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“Kein Himmel voller Drohnen“


OCG Horizonte „Zivile Drohnen aus Sicht der Technikfolgen-Abschätzung“ am 28.11.2017, 18.00 Uhr mit Michael Nentwich

Wien (OTS) Die Chancen mit Drohnen sind verlockend und vielfältig – aber: Welche gesellschaftlichen Probleme können durch unbemannte Flugobjekte entstehen? Wollen wir eine Zukunft, in der Überwachungsdrohnen allgegenwärtig sind? Wie viele kommerzielle und private Drohnen verträgt der Himmel? Solche Fragen wird Michael Nentwich, Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, bei seinem Vortrag über zivile Drohnen beleuchten. Der Vortrag findet im Zuge der Veranstaltungsreihe „Horizonte“ der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) am 28. November 2017 in der OCG statt.

Von Flugaufnahmen über den Einsatz in der Landwirtschaft und in der Forschung bis hin zu Rettungseinsätzen sind mittlerweile viele Drohnen-Anwendungen denkbar oder bereits in Umsetzung. Experten erachten  Drohnenliefersysteme im Katastrophenmanagement aber auch in verkehrstechnisch schlecht erschlossenen Gebieten als sinnvoll. Gerade in diesen Fällen kann mithilfe von Drohnen rasch Ersthilfe geleistet werden. Dringend notwendige Medikamenten und andere Versorgungsgüter können mit Drohnen schnell zu den Empfängern gebracht werden. Aber auch immer mehr private Personen lassen Drohnen gerne aufsteigen – als Spielzeugdrohnen oder als „fliegender Selfie-Stick“.

Kritik an „Amazon“-Plänen

Der massenhafte kommerzielle Einsatz von Drohnen steht möglicherweise bevor: Der Online-Versandhändler Amazon arbeitet schon länger an seiner Vision, Pakete zukünftig per Luft zuzustellen – besonders eilige Bestellungen sollen dabei innerhalb von 30 Minuten geliefert werden. „Ich bin nicht überzeugt, dass sich der massenhaft kommerzielle Drohneneinsatz überhaupt rechnet“, kommentiert Michael Nentwich kritisch diese Entwicklung. „Für eine großflächige Anwendung bräuchte es eine große Menge von Drohnen, diese müssten einen weiteren Radius erlangen. Ich bezweifle auch stark, dass das dieses Modell für die Stadt geeignet ist“, sagt Nentwich. Zu diesem Ergebnis ist auch ein Pilotprojekt der österreichischen Post in Kooperation mit der TU Graz  gekommen. Getestet wurde dabei der Einsatz von Drohnen fünf Monate lang in schwer zugänglichem, ländlichem Gebiet. „Technisch funktioniert das einwandfrei. Aber es ist schwierig, die Massentauglichkeit umzusetzen“, hat Post-Vorstand Peter Umundum im Sommer das Projekt bewertet. In bergigen, schwer zugänglichen Regionen – Stichwort Bergbauernhof – wäre hingegen der Drohnen-Einsatz eine überlegenswerte Alternative zur traditionellen Post-Zustellung. 

Gesetzlich geregelter Drohnenverkehr

Auch der Einsatz von unbemannten Flugobjekten zur Überwachung von öffentlichen Großveranstaltungen oder von Firmengeländen erweist sich in der Praxis als fragwürdig. Dem Potenzial der Entwicklung von Drohnen stehen erhebliche Auswirkungen auf die Privatsphäre des Einzelnen gegenüber. „Wenn man die Streifenpolizei allgemein durch Drohnen ersetzt, werden wir bald in einer anderen Art von Gesellschaft leben“, prognostiziert Nentwich.

„Drohnen könnten definitiv zu Konflikten führen, wenn keine klaren Regelungen bestehen“, betont der Experte. Aber was ist in Österreich überhaupt in Bezug auf Drohnen gesetzlich geregelt? Vor allem kommt es auf die Größe und Funktion der Drohne an. Drohnen die mit einer Kamera ausgestattet sind, müssen grundsätzlich bei der Luftfahrtbehörde angemeldet werden. Abhängig von Faktoren wie Größe der Drohne, Einsatzgebiet, Fähigkeiten und Flughöhe ist bei einer professionellen Nutzung für manche Geräte auch ein Führerschein abzulegen. Was bis jetzt noch kein Problem war, könnte bei der breiten kommerziellen Anwendung der Drohnen zu Konflikten führen – die Regelung des Drohnenverkehrs in der Luft. „Der Himmel würde völlig anders ausschauen, wenn massenhaft Drohnen umherfliegen, und hier brauchen wir unbedingt vorab eine gesellschaftliche Diskussion, was wir wollen und was nicht“, fordert der Direktor des ITA. Im Anschluss an Nentwichs Vortrag gibt es wie immer ausreichend Gelegenheit für Fragen, Diskussion und Networking. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung online erforderlich.

Zum Referenten 

Michael Nentwich ist habilitierter Wissenschafts- und Technikforscher und seit 2006 Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA). Sein thematischer Schwerpunkt ist das Internet und sein Einfluss auf Gesellschaft und Wissenschaft. Der Jurist ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und Artikel in wissenschaftlichen Journalen und Sammelbänden, u.a. “Cyberscience. Research in the Age of the Internet” und “Cyberscience 2.0. Research in the Age of Digital Social Networks“. 

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Computer Gesellschaft (OCG)
Mag. Dr. Christine Wahlmüller-Schiller
+43 1 5120235-60
christine.wahlmueller@ocg.at
www.ocg.at



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