Life Forestry Switzerland AG: Transparenz? Ja, natürlich – aber bitte nur in homöopathischen Dosen

Life Forestry Switzerland AG: Transparenz? Ja, natürlich – aber bitte nur in homöopathischen Dosen

Veröffentlicht

Mittwoch, 08.04.2026
von Red. TB

Die Anleger der Life Forestry Switzerland AG haben selbstverständlich ein Recht auf Transparenz. Also nicht theoretisch, nicht irgendwann, nicht in Form hübscher Worte oder freundlicher Beruhigungsmails – sondern ganz praktisch, nachvollziehbar und am besten mit Unterlagen. Aber genau da wird es bei der LFS offenbar spannend.

Denn nach unserem Eindruck scheint man dort das Wort „Transparenz“ etwas kreativer auszulegen. Frei nach dem Motto:
Transparenz ja – aber bitte nur dann, wenn man ohnehin schon mit dem Rücken an der Wand steht und schwarz auf weiß nichts mehr wegzuerklären ist.

Ansonsten wird eher das bewährte Modell gefahren: Mauern, schweigen, vertrösten und hoffen, dass schon irgendwann Gras über die Sache wächst. Wobei man bei Life Forestry ja eher sagen müsste: Teak wächst drüber.

Über 200 Millionen Euro sollen eingesammelt worden sein. Das ist nun keine Kaffeekasse, kein Garagenprojekt und auch kein Schüler-Start-up mit drei Topfpflanzen auf dem Balkon. Bei solchen Summen könnte man auf die verrückte Idee kommen, dass es irgendwo belastbare Unterlagen geben müsste.

Zum Beispiel darüber,

  • wie viele Bäume tatsächlich gekauft wurden,
  • wem die Plantagen tatsächlich gehören,
  • wie die Besitz- und Nutzungsrechte geregelt sind,
  • was bisher überhaupt verwertet wurde,
  • welche Erträge aus Teakholz erzielt wurden,
  • und wo das alles am Ende wirtschaftlich steht.

Man sollte meinen: Wenn über 200 Millionen Euro eingesammelt wurden, müsste man den Anlegern doch locker mal eine saubere Historie auf den Tisch legen können.
Also Zahlen, Daten, Verträge, Nachweise, Verwertungen, Eigentumsverhältnisse.

Aber nein. Offenbar wäre das zu viel verlangt.
Stattdessen bleibt vieles im Bereich von:
„Vertrauen Sie uns einfach, irgendwo stehen schon ein paar Bäume.“

Und damit wir uns nicht falsch verstehen:
Wir haben nie bestritten, dass Plantagen existieren. Natürlich existieren Plantagen. Man musste ja irgendetwas vorzeigen. Irgendwo musste schließlich auch mal eine Kamera draufhalten können. Das Problem ist nicht, ob es Plantagen gibt.

Das Problem ist die viel unangenehmere Frage:

Gibt es überhaupt genug werthaltige Plantagen, genug Bäume und genug verwertbares Holz, um den fast 7.000 Anlegern wenigstens ihren Einsatz zurückzuzahlen – selbst ohne Gewinne?

Das ist die eigentliche Frage.
Und die ist leider deutlich weniger romantisch als jede Hochglanzbroschüre mit tropischer Kulisse.

Denn wenn von Anfang an schlicht zu wenig Substanz da war, um dieses Modell wirtschaftlich sauber zu tragen, dann reden wir nicht mehr über Missverständnisse, schlechte Kommunikation oder unglückliche Entwicklungen. Dann müsste man gedanklich möglicherweise in eine ganz andere Richtung marschieren.

Genau deshalb wollen wir für die Mitglieder der IG LFS jetzt Klarheit. Nicht irgendwann. Nicht nach dem nächsten Rundschreiben. Nicht nach dem nächsten „bitte haben Sie Geduld“. Sondern jetzt.

Wir wollen wissen:

  • Was ist wirklich mit den Plantagen?
  • Wie wurden diese tatsächlich bewirtschaftet?
  • Was wurde aus den Teakholzbeständen real verwertet?
  • Welche Erlöse gab es tatsächlich?
  • Welche Gesellschaft oder Stiftung hat dabei welche Rolle gespielt?

