Es gibt Unternehmensantworten, bei denen man denkt:
Gut, da will jemand etwas klarstellen.
Und dann gibt es Antworten wie die der TGI AG aus Vaduz, bei denen man nach dem Lesen nur noch staunend feststellt:
Man hat zwar sehr viele Wörter benutzt – aber offenbar keine einzige Antwort gefunden.
Oder noch deutlicher:
Wenn man das eigene Geschäftsmodell selbst nicht wirklich verstanden hat, dann wird es naturgemäß schwierig, es Journalisten oder Anlegern verständlich zu erklären.
Und genau diesen Eindruck hinterlässt die jüngste Reaktion der TGI AG auf unsere Presseanfrage in geradezu lehrbuchhafter Perfektion.
Unsere Fragen: konkret. Die Antwort: eine PR-Nebelkerze mit Goldrand
Wir hatten der TGI AG sehr konkrete Fragen gestellt. Keine Raketenwissenschaft, keine Fangfragen, kein Hokuspokus.
Sondern ganz normale journalistische Standards:
- War oder ist Mark-Allen Bogen über die Werteger AG Vertriebspartner der TGI AG?
- Auf welcher vertraglichen Grundlage?
- Hat er das Geschäftsmodell geprüft?
- Hat er das angeblich vorhandene Kundengold persönlich überprüft?
- Warum wird er öffentlich als Geschäftsführer dargestellt?
- Warum ist eine entsprechende Organstellung nach unserer Kenntnis registerlich nicht ohne Weiteres nachvollziehbar?
- Wer ist aktuell tatsächlich vertretungsberechtigt?
Also Fragen, die man beantworten kann, wenn man möchte.
Oder – kleiner Zusatz – wenn man weiß, was man da eigentlich tut.
Die TGI AG hingegen entschied sich für den eleganten Kommunikationsweg „Antworten ohne Antworten“ und teilte uns sinngemäß mit:
- Man nehme unser Interesse „zur Kenntnis“
- Man sei über mediale Aufmerksamkeit erfreut
- Man arbeite „nüchtern und faktenorientiert“
- Man werde Medienanfragen künftig „professionalisieren“
- Und bevor wir weitere Antworten bekommen, sollen wir bitte erst einmal unsere Reichweitenzahlen offenlegen
Mit anderen Worten:
Bevor wir erklären, wie unser Modell funktioniert, prüfen wir lieber erst einmal, ob ihr genug Klicks habt, um unsere Nicht-Erklärungen zu verdienen.
Das muss man erst einmal schaffen.
Gold mit Discount. Transparenz offenbar nur gegen Vorlage der Zugriffszahlen.
Besonders schön ist die Signatur der TGI AG:
Gold with Discount. Unique Worldwide.
Man möchte ergänzen:
Answers with Detour. Confusion Worldwide.
Denn statt zu erklären, wie das Geschäftsmodell konkret funktioniert, wie Vertriebsstrukturen ausgestaltet waren oder warum Personen öffentlich in Funktionen auftauchen, die sich nicht ohne Weiteres im Register abbilden lassen, beschäftigt sich die TGI AG lieber mit einer viel wichtigeren Frage:
Wie relevant ist eigentlich die Plattform, die da fragt?
Das ist ungefähr so, als würde man einen Restaurantbetreiber fragen, was in der Suppe ist – und der Koch antwortet:
„Bevor ich Ihnen sage, was Sie da essen, hätte ich gerne erst Ihre Instagram-Reichweite.“
Wenn man das Modell nicht erklären kann, liegt es manchmal nicht am Journalisten
Wir erleben das immer wieder:
Sobald ein Geschäftsmodell so simpel sein soll, dass es angeblich jeder versteht, wird es plötzlich erstaunlich kompliziert, sobald man ein paar konkrete Fragen stellt.
Dann heißt es nicht mehr:
- Hier sind die Fakten
- Hier ist die Struktur
- Hier ist die Verantwortlichkeit
- Hier ist die Dokumentation
Sondern plötzlich:
- interne Prozesse
- interne Freigaben
- interne Prüfmechanismen
- organisatorische Abläufe
- nicht öffentliche Interna
- Kommunikationsrichtlinien
- Reichweitenprüfung
- Zielgruppenrelevanz
- publizistischer Impact
Kurz gesagt:
Wenn das Geschäftsmodell nicht erklärt werden kann, dann wird eben die Pressestelle zum Geschäftsmodell.
Und genau da wird es unerquicklich.
Denn wenn ein Unternehmen ernsthaft glaubt, auf konkrete Fragen zu Vertrieb, Organstellung, Prüfungen und Tatsachengrundlagen mit einer Art Mediakit-Abfrage reagieren zu müssen, dann drängt sich eine unangenehme Vermutung auf:
Man redet lieber über unsere Reichweite, weil man über das eigene Modell lieber nicht reden möchte.
Oder noch deutlicher:
Vielleicht kann man es gar nicht sauber erklären.
