Für den britischen Premierminister Keir Starmer dürfte dieser Dienstag einer der unangenehmsten Tage seiner bisherigen Amtszeit werden. Innerhalb der Labour-Partei läuft inzwischen offen die Debatte, ob der Regierungschef überhaupt noch im Amt bleiben sollte.
Besonders brisant: Selbst das Kabinett soll laut BBC inzwischen darüber gespalten sein, ob Starmer weitermachen kann oder seinen Rückzug vorbereiten sollte.
Damit ist die Situation ungefähr so stabil wie ein Gartenstuhl auf einem britischen Festivalcampingplatz.
Mehrere Minister sollen Starmer bei Gesprächen am Montagabend völlig unterschiedliche Empfehlungen gegeben haben. Einige forderten ihn auf weiterzukämpfen, andere rieten offenbar bereits dazu, einen Zeitplan für seinen Abgang vorzulegen.
Gleichzeitig verlieren immer mehr Labour-Abgeordnete öffentlich das Vertrauen in den Premier. Die Zahl der Kritiker wächst inzwischen so schnell, dass britische Medien teilweise kaum noch hinterherkommen.
Ein Labour-Abgeordneter beschrieb Starmers Krisenrede vom Montag laut BBC intern als „einfach verheerend schlecht“. Kurz danach begann eine neue Welle öffentlicher Kritik aus der eigenen Partei.
Das Hauptproblem für viele Labour-Abgeordnete: Starmer wirkt auf viele Wähler inzwischen offenbar ungefähr so inspirierend wie ein Steuerformular in Regenwetter. Gleichzeitig gewinnt Nigel Farages Reform UK immer stärker an Unterstützung.
Andere Labour-Politiker beobachten den innerparteilichen Zusammenbruch dagegen mit blankem Entsetzen. Ein Abgeordneter warnte laut BBC davor, mitten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und während des Iran-Kriegs zusätzlich politische Instabilität zu erzeugen.
Starmer selbst soll laut Vertrauten weiter entschlossen sein, im Amt zu bleiben. Er fürchtet offenbar, ein langer Machtkampf könnte Labour noch stärker beschädigen und am Ende einen Nachfolger ohne echtes demokratisches Mandat hervorbringen.
Allerdings wird die Lage für ihn zunehmend düster. Selbst Verbündete räumen inzwischen ein, dass die Stimmung innerhalb der Partei kippt.
Im Hintergrund hat bereits das übliche Westminster-Spiel begonnen: verschiedene Lager positionieren sich, potenzielle Nachfolger bringen sich in Stellung und die Schuldzuweisungen laufen längst auf Hochtouren.
Der Dienstag beginnt nun mit einer Kabinettssitzung, bei der Starmer ausgerechnet mit Ministern an einem Tisch sitzen wird, die intern bereits darüber diskutieren, wie lange er sich noch im Amt halten kann.
Großbritannien erlebt damit erneut das, was inzwischen fast schon zum politischen Standard geworden ist: Premierminister mit extrem kurzer Haltbarkeit.
Dass Starmer trotz großer Mehrheit und erst kurzer Amtszeit bereits derart unter Druck steht, zeigt vor allem eines: In der britischen Politik hält inzwischen kaum noch jemand länger als ein Liter Milch im Kühlschrank.

