14 Prozent in 12 Monaten? Warum Anleger beim Dagobertinvest-Projekt „ESG-Serie VIII. – Hauptstraße“ sehr genau hinschauen sollten

14 Prozent in 12 Monaten? Warum Anleger beim Dagobertinvest-Projekt „ESG-Serie VIII. – Hauptstraße“ sehr genau hinschauen sollten

Veröffentlicht

Sonntag, 12.04.2026
von Red. TB

Auf den ersten Blick liest sich das Angebot wie aus dem Crowdinvesting-Bilderbuch:

14 Prozent Rendite in nur 12 Monaten, verpackt als „Zero Bond“, dazu ein bereits saniertes Altbauobjekt, eine ESG-Story, Bonitätszertifikate, teilweise vermietete Einheiten und ein angeblich attraktiver Exit im Vogtland.

Klingt gut.
Vielleicht sogar zu gut.

Denn genau wie so oft bei Crowdinvesting-Projekten gilt auch hier:

Je schöner die Verpackung, desto wichtiger ist der Blick unter die Haube.

Und dort wird es deutlich weniger glamourös.

Denn unter dem Strich bleibt auch dieses Angebot auf Dagobertinvest vor allem eines:

Eine spekulative Immobilien-Projektfinanzierung mit echtem Totalverlustrisiko.

Worum geht es konkret?

Angeboten wird das Projekt:

„ESG-Serie VIII. – Hauptstraße“

Hinter dem Funding steht die Markus Hörning GmbH aus Rodewisch.

Finanziert werden soll laut Plattform nicht etwa ein Neubau, sondern die Vermarktung von:

  • zwei großen Etagenwohnungen
  • einer Gewerbeeinheit im Erdgeschoss

in der:

Hauptstraße 35, 08485 Lengenfeld im Vogtland

Das Gebäude stammt aus der Zeit um 1900, ist massiv gebaut, teilweise vermietet, teilweise noch im Ausbau.
Die Rückzahlung des Investments soll aus dem Verkauf der Einheiten erfolgen.

Das bedeutet bereits an dieser Stelle:

Kein sicherer laufender Cashflow. Keine Miete als primäre Rückzahlungsquelle. Kein planbarer Rückfluss.

Alles hängt am Exit.

Und genau das ist der neuralgische Punkt.

Die Eckdaten des Angebots

  • Projektvolumen: 584.144 Euro
  • Erwarteter Verkaufspreis: 596.700 Euro
  • Fundinglimit: 130.000 Euro
  • Vertragsform: Zero Bond
  • Laufzeit: 12 Monate + bis zu 6 Monate Verlängerung
  • Rendite: 14 % Disagio
  • Mindestinvestment: 500 Euro

Was auf den ersten Blick nach einer knackigen Kurzläufer-Chance aussieht, wirft auf den zweiten Blick eine sehr einfache Frage auf:

Woher genau soll diese Rendite eigentlich kommen?

Das Kernproblem: Mini-Marge, Maxi-Rendite

Hier wird es interessant. Oder besser gesagt: unerquicklich.

Laut Projektdarstellung stehen sich gegenüber:

  • Gesamtinvestitionskosten: 584.144 Euro
  • Erwarteter Verkaufspreis: 596.700 Euro

Das ergibt eine rechnerische Differenz von:

12.556 Euro

Und genau hier beginnt das Stirnrunzeln.

Denn gleichzeitig sollen Anleger bis zu 14 Prozent Rendite auf ein Fundingvolumen von bis zu 130.000 Euro erhalten.

Das wären überschlägig:

18.200 Euro Rendite

Und zwar wohlgemerkt ohne zusätzliche Reibungsverluste wie:

  • Plattformkosten
  • mögliche Nebenkosten
  • Zeitverzug
  • Vertriebskosten
  • Abwicklungskosten
  • eventuelle Preisnachlässe beim Verkauf

Mit anderen Worten:

Die auf dem Papier ausgewiesene Verkaufsmarge wirkt extrem dünn – die versprochene Anlegervergütung dagegen erstaunlich üppig.

Natürlich mag es interne Kalkulationsannahmen, Vorleistungen oder stille Reserven geben.
Mag sein.

Aber aus Sicht eines kritischen Anlegers bleibt die entscheidende Frage:

Wie soll aus 12.556 Euro rechnerischer Luft eine Anlegervergütung von rund 18.200 Euro finanziert werden?

Wer hier nicht mindestens eine Augenbraue hebt, liest vermutlich nur die Renditezeile.

„Zero Bond“ klingt seriös – ist aber kein Sicherheitsversprechen

Der Begriff „Zero Bond“ klingt für viele Privatanleger fast wie ein klassisches Anleiheprodukt.

Das ist das Problem.

Denn in Crowdinvesting-Strukturen ist „Zero Bond“ oft weniger ein Sicherheitsmerkmal als vielmehr:

Marketing mit Krawatte.

