Saint-Denis zeigt Haltung: Tausende gegen Rassismus – und Macron schweigt mal wieder

Saint-Denis zeigt Haltung: Tausende gegen Rassismus – und Macron schweigt mal wieder

Veröffentlicht

Sonntag, 05.04.2026
von Red. TB

Es gibt Momente, in denen eine Gesellschaft zeigen muss, ob sie noch Haltung hat.
Saint-Denis hat sie gezeigt.
Und zwar deutlich.

Tausende Menschen sind in der Pariser Vorstadt auf die Straße gegangen, um ein unmissverständliches Zeichen zu setzen:
gegen Rassismus, gegen Hass und gegen die widerwärtigen Angriffe auf den neuen Bürgermeister Bally Bagayoko.

Während also Bürger Haltung zeigen, Transparente hochhalten und klar sagen, dass rassistische Hetze in Frankreich nichts verloren hat, bleibt einer auffällig still:
Emmanuel Macron.

Und genau das ist das eigentliche Problem.

Ein schwarzer Bürgermeister wird gewählt – und die braune Ecke dreht durch

Bally Bagayoko wurde im März zum Bürgermeister von Saint-Denis gewählt – einer Stadt mit rund 150.000 Einwohnern, geprägt von Migration, Vielfalt und genau jenem modernen Frankreich, das die Rechten am liebsten rückabwickeln würden.

Bagayoko, Sohn malischer Eltern, im Großraum Paris geboren, ist damit der erste schwarze Bürgermeister einer französischen Großstadt dieser Größenordnung.

Eigentlich ein demokratischer Fortschritt.
Eigentlich ein Zeichen gelebter Republik.
Eigentlich.

Denn kaum war die Wahl entschieden, passierte das, was inzwischen fast schon zum Standardprogramm des rechten und rassistischen Milieus gehört:

  • Hass im Netz
  • rassistische Beleidigungen
  • widerliche Entgleisungen
  • und die übliche Mischung aus Feigheit, Hetze und kalkulierter Menschenverachtung

Mit anderen Worten:

Ein Mann wird demokratisch gewählt – und ein Teil Frankreichs reagiert, als hätte man ihnen die Kolonialzeit persönlich weggenommen.

Wenn aus Medienplattformen Hetzräume werden

Besonders unerquicklich:
Im Umfeld des rechtsgerichteten Senders CNews fiel im Zusammenhang mit Bagayoko eine Aussage, in der plötzlich von Affenabstammung und „Stammeschefs“ die Rede war.

Man muss das nicht weichspülen.
Man muss es nicht verklausulieren.
Man muss es nicht „kontrovers“ nennen.

Das ist rassistische Dreckshetze. Punkt.

Und wer solchen Unsinn sendet, verbreitet oder relativiert, beteiligt sich aktiv an der Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas.

Es ist eben kein Zufall mehr, wenn solche Begriffe immer wieder fallen.
Es ist Methode.
Es ist Kalkül.
Und es ist Teil einer politischen Strategie, Minderheiten zu markieren, zu entmenschlichen und demokratische Repräsentation als „Bedrohung“ umzudeuten.

Saint-Denis antwortet richtig: Nicht schweigen, sondern widersprechen

Umso wichtiger war die Reaktion in Saint-Denis.

Vor dem Rathaus versammelten sich Tausende.
Auf ihren Plakaten stand:

  • „Nein zum Hass, Nein zum Rassismus“
  • „Wir wollen viele schwarze Bürgermeister gegen die braune Pest“

Das ist nicht nur ein Protest.
Das ist ein gesellschaftlicher Selbstschutzmechanismus.

Denn wer heute zu solchen Angriffen schweigt, macht morgen die Tür auf für den nächsten Tabubruch.

Die Menschen in Saint-Denis haben verstanden, was in Paris und im Élysée offenbar noch immer nicht jeder verstanden hat:

Rassismus ist keine Meinung. Rassismus ist ein Angriff auf die Demokratie.

Bagayoko trifft Macron ins Mark – und das zu Recht

Bally Bagayoko selbst nutzte die Kundgebung für einen bemerkenswert klaren Angriff auf Präsident Macron.

Er warf ihm „Schweigen“ vor und erklärte offen, dass dieses Schweigen zeige, wie wenig engagiert Macron im Kampf gegen Rassismus tatsächlich sei.

Ein harter Satz.
Aber ein notwendiger Satz.

Denn was erleben wir seit Jahren?

  • große Worte zur Republik
  • große Worte zu Gleichheit
  • große Worte zu Zusammenhalt
  • und sobald es konkret wird: Schweigen, Wegducken, Abwiegeln

Macron spricht gerne von französischen Werten.
Aber wenn ein schwarzer Bürgermeister öffentlich rassistisch entwürdigt wird, dann wären diese Werte mal in praktischer Anwendung ganz interessant.

Republik ist nicht das, was man in Reden beschwört. Republik zeigt sich darin, wen man verteidigt, wenn es unbequem wird.

Melenchon nennt das Problem beim Namen

Auch Jean-Luc Mélenchon fand klare Worte – und man muss ihm in diesem Punkt schlicht zustimmen.

Er sprach von einer „ekelerregenden Welle des Rassismus“, die von politisch-medialen Eliten ausgehe.

Und ja: Genau das ist der Punkt.

Denn diese Entwicklung kommt nicht aus dem Nichts.

Sie wird befeuert von:

  • rechten Talkshow-Provokateuren
  • kalkulierten Grenzüberschreitungen
  • einer politischen Klasse, die aus Angst vor der extremen Rechten lieber deren Sprache übernimmt
  • und einem Mediensystem, das Hass oft noch als „Debatte“ tarnt

Was hier geschieht, ist keine spontane Entgleisung.
Es ist eine Normalisierung des Unanständigen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt – schön. Aber reicht das?

Immerhin: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Das ist notwendig.
Aber es reicht nicht.

Denn das Problem ist nicht nur juristisch.
Es ist politisch.
Es ist kulturell.
Und es ist medial.

Frankreich hat längst ein tieferes Problem, als viele in der politischen Mitte wahrhaben wollen:

Rassismus ist nicht mehr nur ein Randphänomen. Er wird wieder öffentlich vorgetragen, medial verstärkt und politisch getestet.

Erst ein Tabubruch.
Dann ein „Missverständnis“.
Dann ein „war doch nur zugespitzt“.
Und am Ende wundert man sich, warum der Ton im Land kippt.

Unser Fazit: Saint-Denis ist weiter als der Élysée

Die Bilder aus Saint-Denis sind wichtig.
Weil sie zeigen, dass viele Menschen in Frankreich weiter sind als Teile ihrer politischen Führung.

Sie sagen klar:

  • Ein schwarzer Bürgermeister ist keine Provokation
  • Vielfalt ist keine Bedrohung
  • Rassismus ist kein Meinungskorridor
  • und braune Hetze bleibt braune Hetze – auch wenn sie geschniegelt aus TV-Studios kommt

Deshalb gilt:

Nicht Bally Bagayoko ist das Problem.
Das Problem sind jene, die seine Wahl nicht als demokratische Realität akzeptieren können, ohne in koloniale Reflexe und rassistische Beleidigungen zurückzufallen.

Und wenn Emmanuel Macron dazu weiter schweigt, dann muss er sich gefallen lassen, dass man ihn genau daran misst.

Saint-Denis hat Haltung gezeigt.

Macron bislang nicht.**

Bildnachweis:

ShariaOut (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 05.04.2026

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