Und damit kommen wir zu einem weiteren kleinen Detail, das uns seit Jahren „ein wenig“ beschäftigt.

Was ist eigentlich mit der Life Forestry Foundation in Liechtenstein?

Nach Aussagen vieler Anleger war genau diese Stiftung angeblich für die Bewirtschaftung der Plantagen zuständig. Klingt wichtig. Klingt zentral. Klingt nach einer Struktur, die man eigentlich verstehen sollte.

Nur stellt sich dann eine ganz simple Frage:

Warum gründet man plötzlich neue Konstruktionen oder neue Formen, wenn die Life Forestry Foundation in Liechtenstein doch noch existiert?

Denn soweit bekannt, ist diese Stiftung nicht insolvent.

Also warum eine neue Hülle?
Warum neue Wege?
Warum neues Etikett auf alter Flasche?

Auch das gehört in den Bereich:
„Das ist sicher alles ganz harmlos, aber erklären wäre trotzdem nett.“

Und dann wäre da noch ein weiterer Punkt, der seit Jahren unerquicklich im Raum steht.

Im Umfeld der LFS taucht offenbar eine Person auf, die in Deutschland in der Vergangenheit als verurteilter Diamantenbetrüger aufgefallen sein soll. Das klingt natürlich unschön, aber keine Sorge: Dazu gab es selbstverständlich sofort den juristisch korrekten Hinweis, dass das alles über 20 Jahre her sei und ein Mensch natürlich ein Recht auf Vergessen habe.

Das stimmt auch.
Völlig richtig.
Sauber vorgetragen.
Juristisch unangreifbar.

Nur leider gibt es da ein kleines Problem:

Life Forestry gibt es ebenfalls seit rund 20 Jahren.

Und da darf man – rein spekulativ, versteht sich – zumindest einmal die Frage stellen, ob es sich hier womöglich um ein Nachfolgemodell handeln könnte, das nach früheren Erfahrungen eine neue wirtschaftliche Lebensgrundlage geschaffen hat.

Nochmal ganz deutlich:
Das ist Spekulation.

Aber es ist eben eine Spekulation, die sich nicht allein dadurch in Luft auflöst, dass man mit strengem Blick „Recht auf Vergessen“ sagt.

Wir in der Redaktion hoffen deshalb sehr, dass wir nach unserer Reise endlich mehr Klarheit bekommen. Vielleicht kann man danach eine endgültige Bewertung des gesamten Vorgangs vornehmen – mit Fakten statt Nebel, mit Nachweisen statt Ausflüchten und mit Substanz statt PR-Rhetorik.

Bis dahin bleibt unsere Haltung klar:

Die Anleger haben ein Recht auf Transparenz.
Ein Recht auf Belege.
Ein Recht auf Wahrheit.
Und bei über 200 Millionen Euro darf man sogar so unverschämt sein, nachzufragen, wo genau das alles geblieben ist.

Denn wenn man Anlegern über Jahre ein Teakholzmodell verkauft, dann sollte am Ende idealerweise nicht nur das Marketing gewachsen sein.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an alle, die sich an der Kriegskasse beteiligt haben. Auch wenn es knapp ist – wir werden diese Mittel gezielt einsetzen. Nicht für schöne Worte, nicht für Luftnummern und auch nicht für tropische PowerPoint-Folien.

Sondern für das, was bei Life Forestry seit Jahren offenbar Mangelware ist:

Echte Klarheit.

Denn irgendwann reicht es nicht mehr, auf Bäume zu zeigen.
Dann will man auch wissen, wem sie gehören, wie viele es sind – und ob sie überhaupt reichen.

Wenn du willst, mache ich dir jetzt sofort noch die noch bissigere DieBewertung-Endfassung mit der Headline:

„200 Millionen Euro, 7.000 Anleger und irgendwo im Regenwald steht bestimmt schon was“

oder noch härter:

„Life Forestry Switzerland AG: Viel Teak im Prospekt – aber wo ist die Transparenz im echten Leben?“

Bildnachweis:

CharlesRondeau (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 08.04.2026

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