Ölpreise stürzen ab, Börsen drehen durch – und Trump lässt sich für die Krise feiern, die er selbst mit angefacht hat

Ölpreise stürzen ab, Börsen drehen durch – und Trump lässt sich für die Krise feiern, die er selbst mit angefacht hat

Veröffentlicht

Mittwoch, 08.04.2026
von Red. TB

Kaum hatte Donald Trump noch in gewohnt apokalyptischer Großmaul-Manier erklärt, dass „eine ganze Zivilisation“ ausgelöscht werden könnte, folgte nur Stunden später die nächste Volte:

Waffenruhe.

Und weil an den Börsen inzwischen offenbar jede halbwegs ausbleibende Katastrophe schon als Sensation gilt, schossen die Aktienmärkte nach oben, während die Ölpreise regelrecht kollabierten.

Die Botschaft der Finanzmärkte lautet also:

Solange Trump heute Nacht nicht den Weltkrieg live auf Truth Social startet, ist das schon bullish.

Willkommen im Irrenhaus der globalen Märkte.

Ölpreise im freien Fall – aber bitte nicht gleich an billiges Tanken denken

Die Ölpreise rauschten nach der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe mit dem Iran massiv in den Keller:

  • WTI verlor fast 16 Prozent und fiel auf rund 95 Dollar
  • Brent sackte um rund 14 Prozent auf knapp 94 Dollar

Das klingt dramatisch.

Ist es auch.

Nur sollte man eines nicht vergessen:

Vor Beginn des Krieges lag WTI bei rund 67 Dollar pro Barrel.

Mit anderen Worten:

Ja, der Ölpreis fällt. Aber er fällt von absurd teuer auf immer noch ziemlich teuer.

Wer jetzt also glaubt, dass morgen an der deutschen Zapfsäule plötzlich der Literpreis purzelt, glaubt wahrscheinlich auch, dass Mineralölkonzerne freiwillig Rückgeld geben.

Die Börsen feiern, als wäre gerade der Weltfrieden unterschrieben worden

Die Aktienmärkte taten das, was sie inzwischen am besten können:

Sie reagierten hysterisch.

Asien:

  • Kospi: +6,87 %
  • Nikkei: +5,39 %
  • Hang Seng: +3,09 %

Europa:

  • DAX: +4,6 %
  • Paris und London ebenfalls kräftig im Plus

USA:

  • Dow Futures: +1.200 Punkte
  • S&P 500 Futures: +2,7 %
  • Nasdaq 100 Futures: +3,5 %

Kurz gesagt:

Die Märkte feiern eine Waffenruhe, von der noch nicht einmal klar ist, ob sie mehr ist als eine kurze Rauchpause zwischen zwei Eskalationsschüben.

Das ist ungefähr so, als würde man nach einem Wohnungsbrand applaudieren, weil die Feuerwehr angekündigt hat, eventuell bald Wasser anzuschließen.

Der eigentliche Witz: Die Straße von Hormus ist weiter das Problem – nicht Trumps Show auf Truth Social

Die entscheidende Frage ist nicht, was Trump postet.
Die entscheidende Frage ist:

Fährt wieder Öl durch die Straße von Hormus – oder nicht?

Denn durch diese Meerenge laufen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels.

Der Krieg hat dort laut Berichten zeitweise 12 bis 15 Millionen Barrel pro Tag aus dem Markt gedrückt.

Das ist kein kleiner Schluck aus der Pipeline.

Das ist ein globaler Energieschock.

Und genau dieser Schock ist noch längst nicht beseitigt.

Iran macht aus der Weltwirtschaft jetzt offenbar eine Mautstation

Besonders unerquicklich:

Laut iranischen Berichten sollen Iran und Oman darüber nachdenken, künftig Transitgebühren für Tanker zu verlangen.

Ja, richtig gelesen:

Die wichtigste Ölroute der Welt soll plötzlich zur gebührenpflichtigen Geopolitik-Autobahn werden.

Im Raum stehen:

  • 1 bis 2 Millionen Dollar pro Tanker

Rechnerisch mag das „nur“ etwa 1 Dollar pro Barrel ausmachen.

Politisch ist das allerdings eine ganz andere Hausnummer.

Denn wenn ein Regime, das gerade noch mit der Welt am Rande eines Flächenbrandes stand, künftig kassiert, damit Öl überhaupt durchkommt, dann ist das keine normale Handelsroute mehr.

Das ist:

institutionalisierte Erpressung mit Schifffahrtslizenz.

Und wer glaubt, Washington werde das dauerhaft schlucken, hat den geopolitischen Ernst der Lage entweder nicht verstanden – oder sitzt bereits in der PR-Abteilung von Teheran.

