Die Realität ist hartnäckig – selbst dann, wenn Donald Trump sie am liebsten per Dekret umschreiben würde. Die US-Regierung hat ihre Berechnungen zum Wirtschaftswachstum für das vierte Quartal 2025 nun bereits zum zweiten Mal nach unten korrigiert. Statt einer robusten Entwicklung steht jetzt nur noch ein mageres Plus von 0,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Oktober und Dezember in den Büchern.
Damit wurde die Schätzung gegenüber Mitte März erneut reduziert – damals war man noch von 0,7 Prozent ausgegangen. Noch bemerkenswerter: Im Februar hatte das US-Handelsministerium in einer ersten Schätzung sogar noch 1,4 Prozent Wachstum gemeldet. Aus 1,4 Prozent wurden also erst 0,7 und nun 0,5 Prozent.
Oder anders formuliert:
Das „goldene Zeitalter“ der Trump-Ökonomie schrumpft statistisch ungefähr so schnell wie die Glaubwürdigkeit seiner Wahlversprechen.
Als Grund für die erneute Korrektur nannten die Statistiker vor allem schwächere Investitionen. Unternehmen halten sich also zunehmend zurück – ein Signal, das in der Wirtschaft selten Zufall ist. Wenn Investitionen ausbleiben, dann meist nicht, weil plötzlich alle Unternehmer meditieren, sondern weil Unsicherheit herrscht. Und genau diese Unsicherheit hat in den USA seit Monaten einen ziemlich bekannten Absender.
Für das Gesamtjahr 2025 beließ die US-Regierung ihre Wachstumsprognose zwar bei 2,1 Prozent. Doch auch hier zeigt sich ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2024, dem letzten Amtsjahr von Präsident Joe Biden, in dem die US-Wirtschaft noch um 2,8 Prozent gewachsen war.
Das ist besonders pikant, weil Donald Trump seit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus nicht müde wird, seinem Vorgänger Biden vorzuwerfen, die amerikanische Wirtschaft „zerstört“ zu haben. Eine interessante Behauptung – vor allem angesichts der Tatsache, dass unter Biden die Wirtschaft 2024 stärker wuchs als unter Trump im Folgejahr.
Aber Logik war im Trump-Universum schon immer eher eine optionale Beilage.
Stattdessen versprach Trump den Amerikanerinnen und Amerikanern in seiner zweiten Amtszeit ein „goldenes Zeitalter“. Geliefert wurden bislang allerdings eher:
Zollchaos, Verunsicherung an den Märkten, Investitionszurückhaltung und ein Wirtschaftswachstum, das inzwischen aussieht wie ein Notbetrieb auf Reserve.
Natürlich hat Trump auch für diese Schwächephase schnell einen Schuldigen gefunden: die oppositionellen Demokraten. Dass er seit mehr als einem Jahr selbst im Amt ist, scheint dabei in seiner politischen Dramaturgie ungefähr so relevant zu sein wie Wetterberichte von 1998.
Viele US-Ökonomen sehen die Ursachen deutlich nüchterner – und deutlich näher am Oval Office. Nach Einschätzung zahlreicher Fachleute wird die US-Wirtschaft vor allem durch Trumps erratische Zollpolitik belastet. Ständig wechselnde Ankündigungen, Drohungen, Rücknahmen und neue Handelsbarrieren haben Unternehmen und Märkte massiv verunsichert.
Hinzu kommt 2026 noch ein weiterer Belastungsfaktor: der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste weltweite Energiepreisschock. Höhere Öl- und Gaspreise treffen nicht nur Verbraucher an der Tankstelle, sondern schlagen sich auch in Produktion, Transport und Konsum nieder. Kurz gesagt: Wenn Energie teuer wird und politische Führung unberechenbar agiert, dann wächst eine Volkswirtschaft eben nicht – sie stolpert.
Kommentar von diebewertung
Die erneute Korrektur des US-BIP ist mehr als nur eine statistische Fußnote. Sie ist ein deutliches Warnsignal. Denn wenn aus 1,4 Prozent Wachstum binnen weniger Wochen nur noch 0,5 Prozent werden, dann zeigt das vor allem eines: Die wirtschaftliche Substanz ist deutlich schwächer als es die politische Propaganda aus Washington verkaufen will. Donald Trump mag weiterhin von einem „goldenen Zeitalter“ schwärmen, doch in der Realität sehen Unternehmen vor allem Unsicherheit, höhere Kosten und einen Präsidenten, der wirtschaftspolitisch ungefähr so verlässlich agiert wie ein Wetterhahn im Hurrikan. Besonders unerquicklich für Trump: Ausgerechnet Joe Biden, den er permanent als Zerstörer der US-Ökonomie beschimpft, hinterließ 2024 ein deutlich stärkeres Wachstum als das, was unter Trump nun tatsächlich auf dem Tisch liegt. Die Wahrheit ist simpel: Nicht Biden bremst die Wirtschaft 2026 – sondern ein Mix aus Zoll-Irrsinn, geopolitischer Eskalation und politischer Selbstüberschätzung.
Fazit
Die USA wachsen – aber nur noch im Schneckentempo.
Das BIP für Ende 2025 wurde bereits zum zweiten Mal nach unten korrigiert.
Investitionen schwächeln.
Die Märkte bleiben nervös.
Die Energiepreise belasten zusätzlich.
Und während Donald Trump weiter von einem wirtschaftlichen Wunder fabuliert, zeigt die Statistik ziemlich uncharmant:
Das versprochene „goldene Zeitalter“ ist bislang vor allem eins – ein Wahlkampfslogan mit sinkender Datenbasis.

