CRIF und die magische Bonitäts-Kristallkugel

CRIF und die magische Bonitäts-Kristallkugel

Veröffentlicht

Dienstag, 09.06.2026
von Red. TB

Die Datenschützer von noyb haben offenbar genug von finanzieller Wahrsagerei und ziehen nun gegen die Kreditauskunftei CRIF vor Gericht. Heute startet die erste Unterlassungsklage, im zweiten Halbjahr soll gleich noch eine Sammelklage hinterhergeschickt werden. Datenschutzaktivist Max Schrems hat also beschlossen, dass die Zeit der digitalen Kaffeesatzleserei ein Ende haben könnte.

Der Vorwurf hat es in sich: Wer in Österreich einen Handyvertrag abschließen, einen Stromanbieter wechseln oder einen Kredit beantragen möchte, könnte zuvor von einem geheimnisvollen Algorithmus bewertet werden. Und dieser scheint laut Kritikern oft nicht viel mehr zu wissen als Alter, Geschlecht und Wohnadresse.

Mit anderen Worten: Wer in der falschen Straße wohnt, zur falschen Zeit geboren wurde oder möglicherweise das Pech hat, statistisch nicht in die Lieblingsgruppe eines Computers zu fallen, könnte plötzlich als finanziell verdächtig gelten.

Die Bonitäts-Hexe aus der Blackbox

Laut Schrems basieren rund 90 Prozent der Bewertungen auf allgemeinen Daten. Das klingt ein wenig so, als würde jemand sagen:

„Sie wohnen im dritten Stock eines Hauses in diesem Bezirk, sind 47 Jahre alt und tragen vermutlich blaue Socken – deshalb halten wir Sie für ein Kreditrisiko.“

Wie genau die Bewertung zustande kommt, bleibt für viele Betroffene ein Rätsel. Die Arbeiterkammer spricht deshalb von einer „Blackbox“. Kritiker vermuten sogar, dass die Formel zur Bonitätsberechnung ungefähr so geheim ist wie das Rezept von Coca-Cola oder die Zutaten einer Leberkässemmel auf einem Bahnhof.

CRIF beruhigt

CRIF selbst sieht die Sache naturgemäß entspannter. Datenschutzexpertin Ingrid Francisco erklärt, dass Menschen ohne negative Finanzmeldungen einen „positiven mittelmäßigen Score“ erhalten und damit ungehindert am Wirtschaftsleben teilnehmen könnten.

Übersetzt bedeutet das ungefähr:

„Sie sind nicht großartig, aber auch nicht katastrophal. Herzlichen Glückwunsch, Sie dürfen weiterhin Strom beziehen.“

Die Sammelklage kommt

Wer sich der angekündigten Sammelklage anschließt, soll laut noyb kein finanzielles Risiko tragen. Sollte das Gericht den Klägern Recht geben, winken sogar Entschädigungen.

Damit könnte es erstmals teuer werden für ein System, das vielen Menschen bisher nur kryptische Bewertungen geliefert hat, ohne ihnen genau zu erklären, warum sie plötzlich als finanziell verdächtig gelten.

Fazit

Während die einen ihre Kreditwürdigkeit anhand von Einkommen, Vermögen und Zahlungsdisziplin beurteilt sehen möchten, scheint nach Ansicht der Kritiker manchmal bereits die Postleitzahl auszureichen.

Die Gerichte werden nun klären müssen, ob hier tatsächlich moderne Datenanalyse betrieben wird – oder ob Österreichs Bürger jahrelang von einer digitalen Wahrsagerin bewertet wurden, die ihre Kristallkugel einfach „Score-Modell“ nennt.

1 Kommentar

  1. Wiener

    Hallo ja Prima, aber wer schützt den Bürger eigentlich vor falschen Bewertungen in Auskünfetn?

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

Senoritasimita (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 09.06.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv