Handelsblatt TGI AG Podcast einmal lustig berichtet

Handelsblatt TGI AG Podcast einmal lustig berichtet

Veröffentlicht

Sonntag, 05.04.2026
von Red. TB

Gold mit 72 Prozent Rabatt? Klar. Und Einhörner liefern es persönlich aus.

In unsicheren Zeiten suchen viele Menschen Sicherheit.
Manche kaufen Konserven.
Manche bunkern Klopapier.
Und manche stoßen im Internet auf ein Angebot, bei dem man sich unweigerlich fragt:

„Moment mal – gibt’s jetzt Gold im Schlussverkauf?“

Genau das verspricht nämlich die Trust Gold International AG, kurz TGI.
Und zwar nicht irgendwie ein bisschen Rabatt, nein – das wäre ja langweilig.

Bis zu 72 Prozent Rabatt auf Gold.

Ja, richtig gelesen.
Nicht 7,2.
Nicht ein Aktionscode zum Black Friday.
Sondern:

72 Prozent.

Da fehlt eigentlich nur noch:

„Nur heute! Solange der Vorrat reicht! Gratis Versand ab 50 Kilo!“


Das Angebot: Jetzt zahlen, später hoffen

Das Geschäftsmodell klingt ungefähr so:

  • Sie kaufen heute Gold zum aktuellen Preis.
  • Sie zahlen sofort.
  • Sie bekommen das Gold… irgendwann.
  • Also in bis zu 36 Monaten.
  • Dafür gibt’s jeden Monat 2 Prozent Rabatt in bar zurück.

Am Ende soll man dann also nach drei Jahren auf stolze 72 Prozent Rabatt kommen.

Oder anders formuliert:

Sie bezahlen heute fast den vollen Preis, warten drei Jahre, bekommen zwischendurch Cash – und hoffen dann, dass am Ende wirklich noch Gold auftaucht.

Das ist nicht nur ein Kauf.
Das ist eine Mischung aus:

  • Adventskalender
  • Geduldsspiel
  • Vertrauensübung
  • und spirituellem Selbstversuch

Goldhandel oder Zaubershow?

Nun ist Gold normalerweise ja eher langweilig.

Gold liegt rum.
Gold glänzt.
Gold wirft keine Zinsen ab.
Gold macht keine Dividende.
Gold sitzt nicht nachts im Büro und verdient Geld für Sie.

Gold ist im Grunde der introvertierte Typ unter den Anlageklassen.

Und genau deshalb fragen sich Experten bei so einem Angebot zurecht:

Woher kommt bitte das Geld für diese monatlichen Rabatte?

Denn:

  • Gold muss gelagert werden
  • Gold muss versichert werden
  • Gold muss transportiert werden
  • Vermittler wollen Provisionen
  • Social-Media-Werbung kostet Geld
  • Oliver Pocher kommt vermutlich auch nicht für ein Käsebrötchen vorbei

Kurz gesagt:

An diesem Modell verdient offenbar jeder – außer die Mathematik.


Das Gold liegt angeblich irgendwo. Wahrscheinlich sehr sicher. Vermutlich. Vielleicht.

TGI sagt:
Keine Sorge, das Gold wird direkt nach Kauf für den Kunden beschafft und eingelagert.

Wo genau?

Nun ja… irgendwo bei Partnern.
In Afrika.
Oder anderswo.
Jedenfalls weit genug weg, dass Sie nicht spontan mal vorbeischauen können mit den Worten:

„Grüß Gott, ich hätte gern einmal mein Barrenfach Nummer 4711.“

Das Ganze lebt also von einem zentralen Rohstoff, der noch kostbarer ist als Gold selbst:

Vertrauen.

Und Vertrauen braucht man hier wirklich in Familienpackung.

Denn:

  • Sie zahlen sofort
  • Sie warten Jahre
  • Sie sehen das Gold nicht
  • Sie tragen aber schon das Risiko

Das ist ungefähr so, als würden Sie ein Auto kaufen, es erst 2029 bekommen, aber ab heute schon Haftpflicht, Vollkasko und Steinschlag zahlen.


AGB: Alles sicher. Außer wenn nicht.

Besonders charmant wird es beim Blick in die AGB.

Dort steht sinngemäß:

  • TGI bemüht sich kaufmännisch ordentlich
  • aber haftet nicht so richtig
  • und wenn was schiefgeht…
  • dann ist das halt so

Also frei übersetzt:

„Wir geben uns Mühe. Aber wenn Ihr Gold plötzlich eine Weltreise macht, die politische Lage kippt, ein Lagerpartner niest oder der Himmel herunterfällt – dann bitte Verständnis.“

Immerhin wird das Risiko eines Totalverlusts erwähnt.

Das ist ehrlich.

Also ungefähr so ehrlich wie:

„Dieses Fallschirmspringen ist grundsätzlich ein tolles Erlebnis.
Hinweis: Bodenkontakt nicht ausgeschlossen.“


Promi-Werbung: Wenn Oliver Pocher plötzlich Goldberater spielt

Besonders schön wird’s, wenn dann noch bekannte Gesichter auftauchen.

Denn TGI wirbt unter anderem mit Oliver Pocher.

Und wenn ein deutscher Promi mit einem Goldhändler in einem Social-Media-Clip steht und sinngemäß sagt:

„Klingt super!“

… dann wissen natürlich alle sofort:

Das ist die höchste Stufe finanzmathematischer Prüfung.

Was braucht es schon an Wirtschaftsprüfern, wenn man einen Promi mit Kamera und epischer Musik hat?

Nächster logischer Schritt wäre eigentlich nur noch:

  • Goldberatung mit Reality-TV-Siegel
  • Rabattmodell präsentiert zwischen Dschungelcamp und Ballermann-Auftritt
  • Sonderaktion: „2 Kilo Gold kaufen, 1 Selfie gratis“

Die BaFin schaut jetzt auch mal vorbei – unangenehm

Richtig gemütlich wurde es dann, als die BaFin plötzlich einen Hinweis veröffentlicht hat.

Denn die Finanzaufsicht meint sinngemäß:

„Moment mal – das sieht eventuell gar nicht mehr nach einfachem Goldverkauf aus, sondern eher nach einer Vermögensanlage.“

Und das ist natürlich unerquicklich.

Denn sobald aus „Gold kaufen“ plötzlich „Anlageprodukt mit Zinscharakter“ wird, braucht man Dinge, die in manchen Geschäftsmodellen ungefähr so beliebt sind wie Knoblauch bei Vampiren:

  • Prospekte
  • Regulierung
  • Dokumentation
  • Nachvollziehbarkeit

Kurz:

Erwachsene im Raum.


Neues Produkt, alte Frage: Woher kommt das Geld?

Weil ein fragwürdiges Modell offenbar nicht reicht, wurde auch gleich noch ein neues Produkt angekündigt:

Gold mit Sofortrabatt.

Sie kaufen Gold.
Bekommen sofort 2 bis 3 Prozent Rabatt.
Nach vier Wochen kann TGI es wieder zum ursprünglichen Preis zurückkaufen.

Klingt im Kern wie:

„Sie machen quasi jeden Monat Rendite – ohne dass irgendjemand erklärt, warum.“

Das ist natürlich großartig.

Wenn das wirklich so problemlos funktioniert, dann wäre die gesamte Finanzwelt seit Jahrzehnten kollektiv zu dumm gewesen.

Dann hätten wir völlig umsonst:

  • Banken
  • Fondsmanager
  • Rohstoffhändler
  • Zentralbanken
  • Wirtschaftsprofessoren

gebraucht.

Dann hätte es gereicht, wenn jemand früher gesagt hätte:

„Leute, hört auf mit Zinspolitik.
Macht einfach Gold mit Rabatt.
Helmut hat’s gelöst.“


Fazit: Wenn etwas zu schön klingt, ist meistens nur das Marketing besonders gut

Natürlich gilt:
Solange nichts bewiesen ist, ist nichts bewiesen.

Aber ebenso gilt:

Wenn jemand Ihnen in Krisenzeiten erzählt, Sie könnten Gold mit 72 Prozent Rabatt kaufen, monatelang Cash kassieren und am Ende noch geschniegelt glänzend den Barren nach Hause tragen…

… dann sollten bei Ihnen nicht nur Alarmglocken läuten.

Dann sollte im Kopf ein ganzes Blasorchester loslegen.

Denn Gold ist vieles:

  • wertvoll
  • begehrt
  • krisenfest
  • glänzend

Aber eines ist Gold normalerweise nicht:

ein Discounter-Artikel mit Dauer-Rabatt und Cashback-Programm.

Oder ganz einfach:

Wenn Gold plötzlich klingt wie ein Teleshopping-Angebot mit Bonusstufe, ist Vorsicht meist wertvoller als jeder Barren.


Kurzfassung für Eilige:

72 Prozent Rabatt auf Gold?
Klingt sensationell.
Ist es auch.
Vor allem für den gesunden Menschenverstand.

Bildnachweis:

PIX1861 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 05.04.2026

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