Die Insolvenzentwicklung in Österreich bleibt angespannt – und die jetzt veröffentlichten Verfahren zeigen einmal mehr, wie breit sich die wirtschaftlichen Probleme inzwischen durch nahezu alle Branchen ziehen. Zwischen dem 1. April und dem 7. April 2026 wurden zahlreiche neue Insolvenzverfahren eröffnet. Besonders betroffen: Bauunternehmen, Immobiliengesellschaften, Gastronomie, Transportbetriebe und kleinere Gewerbetreibende.
Wer gehofft hatte, dass sich die Lage im Frühjahr 2026 spürbar beruhigt, dürfte mit Blick auf diese Liste ernüchtert sein.
Auffällig viele Verfahren in nur wenigen Tagen
Allein in dem kurzen Zeitraum von 01.04.2026 bis 07.04.2026 wurden eine ganze Reihe von Verfahren an unterschiedlichen österreichischen Gerichten eröffnet – unter anderem beim:
- Handelsgericht Wien
- Landesgericht Wiener Neustadt
- Landesgericht Salzburg
- Landesgericht Leoben
- Landesgericht Wels
- Landesgericht Korneuburg
- Landesgericht Innsbruck
- Landesgericht Klagenfurt
- Landesgericht Eisenstadt
- Landesgericht Feldkirch
- Landesgericht für ZRS Graz
Damit zeigt sich:
Die Krise ist kein regionales Problem – sie ist österreichweit sichtbar.
Besonders betroffen: Immobilien und Bau
Einmal mehr fällt auf, dass gerade der Bereich Immobilien / Projektgesellschaften / Bau massiv unter Druck steht.
Zu den auffälligen Namen gehören unter anderem:
- AVORIS Immobilienentwicklungs GmbH
- Waltendorfer Hauptstraße 8 Projekt GmbH in Liqu.
- WSWB Immo GmbH
- Roneden Empire Real Estate GmbH
- PPK Immobilien GmbH in Liqu.
- COLUMBA Immobilien GmbH
- Modul5 GmbH
- Wohnherz-Haustechnik GmbH
- ATRIUM Gerüstbau, Verputz GmbH
- ELG – Dach GmbH
- KF – Holz Kaltenegger GmbH
- ENER Bau GmbH
Gerade diese Liste spricht Bände.
Denn wer sich mit Insolvenzmeldungen beschäftigt, erkennt schnell ein bekanntes Muster:
Projektgesellschaften, Bauträger-nahe Firmen, handwerksnahe Bauzulieferer und spezialisierte Gewerke geraten gleichzeitig ins Wanken.
Das ist selten Zufall.
Steigende Finanzierungskosten, sinkende Nachfrage, Projektverschiebungen, offene Forderungen und ein zunehmend toxisches Zinsumfeld wirken weiter nach. Was in den Boomjahren noch mit frischem Geld und optimistischen Kalkulationen funktionierte, wird nun für viele Unternehmen zur Belastungsprobe.
Auch Gastronomie und Hotellerie bleiben Krisenbranche
Neben Bau und Immobilien zeigt sich auch im Bereich Gastronomie / Beherbergung / Freizeit erneut ein belastendes Bild.
Unter den eröffneten Verfahren finden sich unter anderem:
- Cafe Lehner Betriebs GmbH
- B&K Gastronomie Betriebs Ges.m.b.H.
- Four Seasons Apartments GmbH
- Sparta C.F GmbH
- swim bro GmbH
- QimiQ Handels GmbH
- Mario Segel / EAT DRINK CATERING e.U.
Hier zeigt sich erneut, was viele Unternehmer längst spüren:
Kostenexplosion, Personalprobleme, Konsumzurückhaltung und sinkende Margen lassen gerade kleinere und mittelgroße Betriebe kaum noch Luft zum Atmen.
Besonders bitter: Viele dieser Betriebe sind stark vom täglichen Cashflow abhängig. Wenn Frequenz, Auslastung oder Zahlungsdisziplin der Kunden sinken, kippt das Geschäftsmodell oft schneller als von außen sichtbar.
Transport und Mobilität ebenfalls unter Druck
Auch im Bereich Transport / Logistik / Beförderung häufen sich die Verfahren weiter.
Genannt werden unter anderem:
- LAUBER TRANSPORTE GMBH
- KARDELEN Taxi- und Mietwagen Transport GmbH
- Ferenc Ficza, Güterbeförderung
- Güngör Gündüz, Handelstreibender
- Sanel Mrkalj / MS-CarBox e.U.
- Tomislav Kamenjasevic, Karosseriebau- und Karosserietechniker
Gerade Transport- und mobilitätsnahe Unternehmen leiden seit Monaten unter:
- hohen Betriebskosten
- Treibstoffdruck
- steigenden Lohnkosten
- Leasingbelastungen
- schwankender Auftragslage
- aggressivem Preiswettbewerb
Und wenn dann noch offene Forderungen oder verspätete Zahlungen dazukommen, ist die Schieflage oft nur noch eine Frage der Zeit.
