Route 66 im E-Auto: Der Mythos lebt – nur anders

Route 66 im E-Auto: Der Mythos lebt – nur anders

Veröffentlicht

Montag, 27.04.2026
von Red. TB

Die Route 66 wird 100 Jahre alt. Inzwischen ist Amerikas berühmteste Fernstraße auch mit dem Elektroauto befahrbar. Eine Reise zeigt: Der Mythos bleibt – aber das Gefühl unterwegs zu sein verändert sich.

Die Route 66 ist mehr als eine Straße. Sie ist ein Symbol für Freiheit, Aufbruch und das alte Amerika. Wer heute auf ihr unterwegs ist, fährt vorbei an Diners, Neon-Schildern, Tankstellen aus einer anderen Zeit und überdimensionalen Werbefiguren am Straßenrand. Doch pünktlich zu ihrem 100. Geburtstag verändert sich die „Mother Road“: Sie wird elektrisch.

Noch vor wenigen Jahren galt die legendäre Strecke von Chicago bis Santa Monica kaum als geeignet für E-Autos. Zu lang, zu ländlich, zu viele Lücken in der Infrastruktur. Inzwischen ist entlang vieler Abschnitte ein Netz von Ladesäulen entstanden. Nicht überall, nicht lückenlos – aber ausreichend, um die Reise möglich zu machen.

Und genau das verändert die Erfahrung.

Wer mit dem Elektroauto auf der Route 66 unterwegs ist, reist langsamer. Während Verbrennerfahrer schnell tanken und weiterfahren, zwingt das Laden zu Pausen. Aus 5 Minuten werden oft 30 oder mehr. Das klingt zunächst nach Nachteil, passt aber erstaunlich gut zur Route 66. Denn diese Straße war nie nur Transitstrecke. Sie lebt vom Anhalten, Schauen, Reden.

So wird die Ladesäule zum neuen Treffpunkt. Statt an der Zapfsäule kurz zu verschwinden, bleibt man stehen, spricht mit Einheimischen, hört Geschichten über liegen gebliebene Autos, berühmte Reisende und die große Zeit der amerikanischen Roadtrips. Die Technik bremst – und schafft damit genau jene Langsamkeit, die man auf einer ikonischen Strecke wie dieser fast vermisst hat.

Ganz ohne Probleme ist das nicht. Vor allem in ländlichen Gegenden kann die Suche nach der nächsten Lademöglichkeit zur Nervenprobe werden. Reichweitenangst ersetzt hier die alte Sorge, mit leerem Tank liegenzubleiben. Wer die Route 66 elektrisch fahren will, braucht Planung, Apps und einen Plan B.

Trotzdem zeigt sich: Der Mythos funktioniert auch ohne Benzingeruch.

Denn die Route 66 war nie nur der Sound des Motors. Sie war immer auch das Gefühl, unterwegs zu sein – mit Zeit, Umwegen und Zufällen. Das E-Auto verändert den Rhythmus dieser Reise, aber nicht ihren Kern.

Vielleicht passt es sogar besser zur Gegenwart, als viele Nostalgiker glauben: Die Straße bleibt ein Symbol des amerikanischen Aufbruchs. Nur dass dieser Aufbruch heute leiser ist.

Bildnachweis:

kaaathi (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 27.04.2026

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