Die Spritpreise in Österreich sind wieder gestiegen.
Überraschung!
Und zwar ungefähr so überraschend wie Regen im November oder ein Minister, der „europäische Lösungen“ fordert, sobald es im Inland unangenehm wird.
Laut E-Control kostete ein Liter Diesel am Freitag im Schnitt 2,209 Euro, Superbenzin lag bei 1,788 Euro.
Für normale Menschen heißt das:
Einmal volltanken und kurz überlegen, ob man nicht doch lieber mit dem Fahrrad nach Kroatien fährt.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) erklärte dazu, die Preisbildung entstehe auf dem internationalen Markt und nicht in Österreich.
Heißt übersetzt:
Wir sind nicht schuld, bitte wenden Sie sich an den Weltmarkt.
Das ist praktisch, weil man als Minister damit gleichzeitig betroffen schauen, eindringliche Briefe nach Brüssel schicken und trotzdem vermeiden kann, selbst konkret etwas tun zu müssen.
Denn wenn die Preise steigen, ist immer „die internationale Lage“ schuld.
Wenn sie sinken, war’s natürlich die kluge Politik.
Klassiker.
Besonders hübsch: Während Autofahrer beim Blick auf die Zapfsäule Schnappatmung bekommen, bereitet das Ministerium vorsorglich schon eine „Maßnahmenkaskade“ vor.
Allein dieses Wort klingt, als würde gleich ein 84-seitiger Krisenplan ausgerollt werden, an dessen Ende der Bürger langsamer fahren, weniger heizen und möglichst gar nicht mehr irgendwo hinfahren soll.
Denn sogar Tempolimits werden inzwischen nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.
Auch das ist herrlich österreichisch:
Erst heißt es wochenlang „auf gar keinen Fall“, und zwei Tage später heißt es dann:
„In einer volatilen Lage wäre es nicht ehrlich, das auszuschließen.“
Also doch. Aber mit Anlauf.
Parallel fordern Österreich und vier andere EU-Staaten eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne.
Eine gute Idee, denn Ölkonzerne beherrschen seit Jahren einen faszinierenden Trick:
Steigt der Ölpreis, wird sofort erhöht. Sinkt er wieder, braucht man plötzlich drei Vollmonde, zwei Marktanalysen und vermutlich ein Zeichen aus Brüssel.
Die FPÖ spricht derweil von einer „Spritpreisnullnummer“ und fordert weniger Steuern.
Auch hier gilt wie immer:
Alle haben Schuld, außer dem internationalen Markt, Brüssel und natürlich dem Wahlkampf.
Fazit:
Der Sprit wird teurer, die Regierung mahnt, prüft, schreibt Briefe und bastelt an einer Maßnahmenkaskade.
Für Autofahrer bleibt vorerst vor allem eines:
Zahlen, schlucken, weiterfahren.
Denn seien wir ehrlich:
Regierungspolitiker müssen ihren Sprit ja nicht selber bezahlen.