Die neue Transparenzlogik der TGI AG: Erst Klickzahlen, dann vielleicht Wirklichkeit
Die TGI AG schreibt, man werde externe Medienanfragen künftig „stärker gewichten“ nach:
- Reichweite
- Zielgruppenrelevanz
- journalistischem Standard
- tatsächlicher öffentlicher Wirkung
Das ist natürlich ein ganz großer Moment moderner Unternehmenskommunikation.
Man fragt sich unweigerlich:
Gilt das künftig auch für Anleger?
Also etwa so:
- Wer 100.000 Follower hat, bekommt Antworten?
- Wer nur kritische Fragen stellt, bekommt Kommunikationslyrik?
- Und wer nach Gold fragt, bekommt erst einmal ein Formular zur Reichweitenanalyse?
Das wäre immerhin konsequent.
Der eigentliche Charme: Wer sich selbst feiert, muss nichts erklären
Besonders bemerkenswert ist, mit welcher Hingabe die TGI AG in ihrer Antwort vor allem eines tut:
Sich selbst beschreiben.
Die TGI AG erklärt uns:
- wie professionell sie künftig mit Medien umgehen will
- dass sie Aufmerksamkeit „nüchtern“ bewertet
- dass ihre Wahrnehmung „ungebrochen hoch“ sei
- dass man intern alles wunderbar priorisiere
Was sie nicht erklärt:
- die konkreten Vertriebsverhältnisse
- die Rolle von Mark-Allen Bogen
- die Tatsachengrundlage gegenüber Kunden/Anlegern
- die Frage nach einer möglichen Geschäftsführerdarstellung
- die registerliche Einordnung
- die praktische Funktionsweise des Modells
Das ist kommunikativ ungefähr so hilfreich wie ein Feuerlöscher, der bei Brandbeginn erst einmal ein Imagevideo abspielt.
DieBewertung meint: Wer auf einfache Fragen ausweicht, liefert die eigentliche Antwort oft schon selbst
Natürlich kann man Presseanfragen unbeantwortet lassen.
Natürlich kann man ausweichen.
Natürlich kann man in PR-Floskeln baden, bis selbst der letzte Satz nach Unternehmensbroschüre klingt.
Aber eines sollte man nicht vergessen:
Auch eine Nicht-Antwort ist eine Antwort.
Und wenn auf glasklare Fragen zu:
- Verantwortlichkeiten
- Vertrieb
- Prüfung
- Tatsachengrundlagen
- Organstellung
…nur ein sprachlich geschniegelt formulierter Nebelvorhang kommt, dann ist das aus unserer Sicht selten ein Zeichen von Souveränität.
Sondern meistens ein Zeichen von etwas ganz anderem:
Unsicherheit.
Oder schlimmer:
Unfähigkeit, das eigene Modell verständlich, prüfbar und widerspruchsfrei darzustellen.
Und das ist für ein Unternehmen, das mit Vertrauen arbeitet, ungefähr so beruhigend wie ein Fallschirm mit QR-Code statt Reißleine.
Unser Lieblingssatz bleibt: „Bitte senden Sie uns erst Ihre Reichweitenzahlen“
Wir geben offen zu:
Dieser Teil der Antwort hat uns besonders gut gefallen.
Denn während wir nach dem Geschäftsmodell fragen, fragt die TGI AG nach unseren Zahlen.
Das hat Stil.
Das hat Klasse.
Das hat vor allem den Charme eines Schülers, der auf die Frage nach dem Matheergebnis antwortet:
„Bevor ich die Aufgabe löse, möchte ich erst einmal wissen, wie viele Leute später mein Heft lesen.“
Chapeau.
Fazit: Gold mag glänzen – diese Antwort tat es nicht
Die TGI AG hat auf unsere Presseanfrage reagiert.
Formal.
Inhaltlich hingegen bleibt festzuhalten:
- Viele Worte
- Viel Selbstlob
- Viel Pressestellen-Prosa
- Viel Reichweiten-Philosophie
- Aber keine belastbare Beantwortung der zentralen Fragen
Und genau deshalb bleibt der Eindruck bestehen:
Wer sein eigenes Geschäftsmodell nicht nachvollziehbar erklären kann, hat es entweder selbst nicht verstanden – oder möchte nicht, dass andere es verstehen.
Beides wäre unerquicklich.
Unsere Fragen bleiben deshalb selbstverständlich bestehen:
- Wie ist die Rolle von Mark-Allen Bogen konkret?
- Welche Funktion hatte oder hat die Werteger AG?
- Auf welcher Grundlage wurden Aussagen gegenüber Interessenten oder Anlegern getroffen?
- Wer ist aktuell tatsächlich Organträger?
- Und warum wirkt eine einfache Presseanfrage bei der TGI AG wie eine existentielle Bedrohung für die Kommunikationsarchitektur?
Bis dahin gilt:
Gold with Discount.
Antworten mit Umweg.
Transparenz auf Anfrage – aber bitte nur mit Reichweitennachweis.

