Das Wireless Festival in London ist abgesagt. Der Grund ist so herrlich absurd, dass man fast glauben könnte, es sei ein Satireprojekt gewesen: Kanye West sollte Headliner sein, durfte dann aber von der britischen Regierung gar nicht erst ins Land einreisen. Ergebnis: Festival tot, Tickets zurück, Organisatoren auf Tauchstation und irgendwo in London weint gerade ein Eventmanager in ein Excel-Sheet.
Die offizielle Version: Die britische Regierung fand Kanyes Anwesenheit „nicht förderlich für das öffentliche Wohl“.
Die inoffizielle Übersetzung:
„Wir holen uns doch keinen Mann ins Land, der in den letzten Jahren verbal komplett auf Werkseinstellung Wahnsinn zurückgesetzt wurde.“
Und damit war der Fall erledigt.
Das Lustigste an der Geschichte ist aber nicht mal Kanye selbst – sondern die Reaktion der Veranstalter. Die erklärten nämlich allen Ernstes, man habe vor der Buchung mit „mehreren Stakeholdern“ gesprochen und „keine Bedenken“ festgestellt.
Keine Bedenken.
Bei Kanye West.
Dem Mann, der in den letzten Jahren mit antisemitischen Ausfällen, Nazi-Romantik, Hitler-Geschwurbel und allerlei geistigem Tiefflug aufgefallen ist, als würde er jeden Morgen würfeln, welche Grenzüberschreitung heute dran ist.
Da fragt man sich unweigerlich:
Mit wem genau haben die gesprochen? Mit seinem Spotify-Algorithmus?
Man muss sich das mal vorstellen:
Jemand veröffentlicht einen Song namens „Heil Hitler“, verkauft T-Shirts mit Hakenkreuzen, schwadroniert öffentlich über Hitler – und irgendwo sitzt ein Festivalplaner in London und sagt:
„Klingt kontrovers, aber hat der Mann schon zugesagt?“
Es ist wirklich beeindruckend, wie flexibel Moral werden kann, wenn der Ticketverkauf winkt.
Und der lief offenbar hervorragend. Der Vorverkauf war Berichten zufolge schon durch, die Fans hatten Tickets, Hotels, Flüge und vermutlich schon ihre peinlichsten Instagram-Outfits parat. Doch dann kam das Innenministerium und sagte sinngemäß:
„Nee. Der spielt heute höchstens im Transitbereich.“
Kanye versuchte es noch mit einer Art Last-Minute-Imagepolitur. Er erklärte, Worte allein reichten nicht, er wolle mit der jüdischen Community in Großbritannien sprechen, zuhören, lernen, sich öffnen.
Was ungefähr so wirkt, als würde jemand erst das Wohnzimmer anzünden und dann fragen, ob man sich vielleicht mal ganz in Ruhe über Brandschutz unterhalten könne.
Die britische Politik war jedenfalls erstaunlich klar. Premierminister Keir Starmer meinte sinngemäß, Kanye hätte nie gebucht werden dürfen. Andere Politiker sagten, seine Entschuldigung sei ungefähr so überzeugend wie ein Versicherungsvertreter nach einem Einbruch.
Auch jüdische Organisationen waren wenig begeistert und machten klar:
Reue ist schön – aber idealerweise bevor man als Festival-Headliner wieder geschniegelt auf die Bühne stolziert.
Besonders unterhaltsam wurde es dann, als die Veranstalter andeuteten, jüdische Gruppen hätten Gespräche verweigert. Diese reagierten ungefähr mit:
„Äh… nein. Wir haben nur gesagt, dass ihr den Mann nicht buchen solltet.“
Kleiner, aber feiner Unterschied.
Am Ende bleibt also dieses wunderbare Bild zurück:
- Kanye wollte nach London
- London sagte: eher nein
- Wireless wollte Kasse machen
- Die Regierung wollte keinen diplomatischen Totalschaden
- Und die Ticketkäufer bekommen jetzt immerhin ihr Geld zurück – wahrscheinlich ohne Bühnennebel, aber mit Lebenserfahrung
DieBewertung meint: Das Wireless Festival ist nicht an Musik gescheitert, sondern an der genialen Idee, einen Mann mit der öffentlichen Verlässlichkeit eines brennenden Einkaufswagens als Headliner einzukaufen. Erst buchen, dann überrascht tun, dann absagen – das ist kein Festivalmanagement, das ist Improvisationstheater mit Rückerstattungsformular. Immerhin: Kanye kommt nicht rein, London bleibt stabil und der Sommer hat uns schon vor dem ersten Beat die beste Comedy geliefert.
Wenn du willst, mache ich dir jetzt noch eine noch lustigere Version im komplett bösen DieBewertung-Stil mit der Überschrift:
„Kanye an der Grenze gestoppt – Wireless Festival stirbt den Heldentod der schlechten Entscheidungen“
oder noch fieser:
„London sagt Nein zu Kanye – und das Festival lernt, dass man Hitler-Songs nicht einfach mit Bühnenlicht überstrahlen kann“

