Donald Trump hat offenbar eine neue Methode gefunden, unangenehme Nachrichten zu bekämpfen: nicht die Nachricht ändern – sondern den Journalisten vor die Tür setzen.
CNN, MS NOW und Politico sollen nach dem Willen des US-Präsidenten keinen Zugang mehr zum Weißen Haus bekommen.
Begründung:
„Fake News!“
Damit hat Trump eine Lösung für ein Problem gefunden, die vermutlich jeder Fußballtrainer gerne hätte.
„Trainer, warum haben Sie 0:7 verloren?“
„Diese Frage gefällt mir nicht.“
„Reporter gesperrt.“
Problem gelöst.
Trump eröffnet den Medien-TÜV
Trump verkündete auf Truth Social, die drei Medien seien mit sofortiger Wirkung aus dem Weißen Haus verbannt.
Sie würden nach seiner Darstellung ständig „Fake News“, „Fiktion“ und „Lügen“ verbreiten.
Konkrete Beispiele für die angeblichen Falschmeldungen nannte er bei der Ankündigung allerdings nicht.
Dafür kündigte er bereits an:
Weitere Medien könnten folgen.
Das klingt ein bisschen nach der ersten Folge einer neuen amerikanischen Gameshow:
„Donald’s Press Room“
Die Regeln sind einfach.
Der Präsident liest deinen Artikel.
Gefällt er ihm:
Zugang zum Weißen Haus.
Gefällt er ihm nicht:
Raus.
Gefällt er ihm überhaupt nicht:
CNN.
Politico bekommt Hausverbot
Besonders bemerkenswert ist Trumps Ärger über Politico.
Trump verwies dabei erneut auf Regierungsabonnements aus der Zeit seines Vorgängers Joe Biden. Daraus leitete Trump den Vorwurf ab, Politico sei damals gewissermaßen staatlich unterstützt worden.
Politico widerspricht dieser Darstellung.
Das Unternehmen erklärt, die Behauptung einer staatlichen Subventionierung sei falsch. Es habe sich um Abonnements gehandelt – also ungefähr jenes revolutionäre Geschäftsmodell, bei dem jemand für eine Zeitung bezahlt und dafür die Zeitung bekommt.
Amerika entdeckt das Zeitschriftenabo.
Historischer Tag.
CNN reagiert wenig begeistert
CNN hält die angekündigte Aussperrung für einen Eingriff in verfassungsrechtlich geschützte Pressefreiheit und stellte klar, weiter unabhängig über die Regierung berichten zu wollen.
Politico kündigte ebenfalls an, seine Rechte zu verteidigen.
Auch die Vereinigung der Korrespondenten im Weißen Haus protestierte.
Damit könnte die Angelegenheit bald an einem Ort landen, den Donald Trump inzwischen vermutlich ähnlich häufig besucht wie ein durchschnittlicher Amerikaner Starbucks:
vor Gericht.
Das Problem: So einfach ist Hausverbot für Journalisten nicht
Denn die juristische Situation ist komplizierter als:
„Mein Haus, meine Regeln.“
Beim Zugang von Journalisten zu staatlichen Einrichtungen spielen in den USA insbesondere der Erste Verfassungszusatz und bestehende Gerichtsentscheidungen eine Rolle.
Trump hat damit bereits Erfahrung.
2025 wurde die Nachrichtenagentur AP von bestimmten Präsidententerminen ausgeschlossen, nachdem sie sich geweigert hatte, Trumps Bezeichnung „Golf von Amerika“ anstelle von „Golf von Mexiko“ vollständig zu übernehmen.
AP zog vor Gericht.
Ein Bundesrichter ordnete später eine Wiederherstellung von Zugangsrechten an; Teile dieses Rechtsstreits befinden sich weiterhin im Berufungsverfahren.
Trump hat daraus offenbar eine wichtige Lektion gezogen:
Beim nächsten Mal gleich drei Medien nehmen.
Überraschung: Die Reporter waren zunächst noch da
Besonders schön an der Geschichte:
Trump erklärte das Verbot für „effective immediately“ – also mit sofortiger Wirkung.
Nur befanden sich Reporter der betroffenen Medien laut ersten Berichten anschließend weiterhin auf dem Gelände des Weißen Hauses.
Das führt zu einer interessanten Situation.
Trump: „Ihr seid raus!“
CNN: „Okay.“
Trump: „Sofort!“
CNN: „Wir sitzen aber noch hier.“
Trump: „FAKE SITZEN!“
Wie das Verbot organisatorisch umgesetzt werden soll, war zunächst nicht klar.
Wer fliegt als Nächstes?
Trump deutete bereits an, dass weitere Medien auf seine persönliche Abschussliste kommen könnten.
Damit dürfte es im Pressebereich des Weißen Hauses künftig morgens eine neue Routine geben.
Nicht mehr:
„Was ist heute die wichtigste Geschichte?“
Sondern:
„Kommt meine Zugangskarte noch durch?“
Vielleicht steht demnächst am Eingang ein neues Schild:
WILLKOMMEN IM WEISSEN HAUS
Bitte halten Sie bereit:
✓ Presseausweis
✓ Personalausweis
✓ Akkreditierung
✓ drei freundliche Artikel über den Präsidenten
Bei kritischer Berichterstattung wenden Sie sich bitte an den Ausgang.
Eine kleine Nebenwirkung bleibt allerdings
Es gibt nur ein Problem mit dem Konzept.
Wenn CNN nicht mehr im Weißen Haus sitzt, verschwindet CNN deshalb nicht.
Politico verschwindet ebenfalls nicht.
Und MS NOW sendet wahrscheinlich auch weiter.
Die Journalisten stehen dann schlimmstenfalls einfach draußen und berichten darüber, dass sie draußen stehen.
Was wiederum eine ziemlich gute Schlagzeile ergibt.
„Trump wirft uns raus.“
Darauf Trump:
„Fake News!“
Reporter:
„Wir stehen vor der Tür.“
Trump:
„Sehr unfair berichtet.“
Und so könnte aus dem geplanten Medienrauswurf ausgerechnet das entstehen, was Trump eigentlich vermeiden wollte:
noch mehr Berichterstattung über Donald Trump.
Immerhin eine amerikanische Tradition scheint damit vollkommen intakt zu sein:
Die Anwälte werden vermutlich nicht arbeitslos.


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