Viele Einzelunternehmer und kleine Gewerbetreibende betroffen
Neben den klassischen GmbHs fällt auf, dass auch wieder viele Einzelunternehmer, Inhaberbetriebe und kleinere gewerbliche Strukturen betroffen sind.
Darunter beispielsweise:
- Muazzez Tekemen (Pizzeria und Modegeschäft)
- Harald Mayr (Handelsagentengewerbe)
- DI Leopold Kortisch (Ingenieurbüro)
- Darko Vidovic (Spenglerei)
- Jasmin Reiser (BMS – Reiser e.U.)
- Markus Ofner
- Azzam El Souda
- Matthias Wiedlroither
- Martin Baumgartner
- Helmut Schmid
- Georg Leonhard Herdy
- Philipp Entstrasser
- Mag. Mark Löffler
- Selina Mitrovic
- Surayya Malyar
Das zeigt ein weiteres Problem sehr deutlich:
Es trifft längst nicht nur größere Gesellschaften – es trifft auch die kleinen Unternehmer, die oft keine großen Rücklagen, keine Konzernmutter und keine Finanzierungsreserven im Rücken haben.
Wien bleibt Hotspot – aber die Probleme sind überall
Auffällig ist erneut die hohe Zahl an Verfahren beim Handelsgericht Wien. Das überrascht nicht, weil dort viele Gesellschaften registriert sind – gerade auch Projektgesellschaften, Immobilienvehikel und Holdingstrukturen.
Aber:
Die Verfahren verteilen sich eben nicht nur auf Wien.
Von Salzburg über Leoben, Wels, Korneuburg, Innsbruck, Feldkirch, Eisenstadt bis Klagenfurt zeigt sich ein klares Bild:
Die wirtschaftliche Belastung zieht sich quer durch Österreich – regional, branchenübergreifend und zunehmend strukturell.
DieBewertung meint
Diese neue Liste an Verfahren ist mehr als nur eine trockene Sammlung von Aktenzeichen.
Sie ist ein Stimmungsbild.
Und dieses Stimmungsbild lautet:
- Bau bleibt angeschlagen
- Immobiliengesellschaften stehen weiter unter Druck
- Gastronomie kämpft ums Überleben
- Transportbetriebe leiden unter Kosten und Margendruck
- Kleine Unternehmer geraten reihenweise ins Schleudern
Besonders auffällig ist die Mischung aus:
- Projektgesellschaften
- Bau- und Handwerksbetrieben
- Gastro- und Freizeitunternehmen
- Transport- und Mobilitätsfirmen
- Einzelunternehmern
Das ist kein Zufall.
Das ist das typische Muster einer Wirtschaft, in der mehrere Krisen gleichzeitig wirken.
Fazit
Die zwischen dem 1. und 7. April 2026 eröffneten Insolvenzverfahren in Österreich zeigen deutlich:
Die Insolvenzwelle ist noch lange nicht vorbei.
Wer nur auf große Schlagzeilen schaut, übersieht oft das eigentliche Problem:
Die Krise frisst sich durch den Mittelstand, durch kleine Gewerbe, durch Projektgesellschaften und durch jene Unternehmen, die das wirtschaftliche Rückgrat des Alltags bilden.
Und genau dort wird es gefährlich.
Denn wenn nicht nur spektakuläre Großpleiten auftreten, sondern Woche für Woche Dutzende kleinere und mittlere Unternehmen wegbrechen, dann ist das kein Betriebsunfall mehr – sondern ein strukturelles Warnsignal.
Ausgewählte besonders auffällige Verfahren im Überblick
Bau / Immobilien / Projektgesellschaften
- AVORIS Immobilienentwicklungs GmbH
- Waltendorfer Hauptstraße 8 Projekt GmbH in Liqu.
- WSWB Immo GmbH
- Roneden Empire Real Estate GmbH
- PPK Immobilien GmbH in Liqu.
- COLUMBA Immobilien GmbH
- Wohnherz-Haustechnik GmbH
- ENER Bau GmbH
- ATRIUM Gerüstbau, Verputz GmbH
- ELG – Dach GmbH
- KF – Holz Kaltenegger GmbH
- IBE – Solution GmbH
- NORICON GmbH
- Modul5 GmbH
Gastronomie / Freizeit / Hospitality
- Cafe Lehner Betriebs GmbH
- B&K Gastronomie Betriebs Ges.m.b.H.
- Four Seasons Apartments GmbH
- Sparta C.F GmbH
- swim bro GmbH
- QimiQ Handels GmbH
- EAT DRINK CATERING e.U.
Transport / Mobilität
- LAUBER TRANSPORTE GMBH
- KARDELEN Taxi- und Mietwagen Transport GmbH
- Ferenc Ficza, Güterbeförderung
- MS-CarBox e.U.
- Tomislav Kamenjasevic

