TRUMP WARNT IRAN: „DAS WAR SO NICHT ABGEMACHT!“ – STREIT UM STRASSE VON HORMUS, ISRAEL BOMBARDIERT WEITER IM LIBANON

TRUMP WARNT IRAN: „DAS WAR SO NICHT ABGEMACHT!“ – STREIT UM STRASSE VON HORMUS, ISRAEL BOMBARDIERT WEITER IM LIBANON

Veröffentlicht

Freitag, 10.04.2026
von Red. TB

Die Waffenruhe im Nahen Osten steht auf wackligen Beinen: US-Präsident Donald Trump hat dem Iran vorgeworfen, beim Umgang mit der strategisch extrem wichtigen Straße von Hormus einen „sehr schlechten Job“ zu machen. Besonders brisant: Teheran halte sich laut Trump nicht an die Absprachen. „Das ist nicht die Vereinbarung, die wir haben“, machte der US-Präsident klar.

Hintergrund sind Berichte, wonach Iran von Öltankern Gebühren für die Durchfahrt durch die Meerenge verlangen soll. Durch die Straße von Hormus laufen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs. Trump reagierte scharf auf entsprechende Meldungen und warnte auf Truth Social: „Es gibt Berichte, dass Iran Gebühren von Tankern verlangt, die durch die Straße von Hormus fahren. Wenn das stimmt, sollten sie sofort damit aufhören.“

Die Aussagen zeigen, wie brüchig die jüngste Waffenruhe tatsächlich ist. Denn schon bei Inkrafttreten gab es Streit darüber, was überhaupt Teil der Vereinbarung ist. Besonders unklar blieb, ob auch der Libanon – Israels zweite Front im Krieg – in die Feuerpause einbezogen wurde. Während iranische Vertreter und pakistanische Vermittler davon ausgingen, dass das so sei, erklärten US- und israelische Stellen ausdrücklich das Gegenteil.

Mitten in diesem Chaos flog Israel am Mittwoch eine massive Angriffswelle auf den Libanon. Innerhalb von nur zehn Minuten wurden nach Angaben der israelischen Armee mehr als 100 Ziele getroffen. Es war die schwerste Angriffswelle seit Beginn des aktuellen Konflikts vor sechs Wochen.

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei mindestens 303 Menschen getötet und 1150 weitere verletzt. Die israelischen Streitkräfte erklärten, Ziel seien Raketenstellungen der Hisbollah im Süden des Landes gewesen. Auch am Donnerstag gingen die Angriffe weiter, ehe sie in der Nacht zumindest vorübergehend etwas nachließen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte gleichzeitig direkte Gespräche mit dem Libanon an. Dabei solle es vor allem um die Entwaffnung der proiranischen Hisbollah und um friedliche Beziehungen zwischen beiden Staaten gehen. Ein Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte, dass Washington kommende Woche ein Treffen ausrichten werde, um über laufende Waffenruhe-Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon zu sprechen.

Der Libanon hatte vor Beginn solcher Gespräche auf eine Waffenruhe gedrängt. Netanjahu machte jedoch unmissverständlich klar: „Es gibt keinen Waffenstillstand im Libanon.“

Trump versuchte dennoch, Zuversicht zu verbreiten. Nach einem Telefonat mit Netanjahu sagte er, Israel werde seine Angriffe im Libanon „zurückfahren“, um Friedensgespräche zu ermöglichen. „Ich habe mit Bibi gesprochen, und er wird es runterfahren. Ich denke einfach, wir müssen alle ein bisschen zurückhaltender sein“, sagte Trump dem Sender NBC News.

Die Lage in Beirut bleibt trotzdem dramatisch. Neue Evakuierungswarnungen trafen am Donnerstag die südlichen Vororte der Hauptstadt. Betroffen war auch das Gebiet Jnah, in dem sich zwei große Krankenhäuser befinden. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte, dass dort rund 450 Patienten behandelt würden, darunter 40 auf Intensivstationen. Eine Evakuierung sei praktisch nicht durchführbar, weil es derzeit keine alternativen medizinischen Einrichtungen gebe.

Zusätzlich liegt auch das Hauptquartier des libanesischen Gesundheitsministeriums im Evakuierungsgebiet. Dort sind laut WHO mehr als 5000 Menschen in Notunterkünften untergebracht.

Israel hält weiterhin große Teile des Südlibanon besetzt und hat dort in den vergangenen Tagen zahlreiche Dörfer zerstört. Ohne zumindest eine vorübergehende Feuerpause bleibt fraglich, wie erfolgreich direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon überhaupt verlaufen können.

Hinzu kommt: Unklar ist auch, wie viel Einfluss die libanesische Regierung tatsächlich auf die Hisbollah hat. Zwar sitzt die Miliz politisch im Land mit am Tisch, agiert militärisch aber weitgehend eigenständig und wird vom Iran unterstützt. Die libanesische Regierung hatte militärische Aktivitäten der Hisbollah bereits Anfang März verboten – stoppen konnte sie die Gruppe bislang jedoch nicht.

Am Donnerstag ordnete das libanesische Kabinett außerdem an, dass in Beirut nur noch staatliche Institutionen Waffen tragen dürfen. Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte, Armee und Sicherheitskräfte müssten die vollständige staatliche Kontrolle über die Hauptstadt nun konsequent durchsetzen.

Netanjahus Büro begrüßte diesen Schritt ausdrücklich und lobte den Aufruf zur Entmilitarisierung Beiruts. Nach israelischer Darstellung sollen die anstehenden Gespräche mit dem Libanon vor allem auf zwei Ziele hinauslaufen: die Entwaffnung der Hisbollah und eine Friedensregelung zwischen beiden Ländern.

Laut dem US-Medium Axios kündigte Netanjahu diese Linie nach Gesprächen mit Trump und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff an. Ein hochrangiger israelischer Beamter sagte demnach, direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon sollen bereits in der kommenden Woche in Washington beginnen.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun hatte zuvor erklärt, ein Waffenstillstand sei „die einzige Lösung“ für die Lage im Land. Schon vor einem Monat hatte er direkte Gespräche mit Israel als Teil eines Plans zur Beendigung der Eskalation ins Spiel gebracht – und dabei die Hisbollah ungewöhnlich scharf kritisiert.

Der aktuelle Gewaltausbruch ist Teil eines jahrzehntelangen Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah. Die jüngste Eskalation begann, nachdem die Miliz Raketen auf Israel abgefeuert hatte – nach der Tötung von Irans Oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei zu Beginn des Krieges und als Reaktion auf nahezu tägliche israelische Angriffe auf libanesisches Gebiet, die trotz einer bereits im November 2024 vereinbarten Waffenruhe fortgesetzt worden waren.

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn des Krieges mehr als 1800 Menschen getötet, darunter mindestens 130 Kinder. Ob es sich dabei um Zivilisten oder Kämpfer handelt, wird offiziell nicht unterschieden. Israel erklärt, rund 1100 Hisbollah-Kämpfer getötet zu haben.

Mehr als 1,2 Millionen Menschen – also etwa jeder fünfte Einwohner des Libanon – wurden nach offiziellen Angaben vertrieben. Die meisten von ihnen stammen aus schiitischen Gemeinden.

Bildnachweis:

geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 10.04.2026

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