Hoffnung

Hoffnung

Veröffentlicht

Samstag, 18.04.2026
von Red. TB

Die Signale aus Washington und Teheran klingen plötzlich wieder versöhnlicher. Nach der überraschenden Öffnung der Straße von Hormus für Handelsschiffe wächst die Hoffnung auf ein mögliches Ende des Iran-Kriegs. US-Präsident Donald Trump zeigte sich am Freitag demonstrativ optimistisch und sprach von einer Einigung, die „bald“ erreicht werden könne. Doch hinter den Kulissen ist von Durchbruch noch keine Rede. Vor allem beim iranischen Atomprogramm prallen die Positionen weiterhin frontal aufeinander.

Trump erklärte, die USA würden im Rahmen eines möglichen Abkommens das angereicherte Uran des Iran sichern und in die Vereinigten Staaten verbringen. Auf seiner Plattform Truth Social fabulierte er, Amerika werde den „ganzen Atomstaub“ bekommen – eine bizarre Formulierung, mit der er erneut auf die US-Angriffe auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 anspielte. Zugleich versicherte er, Teheran werde für ein solches Abkommen „kein Geld“ erhalten.

Aus dem Iran kam prompt Widerspruch. Der Transfer angereicherten Urans in die USA sei „nie eine Option“ gewesen und habe auch nie zur Debatte gestanden, erklärte das Außenministerium in Teheran. Außenamtssprecher Ismail Baghai ließ über die Nachrichtenagentur Tasnim verbreiten, entsprechende Aussagen aus Washington seien frei erfunden.

Trotzdem hält Trump öffentlich an seiner Zuversicht fest. Ein Treffen zwischen Vertretern der USA und des Iran könne „wahrscheinlich“ schon am Wochenende stattfinden, sagte er. Von ernsthaften Hindernissen wolle er nichts wissen. Im Weißen Haus klang das deutlich vorsichtiger: Die Planungen für eine weitere Gesprächsrunde liefen, ein konkreter Termin sei aber bislang nicht festgelegt, hieß es aus Regierungskreisen.

Nach Informationen aus iranischen Kreisen ist eine Einigung derzeit alles andere als greifbar. Die vorübergehende Offenhaltung der Straße von Hormus sei ausdrücklich an die Einhaltung der Waffenruhe durch die USA gekoppelt, sagte ein Vertreter der iranischen Führung gegenüber Reuters. Auch über die entscheidenden Fragen des Atomprogramms gebe es bislang keine Einigung.

Teheran setzt nun offenbar auf Pakistan als Vermittler. Über Islamabad soll zunächst ein vorläufiges Abkommen zustande kommen, das vor allem Zeit kaufen soll. Eine Verlängerung der Waffenruhe könnte den Spielraum für weitere Verhandlungen über Sanktionserleichterungen und mögliche Entschädigungen für Kriegsschäden schaffen. Im Gegenzug würde der Iran der internationalen Gemeinschaft versichern, sein Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken.

Westliche Regierungen bezweifeln das seit Jahren. Sie werfen Teheran vor, auf die Entwicklung von Atomwaffen hinzuarbeiten. Der Iran weist das zurück und spricht von einem rein zivilen Programm. Trump hatte den Krieg gegen den Iran unter anderem damit gerechtfertigt, dass Teheran kurz vor dem Bau von Atomwaffen gestanden habe und damit „bald“ sogar die USA bedrohen könne.

Wie kompliziert die Lage tatsächlich ist, zeigt ein weiterer Punkt: Laut einem Bericht von Axios prüfen die USA derzeit, eingefrorene iranische Vermögenswerte in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar freizugeben. Im Gegenzug soll Teheran seinen Bestand an hoch angereichertem Uran aufgeben. Ausgerechnet Trump, der Barack Obama jahrelang für vergleichbare Iran-Deals attackiert hatte, könnte damit nun selbst einen milliardenschweren finanziellen Hebel in Bewegung setzen.

Zugleich droht die Lage jederzeit wieder zu kippen. Denn während der Iran die Straße von Hormus vorübergehend für zivile Schiffe geöffnet hat, halten die USA an ihrer Blockade iranischer Schiffe fest. Trump kündigte an, diese Blockade solle bis zum Abschluss der Verhandlungen bestehen bleiben. Teheran reagierte umgehend mit einer Drohung: Sollte Washington die Seeblockade nicht aufheben, könne auch die Straße von Hormus erneut geschlossen werden.

Am Freitag hatte Außenminister Abbas Araktschi auf X mitgeteilt, die Meerenge bleibe für den Rest der von den USA vermittelten zehntägigen Feuerpause im Libanon für alle kommerziellen Schiffe geöffnet. Ein iranischer Regierungsvertreter ergänzte, die Durchfahrt sei nur auf festgelegten, vom Iran als sicher definierten Routen erlaubt. Die Märkte reagierten euphorisch: Die Ölpreise brachen ein, die Börsen legten zu. Doch viele Reedereien bleiben misstrauisch.

Die dänische Reederei Maersk erklärte, man werde die Straße von Hormus vorerst weiter meiden. Die Sicherheit der Besatzungen habe oberste Priorität. Hapag-Lloyd zeigte sich offener und kündigte an, die Passage möglichst bald wieder nutzen zu wollen, sobald letzte Sicherheitsfragen geklärt seien. Bereits jetzt seien laut Tracking-Diensten erste Schiffe wieder in der Meerenge unterwegs.

Die USA versuchen derweil, auch an einer zweiten Front Druck zu machen. Trump erklärte, Israel dürfe den Libanon nicht länger bombardieren. Auf Truth Social schrieb er in gewohntem Befehlston, weitere Angriffe seien untersagt worden: „Genug ist genug!!!“ Gleichzeitig kündigte Israels Premier Benjamin Netanjahu an, die Hisbollah weiter zerschlagen zu wollen. Israel sei „mit der Hisbollah noch nicht fertig“, sagte er. Man habe die Arbeit nicht beendet.

Damit bleibt die Lage paradox: Die Diplomatie macht vorsichtige Fortschritte, doch auf allen Seiten stehen militärische Drohkulissen weiter bereit. Die Öffnung der Straße von Hormus ist ein Signal – mehr nicht. Ein belastbarer Frieden ist daraus noch lange nicht geworden.

Bildnachweis:

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 18.04.2026

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