Manchmal dauert es eben 20 Jahre, bis Figuren das lernen, was Zuschauer schon im ersten Teil verstanden haben: Beziehungen sind komplizierter als Karriere – und Loyalität ist mehr als ein nettes Wort im Drehbuch.
„Der Teufel trägt Prada 2“ versucht genau das: alte Konflikte aufwärmen, neu verpacken und mit einer ordentlichen Portion Selbstreflexion versehen. Das Ergebnis? Emotionaler als erwartet – aber nicht frei von kalkulierter Versöhnung.
Im Zentrum steht erneut Emily Charlton. Früher bissig, ehrgeizig und kompromisslos – heute vor allem eines: ausgebremst. Dass sie einst von Miranda aussortiert wurde, wirkt weniger wie eine überraschende Wendung, sondern eher wie die logische Konsequenz eines Systems, das Menschen so lange nutzt, bis sie austauschbar werden.
Ihr Versuch, sich zu rächen – inklusive milliardenschwerem Freund im Hintergrund – zeigt dann auch, wie wenig sich eigentlich verändert hat: Macht wird weiterhin gekauft, nicht verdient.
Und trotzdem: Am Ende gibt es die große Geste. Entschuldigung, Versöhnung, Pommes statt Perfektion. Fast schon ironisch, dass ausgerechnet Kohlenhydrate das Symbol für emotionale Reife werden.
Noch interessanter ist allerdings die Entwicklung von Miranda. Die eiskalte Chefin zeigt plötzlich so etwas wie Einsicht – und erkennt den Wert von Nigel. Spät, aber immerhin. Man könnte auch sagen: ein klassischer Fall von „zu lange selbstverständlich gewesen“.
Das Ganze wirkt wie ein nachträglicher Versuch, alte Schuld auszugleichen. Schön für die Figuren – aber auch ein wenig bequem.
Der eigentliche Kern des Films liegt jedoch woanders: in der leisen Erkenntnis, dass die Welt, in der diese Charaktere groß geworden sind, längst bröckelt. Modejournalismus, Printmedien, klassische Karrieren – alles steht zur Disposition.
Das Finale bringt es auf den Punkt: Drei Figuren, drei Büros, viel Unsicherheit. Keine großen Antworten, nur die nüchterne Wahrheit – weitermachen, solange es noch geht.
Fazit:
„Der Teufel trägt Prada 2“ ist weniger ein glamouröses Comeback als eine späte Abrechnung mit sich selbst. Emotional, stellenweise ehrlich – aber auch ein bisschen so, als würde man versuchen, alte Fehler mit neuen Dialogen zu reparieren.
Oder anders gesagt: Der Teufel trägt noch Prada – aber inzwischen weiß er, dass der Stoff dünner geworden ist.