Was bedeutet „Zero Bond“ hier praktisch?

  • Die Rendite wird als Disagio dargestellt
  • Die Rückzahlung erfolgt endfällig
  • Das Kapital ist bis zum Laufzeitende gebunden
  • Der Anleger hängt vollständig am erfolgreichen Verkauf

Oder auf Deutsch:

Kein laufender Cashflow. Keine regelmäßigen Ausschüttungen. Kein Sicherheitsnetz.

Wenn der Exit klappt: schön.
Wenn der Exit nicht klappt: unangenehm.

Wenn der Exit scheitert: möglicherweise sehr teuer.

Ja, auch hier gilt: Totalverlustrisiko

Das muss man glasklar sagen:

Bei diesem Investment ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich.

Nicht als Fußnote.
Nicht als theoretischer Extremfall für Romantiker.

Sondern als reales Risiko.

Warum?

Weil es sich wirtschaftlich betrachtet um eine mezzanine bzw. nachrangige Projektfinanzierung handelt – auch wenn das Produkt hübscher verpackt ist.

Die Plattform selbst nennt folgende Finanzierungsstruktur:

  • Bank: 54,78 %
  • Eigenkapital: 22,97 %
  • Mezzanine: 22,25 %

Das heißt:

Fast ein Viertel der Gesamtstruktur wird im Mezzanine-Bereich finanziert.

Und Mezzanine heißt in der Praxis regelmäßig:

  • Die Bank sitzt vorne
  • Die Crowd sitzt hinten
  • Wenn etwas schiefläuft, wird zuerst der Senior-Teil bedient
  • Für Crowd-Anleger kann am Ende nichts übrig bleiben

Oder noch einfacher:

Die Bank bekommt zuerst ihren Stuhl. Die Crowd darf hoffen, dass überhaupt noch einer übrig ist.

Was es hier nicht gibt:

  • keine Einlagensicherung
  • keine Kapitalgarantie
  • kein gesetzlicher Kapitalschutz
  • kein Sparbuch-Ersatz
  • kein Festgeldgefühl mit Immobilienkulisse

Der Verkauf ist der Flaschenhals

Die Rückzahlung hängt laut Projektbeschreibung am Verkauf von:

  • zwei Wohnungen
  • einer Gewerbeeinheit

Das bedeutet:

Kein Verkauf = keine saubere Rückzahlung.

Und genau das ist bei solchen Modellen der kritische Punkt.

Denn es reichen bereits wenige Probleme:

  • Der Verkauf dauert länger als geplant
  • Der Kaufpreis muss reduziert werden
  • Interessenten springen ab
  • Die Gewerbeeinheit ist schwerer zu platzieren
  • Der Dachgeschossausbau verzögert sich
  • Der lokale Markt kühlt ab
  • Finanzierungskosten steigen
  • Nebenkosten fallen höher aus

Dann wird aus einem vermeintlich schlanken 12-Monats-Projekt schnell ein zähes Geduldsspiel.

Und bei endfälligen Konstruktionen gilt immer:

Zeit ist nicht nur Geld – Zeit frisst Geld.

12 Monate Laufzeit? Klingt sportlich

Offiziell beträgt die Laufzeit:

  • 12 Monate
  • plus bis zu 6 Monate Verlängerungsoption

Das klingt im Vertrieb knackig.
In der Realität wirkt es eher:

ambitioniert bis sportlich.

Warum?

Weil hier eben nicht irgendein standardisiertes Massenmarkt-Produkt verkauft werden soll, sondern:

  • zwei größere Wohnungen
  • plus eine Gewerbeeinheit
  • in einer Kleinstadtlage
  • teilweise noch im Ausbau
  • in einem Markt, der nicht München, Frankfurt oder Hamburg ist

Lengenfeld im Vogtland mag solide sein.
Aber solide heißt nicht automatisch liquide.

Gerade bei:

  • Spezialobjekten
  • größeren Einheiten
  • Gewerbeflächen
  • kleineren Märkten

kann der Verkauf deutlich länger dauern als in Hochglanz-Präsentationen vorgesehen.

Und gerade Gewerbeeinheiten sind in solchen Strukturen häufig der stille Problemfall.

ESG, Zertifikate, Bonitätslabels: Schön fürs Marketing – keine Rückzahlungsgarantie

Das Projekt wird mit allerlei Vertrauenssignalen aufgeladen:

  • CrefoZert
  • EcoZert
  • ESG-Bezug
  • nachhaltige Sanierung
  • „Rundum-sorglos-Paket“
  • positive Bonitätsdarstellung
  • erfahrener Projektträger

Das mag alles nett sein.
Es kann auch positiv sein.

Aber Anleger sollten sich nicht täuschen:

Kein Zertifikat ersetzt eine tragfähige Exit-Kalkulation.

