Zu viel Sonne im Netz? APG-Chef warnt: Mehr Windkraft statt Photovoltaik

Zu viel Sonne im Netz? APG-Chef warnt: Mehr Windkraft statt Photovoltaik

Veröffentlicht

Dienstag, 07.04.2026
von Red. TB

Mitten in der politischen Debatte um den Ausbau der erneuerbaren Energien kommt ausgerechnet vom Chef des österreichischen Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) eine bemerkenswert klare Ansage: Zu viel Photovoltaik kann das Stromsystem verteuern.
APG-Vorstand Gerhard Christiner fordert daher ein Umdenken – und setzt stärker auf Windkraft statt Solarausbau.

Seine Begründung ist brisant: Photovoltaik erfordert einen massiven Netzausbau, liefert aber oft nur für wenige Stunden am Tag große Mengen Strom. Das mache den Ausbau teuer und belaste letztlich auch die Strompreise.

Oder einfacher gesagt:
Viel Sonne auf dem Dach ist gut – aber wenn das Netz dafür riesig ausgebaut werden muss, zahlen am Ende wieder alle mit.

APG-Chef: Wind liefert dann, wenn Österreich Strom wirklich braucht

Christiner machte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) deutlich, wo er die Priorität sieht: mehr Windkraft.

Der Grund ist nachvollziehbar – und energiewirtschaftlich schwer wegzudiskutieren:

  • Windkraft liefert auch im Winter
  • genau dann ist der Strombedarf besonders hoch
  • und genau dann produziert Photovoltaik deutlich weniger

Seine Botschaft ist damit ziemlich eindeutig:
Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, darf nicht nur auf Sonnenstunden setzen.

Politik verteidigt Solar-Schwerpunkt – aber selbst der Minister zweifelt an den Zielen

Brisant: Das geplante Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) sieht derzeit für Photovoltaik höhere Ausbauziele vor als für Windkraft.

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer verteidigte diesen Kurs zwar – allerdings mit einem bemerkenswert vorsichtigen Ton. Es sei besser, „alle mitzunehmen“, denn:
„Druck erzeugt immer Gegendruck.“

Zugleich grenzte er sich gegen einen aus seiner Sicht zu stark „ideologisch getriebenen“ Zugang der früher zuständigen Ex-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) ab.

Das klingt nach politischer Übersetzung für:
Wir wollen die Energiewende – aber bitte ohne Bürgerkrieg auf jedem Gemeindeplatz.

Denn gerade bei Windrädern ist der Widerstand vielerorts groß. Während Solaranlagen oft als unkompliziert gelten, sorgen Windparks regelmäßig für Konflikte mit Anrainern, Gemeinden und Naturschutzfragen.

Selbst Hattmannsdorfer: Ausbauziel von 27 TWh wohl zu niedrig

Besonders bemerkenswert ist eine weitere Aussage des Ministers:
Das Ziel, die jährliche Stromerzeugung um 27 Terawattstunden (TWh) zu erhöhen, halte er inzwischen selbst für zu niedrig.

Damit bekommt die Debatte eine neue Richtung:

  • Nicht nur welche Erneuerbaren ausgebaut werden
  • sondern auch wie viel mehr insgesamt notwendig ist

Denn klar ist:
Wenn Österreich mehr Strom für Industrie, Wärmepumpen, E-Mobilität und Versorgungssicherheit braucht, reichen politische Schönwetterziele allein nicht.

9 Milliarden Euro fürs Netz – und die Rechnung kommt später

Parallel dazu plant die APG bis 2035 rund neun Milliarden Euro Investitionen in das Übertragungsnetz.

Geplant sind:

  • rund 1.700 Kilometer Stromleitungen
  • 71 neue Umspannwerke
  • Anbindung von Wind- und Solarstrom
  • Anschluss großer Industriebetriebe
  • Transport von Strom aus dem Osten zu Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen

Das zeigt die eigentliche Dimension der Energiewende:
Nicht nur Windräder und PV-Anlagen kosten Geld – vor allem das Netz kostet Milliarden.

Und genau hier setzt die Kritik der FPÖ an.
Die Freiheitlichen warnen, der massive Netzausbau treibe die Kosten hoch und gefährde den Wirtschaftsstandort. Als Haupttreiber sehen sie gerade den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik.

Die eigentliche Debatte beginnt jetzt

Was hier sichtbar wird, ist mehr als nur ein technischer Streit unter Energieexperten. Es geht um eine zentrale Frage der nächsten Jahre:

Wie baut Österreich erneuerbare Energie aus, ohne das Stromsystem zu überfordern und die Kosten aus dem Ruder laufen zu lassen?

Photovoltaik ist beliebt, schnell installierbar und politisch gut verkäuflich.
Windkraft ist systemisch oft wertvoller, aber politisch deutlich konfliktträchtiger.

Die Folge:
Was technisch sinnvoll sein könnte, ist politisch oft am schwersten durchzusetzen.

DieBewertung

Die Aussagen des APG-Chefs sind ein Warnsignal, das man in Wien sehr genau hören sollte.
Denn sie kratzen an einem politischen Lieblingsnarrativ: Mehr Photovoltaik ist nicht automatisch immer besser.

Wenn Sonnenstrom nur in wenigen Spitzenstunden das Netz flutet, dafür aber Milliarden in Leitungen investiert werden müssen, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Effizienz. Erneuerbare Energie muss nicht nur grün, sondern auch systemtauglich sein.

Und genau da liegt der Punkt:

  • Windkraft ist unbequemer
  • Photovoltaik ist populärer
  • das Netz ist der Flaschenhals
  • und zahlen müssen am Ende wieder Haushalte, Betriebe und Industrie

Die Energiewende braucht Tempo.
Aber sie braucht vor allem Realismus statt Symbolpolitik.

Mehr Sonne klingt gut.
Mehr Wind könnte wichtiger sein.
Und ohne bezahlbares Netz wird beides zum Problem.


Bildnachweis:

Farbsynthese (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 07.04.2026

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