Waffenruhe? Nein. Das ist eine bewaffnete Pause mit Kassensystem

Auch aus dem Iran selbst kommen keine Töne, die man mit „Frieden“ verwechseln sollte.

Teheran macht klar:

  • Das sei nicht das Ende des Krieges
  • Die Waffenruhe sei vorübergehend
  • Das Militär solle lediglich aktuell das Feuer einstellen
  • Die Kontrolle über Hormus bleibe beim Iran
  • Daraus ergebe sich eine „einzigartige wirtschaftliche und geopolitische Stellung“

Übersetzt heißt das:

Wir schießen gerade nicht – aber wir halten weiterhin die Hand auf und bestimmen, wer hier durch darf.

Das klingt nicht nach Entspannung.

Das klingt nach einem Regime, das gerade entdeckt hat, wie man aus globaler Nervosität ein Geschäftsmodell baut.

172 Millionen Barrel stecken fest – und die Märkte tun so, als wäre alles wieder normal

Laut Kpler saßen zuletzt im Golf fest:

  • 187 beladene Tanker
  • mit rund 172 Millionen Barrel Öl und Ölprodukten

Das ist kein kleines logistisches Problem.

Das ist ein gigantischer Rückstau.

Und der verschwindet nicht, nur weil Trump plötzlich von einem „verhandelbaren 10-Punkte-Plan“ schwadroniert.

Die Realität ist brutal simpel:

Selbst wenn Hormus morgen früh komplett öffnet, ist der Stau noch lange nicht weg.

Aber Hauptsache, die Futures laufen grün und irgendein Analyst spricht wieder von „Relief Rally“.

Trump in Bestform: Erst mit dem Flammenwerfer wedeln, dann den Feuerlöscher für sich reklamieren

Und natürlich darf auch das politische Theater nicht fehlen.

Trump drohte noch kurz vor seiner selbst gesetzten Frist mit dem Untergang einer „ganzen Zivilisation“.

Nur um dann weniger als zwei Stunden später eine Waffenruhe zu verkünden.

Das ist kein Staatsmann-Verhalten.

Das ist:

Pyromanie mit Presseabteilung.

Das Muster ist bekannt:

  1. Maximal eskalieren
  2. Alle in Panik versetzen
  3. Kurz vor dem Abgrund zurückrudern
  4. Sich selbst als Friedensstifter feiern lassen

Oder anders:

Trump zündet das Haus an, ruft dann „Moment mal!“, dreht den Gashahn kurz zu – und erwartet Standing Ovations.

Und die Märkte?
Kaufen.

Natürlich kaufen sie.

DieBewertung meint

Ja, die Ölpreise sind gefallen.
Ja, die Börsen steigen.
Ja, jede Form von Deeskalation ist besser als offener Krieg.

Aber wer daraus jetzt eine stabile Entspannungslage ableitet, hat entweder zu viel Bloomberg geschaut oder zu wenig verstanden.

Denn die Fakten sind:

  • Die Straße von Hormus ist weiter ein geopolitisches Druckmittel
  • Iran beansprucht weiterhin Kontrolle und wirtschaftliche Vorteile
  • Ein gigantischer Tankerstau blockiert die Region
  • Die Waffenruhe ist ausdrücklich temporär
  • Und Trump bleibt ein Risiko auf zwei Beinen mit Smartphone

Die Märkte feiern gerade nicht den Frieden.

Sie feiern nur, dass der totale Kollaps diesmal vielleicht um 14 Tage verschoben wurde.

Das ist kein Grund zur Euphorie.

Das ist ein Symptom für kollektive Abstumpfung.

Fazit

Die Ölpreise stürzen ab, die Börsen springen an – und wieder einmal soll Donald Trump als Retter einer Krise gelten, die er mit seiner hemmungslosen Eskalationsrhetorik selbst weiter angeheizt hat.

Die Wahrheit ist:

  • Es gibt keinen belastbaren Frieden
  • Es gibt keine sichere freie Passage
  • Es gibt keinen schnellen Rückweg zur Normalität
  • Es gibt nur eine fragile Waffenpause in einer hochgefährlichen Region

Und solange Hormus ein politischer Würgegriff bleibt, gilt:

Nicht der Krieg ist vorbei – nur die nächste Panik wurde vertagt.

Oder im Stil von diebewertung:

Die Börsen feiern, als sei der Brand gelöscht.
Tatsächlich hat nur jemand kurz aufgehört, Benzin nachzukippen.

Bildnachweis:

kalhh (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 08.04.2026

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