Ein Bonitätszertifikat schützt nicht vor:

  • einem schwachen Exit
  • einer Projektverzögerung
  • einem Preisabschlag
  • einer Liquiditätslücke
  • einer Insolvenz

Und ESG ist ebenfalls kein Schutzschild gegen wirtschaftliche Realität.

Oder anders gesagt:

Grün gestrichen ist nicht automatisch sicher.

Die Marge wirkt dünn – und genau das ist der rote Alarm

Nochmal, weil genau hier die Musik spielt:

  • Projektkosten: 584.144 Euro
  • erwarteter Verkauf: 596.700 Euro

Differenz:

12.556 Euro

Wenn aus dieser Luft noch bezahlt werden sollen:

  • Plattformkosten
  • Disagio / Anlegervergütung
  • Vertriebsaufwand
  • Abwicklung
  • Zeitverzug
  • eventuelle Preisnachlässe
  • zusätzliche Vermarktungsrisiken

dann wirkt das aus Sicht eines nüchternen Beobachters vor allem:

sehr eng kalkuliert

Und enge Kalkulationen sind im Immobilien-Crowdinvesting oft genau die Stelle, an der es später kracht.

Nicht immer.
Aber oft genug.

„Bereits investiert 52.000 Euro“ ist kein Gütesiegel

Dass bereits Geld eingesammelt wurde, sagt fast nichts über die Qualität des Angebots aus.

Viele Privatanleger verwechseln:

  • Beliebtheit
  • mit
  • Solidität

Nur weil andere bereits investiert haben, heißt das nicht:

  • dass das Risiko gering ist
  • dass die Kalkulation plausibel ist
  • dass die Rückzahlung sicher ist
  • dass das Angebot sauber durchfinanziert ist

Crowdinvesting lebt stark von Psychologie:

Wenn andere einsteigen, wirkt es vertrauenswürdig.

Das ist menschlich.
Aber es ist keine Due Diligence.

Sicherheiten? Dann bitte ganz genau hinschauen

Die Plattform deutet an:

„Folgende Sicherheiten erweitern Ihren Haftungsfonds und tragen zur Risikominderung bei …“

Klingt gut.

Aber gerade hier sollten Anleger nicht nicken, sondern fragen.

Und zwar sehr konkret:

  • Welche Sicherheit ist es genau?
  • Ist sie werthaltig?
  • Ist sie vorrangig oder nachrangig?
  • Wer hält sie?
  • Wie ist sie im Insolvenzfall durchsetzbar?
  • Ist sie praktisch verwertbar – oder nur theoretisch?
  • Greift sie wirklich für die Crowd?

Denn zwischen:

  • „es gibt Sicherheiten“

und

  • „ich bekomme im Ernstfall mein Geld zurück“

liegen im Crowdinvesting oft Welten.

Fazit: 14 Prozent sind hier kein Geschenk – sondern der Preis für hohes Risiko

Das Projekt „ESG-Serie VIII. – Hauptstraße“ ist gut erzählt:

  • historische Immobilie
  • teilweise vermietet
  • ESG-Story
  • Bonitätszertifikate
  • erfahrener Projektträger
  • überschaubare Laufzeit
  • starke Rendite

Aber unter dem Strich bleibt:

Das ist kein konservatives Immobilieninvestment.

Das ist eine spekulative Exit-Wette auf den schnellen Verkauf von drei Einheiten.

Und zwar mit:

  • endfälliger Rückzahlung
  • Mezzanine-/Nachrangcharakter
  • dünner Kalkulationsmarge
  • hoher versprochener Rendite
  • echtem Totalverlustrisiko

Kurz gesagt:

Wer hier investiert, investiert nicht in „Betongold“.

Er investiert in die Hoffnung, dass Verkauf, Preis und Timing exakt aufgehen.

Und wenn das nicht klappt, gilt:

Ein Totalverlust ist möglich.

Warnhinweis für Anleger

Bevor Sie investieren, sollten Sie sich mindestens diese Fragen ehrlich beantworten:

  • Verstehe ich die genaue Rangfolge im Insolvenzfall?
  • Weiß ich, ob mein Kapital wirtschaftlich nachrangig ist?
  • Kann ich einen vollständigen Verlust finanziell verkraften?
  • Habe ich die Projektkalkulation wirklich geprüft?
  • Ist die kalkulierte Marge für mich plausibel?
  • Vertraue ich nicht nur auf Rendite, Labels und Plattform-Scoring?

Wenn Sie auch nur bei einer dieser Fragen unsicher sind, dann gilt:

Finger weg – oder erst prüfen, dann investieren.


Kurzes DIE-BEWERTUNG-Fazit in einem Satz:

14 Prozent in 12 Monaten klingen nicht nach Geschenk – sondern nach Warnsignal.

Bildnachweis:

WOKANDAPIX (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 12.04.2026

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