Trump und der Kiosk des Grauens: Wenn ein Ex-New Yorker keine Bodega kennt

Trump und der Kiosk des Grauens: Wenn ein Ex-New Yorker keine Bodega kennt

Veröffentlicht

Samstag, 18.04.2026
von Red. TB

Manchmal schreibt die Politik die besten Satiren einfach selbst.
Diesmal war es Donald Trump, der bei einem Auftritt in Las Vegas unfreiwillig bewies, dass man zwar jahrzehntelang behaupten kann, New York im Blut zu haben – und trotzdem offenbar nie in einem ganz normalen Laden um die Ecke gewesen sein muss.

Bei einem Rundtischgespräch über Steuern stolperte Trump über den Begriff „Corner Store“. Also über genau jene kleinen Läden an der Straßenecke, die in New York ungefähr so exotisch sind wie gelbe Taxis, genervte Fußgänger und überteuerter Kaffee.

Trump fragte tatsächlich:

„Was ist ein Corner Store?“

Dann schob er hinterher, er wisse zwar, was ein Corner Store sei, habe den Begriff aber noch nie so gehört.
Ein Satz, der inhaltlich ungefähr denselben Charme hat wie:

„Ich weiß zwar, was ein Bagel ist, aber ich habe noch nie von Brot mit Loch gehört.“

Anschließend folgte noch der Klassiker jedes leicht überforderten Vortragsmoments:

„Wer zum Teufel hat das geschrieben?“

New Yorker reagieren wie erwartet: mit kollektivem Augenrollen

In New York City dürfte diese Aussage ungefähr so angekommen sein, als würde jemand behaupten, er sei in Italien aufgewachsen und frage dann beim Anblick einer Pizza:
„Was ist das für ein flacher Käsekeks?“

Denn sogenannte Corner Stores – in New York meist schlicht Bodegas oder Delis genannt – gehören dort zum urbanen Alltag wie Sirenen, Baustellenlärm und Menschen, die dir gleichzeitig ins Handy und in die Seele schreien.

Gerade pikant: Trump ist nicht irgendein Tourist aus Nebraska, der zufällig mal Manhattan gegoogelt hat.
Er wurde in Queens geboren, lebte Jahrzehnte in Manhattan und inszeniert sich seit Jahren als personifizierter New-York-Mythos mit Krawatte.

Nur scheint dieser Mythos eben eher aus Penthouse, Chauffeur und Privatclub zu bestehen – und weniger aus Kaffee im Pappbecher, Bacon-Egg-and-Cheese und Gespräch mit dem Bodega-Mann um 7.15 Uhr morgens.

Chuck Schumer verteilt die naheliegende Ohrfeige

Der demokratische Minderheitsführer Chuck Schumer, selbst echter New Yorker, ließ sich die Vorlage natürlich nicht entgehen. Sinngemäß stellte er klar:

Ein Mann, der behauptet, „born and raised“ in New York zu sein, aber keinen Corner Store kennt? Das ist schon fast Kunstbetrug.

Und ganz ehrlich:
So ganz falsch ist das nicht.

Denn wer in New York aufgewachsen ist und bei „Corner Store“ ins Grübeln kommt, hat entweder in einem sehr speziellen Paralleluniversum gelebt – oder wurde von der Realität konsequent durch Portiers ferngehalten.

Trump: Der Mann aus Queens – aber bitte nur aus der Deluxe-Version

Zur Ehrenrettung muss man sagen: Trump hatte tatsächlich keine klassische New-York-Biografie.
Er wuchs nicht zwischen Bodega, Bushaltestelle und hupendem Lieferwagen auf, sondern in Jamaica Estates, also in einer wohlhabenden Ecke von Queens, in einem Haus, das mit dem üblichen Großstadtalltag ungefähr so viel zu tun hatte wie ein Golfclub mit einer U-Bahn-Station.

Später ging es weiter mit Internat, Elite-Uni, Upper East Side, Midtown Manhattan und schließlich Mar-a-Lago in Florida.
Kurz gesagt:

Während andere New Yorker am Kiosk einen Coffee-to-go holten, dürfte Trump eher Personal gehabt haben, das diskret fragte, ob der Orangensaft frisch gepresst oder leicht republikanisch sein soll.

Nicht der erste Ausflug ins Paralleluniversum

Ganz neu ist diese Art von Realitätskontaktverlust allerdings nicht.

Trump hatte bereits früher mit Aussagen geglänzt, die ungefähr klangen, als hätte er den Alltag normaler Menschen zuletzt aus sicherer Entfernung im Fernsehen gesehen:

  • Das Wort „groceries“ hielt er für altmodisch.
  • „Bezahlbarkeit“ bezeichnete er als Trick der Demokraten.

Und jetzt also der Kiosk-Moment.

Man bekommt langsam den Eindruck, dass Trump das Leben normaler Amerikaner ungefähr so studiert wie andere Menschen Naturdokumentationen über Tiefsee-Fische:
mit Interesse, aber aus sicherer Entfernung und ohne direkten Kontakt.

Das eigentliche Problem: Politik lebt von Glaubwürdigkeit

Natürlich könnte man das alles als lustigen Versprecher abtun.
Aber politisch ist die Szene unangenehm – weil sie genau in ein bekanntes Bild passt:

Trump inszeniert sich gern als Mann des Volkes, als Verteidiger kleiner Geschäfte, kleiner Leute, kleiner Städte.
Doch wenn er dann an einem Begriff wie „Corner Store“ hängen bleibt, wirkt das eben nicht wie Nähe zum Alltag – sondern eher wie ein Immobilienmilliardär auf Betriebsausflug in die Wirklichkeit.

Besonders ironisch: In New York wird gerade massiv über Lebenshaltungskosten, kleine Geschäfte und die Zukunft von Bodegas diskutiert.
Und ausgerechnet der Mann, der sich ständig als urbaner Macher verkauft, stolpert über das Wort, das dort jedes Kind kennt.

Fazit

Trump wollte über Steuererleichterungen für kleine Unternehmen sprechen – und lieferte stattdessen unfreiwillig den Beweis, dass zwischen ihm und dem Alltag vieler Amerikaner ungefähr dieselbe Distanz liegt wie zwischen Manhattan und Mar-a-Lago.

Oder noch kürzer:

Ein echter New Yorker kennt den Corner Store.
Ein falscher fragt erst mal, wer ihm diesen komischen Begriff in die Rede geschrieben hat.

Und genau deshalb war dieser kleine Satz mehr als nur ein Versprecher.

Er war ein perfekter politischer Offenbarungseid mit Kioskanschluss.

Bildnachweis:

geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 18.04.2026

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