Der Inselstaat Kiribati lebt vom Thunfisch. Doch steigende Meerestemperaturen könnten die Bestände aus seinen Gewässern verdrängen – mit gravierenden Folgen für Staatsfinanzen, Ernährungssicherheit und Zukunftsperspektiven.
Kiribati zählt zu den verwundbarsten Staaten der Welt – nicht nur wegen des steigenden Meeresspiegels. Auch wirtschaftlich hängt das Land an einem fragilen System: Mehr als 70 Prozent der Staatseinnahmen stammen aus dem Verkauf von Fanglizenzen für ausländische Thunfischflotten. Kein anderes Land ist so stark von diesem Modell abhängig.
Dabei ist Kiribati an Land winzig, im Meer jedoch riesig. Die 33 Inseln verteilen sich über eine ausschließliche Wirtschaftszone von mehr als 3,4 Millionen Quadratkilometern. In diesen Gewässern werden große Mengen an Skipjack-, Gelbflossen- und Großaugenthun gefangen – Teil eines globalen Thunfischmarkts, der auf mehr als 44 Milliarden Dollar geschätzt wird.
Doch genau diese Grundlage gerät ins Wanken. Wissenschaftler warnen, dass sich Thunfischbestände durch die Erwärmung des Pazifiks nach Osten in kühlere Gewässer verlagern könnten. Für Kiribati wäre das ein doppelter Schlag: Ausländische Fangflotten müssten weniger Lizenzen kaufen, und zugleich würden lokale Fischer geringere Erträge erzielen.
Nach Angaben des Fischereiministeriums könnte Kiribati bis 2050 jährlich mehr als 10 Millionen Dollar an Fanggebühren verlieren, falls die globalen Emissionen hoch bleiben. Besonders betroffen wären die Line Islands. Selbst in einem günstigeren Klimaszenario rechnen Experten dort mit deutlichen Rückgängen bei den lokalen Fängen.
Das ist nicht nur ein fiskalisches Problem. In Kiribati liegt der jährliche Fischkonsum pro Kopf bei rund 100 Kilogramm – Fisch ist zentrale Proteinquelle und Teil der Alltagsversorgung. Wenn lokale Bestände sinken, wächst die Abhängigkeit von Importen. Das treibt Kosten und verschlechtert die Ernährungsqualität, vor allem auf abgelegenen Inseln.
Die Regierung versucht gegenzusteuern. Gemeinsam mit internationalen Partnern beteiligt sich Kiribati an einem 156,8-Millionen-Dollar-Programm des Green Climate Fund, das bessere Vorhersagen zur Wanderung der Thunfischbestände ermöglichen und die Ernährungssicherheit stabilisieren soll. Zudem setzt das Land auf eigene Weiterverarbeitung, Aquakultur, erneuerbare Energien und vorsichtige Diversifizierung etwa im Tourismus.
Doch die strukturelle Verwundbarkeit bleibt. Kiribati zeigt exemplarisch, wie der Klimawandel nicht nur Küsten bedroht, sondern ganze Wirtschaftsmodelle. Wenn der Thunfisch weiterzieht, verliert das Land weit mehr als eine Einnahmequelle – es verliert ein Stück seiner ökonomischen Grundlage.

