:
Die Falklands sind britisch, das haben wir auch schon anderen US-Regierungen erklärt, und falls nötig malen wir es euch nochmal auf.

Trump und Hegseth: Die neuen Coaches für Bündniszerstörung

US-Präsident Donald Trump hatte Verbündete zuletzt wiederholt beleidigt, weil sie beim Iran-Krieg nicht mit der nötigen Begeisterung mitmarschieren.
Pentagon-Chef Pete Hegseth setzte noch einen drauf und nannte europäische Gespräche über eine neutrale Marinemission in der Straße von Hormus:
„dumm“

Das muss man auch erst mal schaffen:

Europa versucht, eine neutrale Absicherung des Seewegs zu organisieren, während in Washington offenbar die strategische Analyse lautet:
„Warum reden die? Können die nicht einfach irgendwen bombardieren?“

Europa lernt gerade: Der gefährlichste Bündnispartner ist der, der glaubt, Verträge seien Deko

Die eigentliche Pointe an der ganzen Geschichte ist ja nicht einmal Spanien.

Die Pointe ist:
Die USA wirken derzeit wie ein Bündnispartner, der sich aufführt wie ein beleidigter Vorsitzender eines Kegelvereins, der nach drei Bier beschließt, die Satzung neu zu interpretieren.

Nur dass es hier nicht um Kegelbahnen geht.
Sondern um NATO, Krieg, Ölpreise und eine Weltordnung, die in Washington inzwischen offenbar auf Zuruf verwaltet wird.

Fazit: Spanien bleibt. Der Irrsinn auch.

Spanien bleibt selbstverständlich NATO-Mitglied.
Nicht, weil Trump plötzlich Vernunft entdeckt hätte – sondern weil die NATO-Verträge nicht im Mar-a-Lago-Golfcart geschrieben wurden.

Pedro Sánchez hat mit seiner Gelassenheit genau das getan, was Erwachsene in geopolitischen Kindergeburtstagen eben tun:

  • ruhig bleiben
  • auf Recht verweisen
  • den Kopf schütteln
  • und hoffen, dass irgendwann wieder jemand in Washington den Unterschied zwischen Bündnispolitik und Wutanfall erklärt

Oder noch kürzer:

Trump wollte Spanien aus der NATO werfen.
Die NATO sagte: Geht nicht.
Spanien sagte: Danke für die Mail.
Europa sagte: Wir sollten langsam Helme tragen – aber nicht nur im Krieg.

Bildnachweis:

dlugo_svk (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 25.04.2026

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