Russische Drohne zerstört Selenskyjs alte Kulissen – die Realität war offenbar noch nicht absurd genug

Russische Drohne zerstört Selenskyjs alte Kulissen – die Realität war offenbar noch nicht absurd genug

Veröffentlicht

Donnerstag, 17.09.2026
von Red. TB

Früher spielte Wolodymyr Selenskyj im Fernsehen einen Präsidenten. Dann wurde er tatsächlich Präsident. Nun hat ein russischer Drohnenangriff in Kiew ausgerechnet ein Lager seiner früheren Produktionsfirma Kvartal 95 zerstört. Manchmal schreibt die Geschichte Drehbücher, die jeder Fernsehsender wegen mangelnder Glaubwürdigkeit ablehnen würde.

Es gibt Meldungen, bei denen man zunächst prüfen möchte, ob nicht irgendwo „Satire“ darübersteht.

Diese hier gehört dazu.

Bei einem russischen Drohnenangriff auf Kiew wurde ein Lager des Medienunternehmens Kvartal 95 zerstört.

Das ist jene Produktionsfirma, die Wolodymyr Selenskyj einst mitgründete.

Und Selenskyj wiederum ist jener Mann, der früher als Komiker und Schauspieler bekannt wurde, im Fernsehen einen Präsidenten spielte – und anschließend tatsächlich Präsident der Ukraine wurde.

Seitdem führt er keinen fiktiven Staat durch eine Fernsehserie, sondern sein Land durch einen realen Krieg.

Jetzt hat dieser Krieg auch noch die Kulissen seiner alten Unterhaltungswelt erreicht.

Wenn das jemand 2015 als Drehbuch eingereicht hätte, wäre vermutlich die Antwort gekommen:

„Ganz nett. Aber ein bisschen weniger konstruiert wäre glaubwürdiger.“

20 Jahre Fernsehgeschichte weg

Nach Angaben von Kvartal 95 befand sich in dem Lager ein großer Fundus aus rund zwei Jahrzehnten Unternehmensgeschichte.

Kulissen.

Kostüme.

Requisiten.

Gegenstände aus Konzerten, Fernsehsendungen, Filmen und Serien.

Nun sind große Teile davon zerstört.

Das Unternehmen spricht nicht einfach von verlorenen Gegenständen, sondern von einem Stück eigener Geschichte.

Immerhin gibt es bei dieser Meldung einen wirklich wichtigen positiven Punkt:

Verletzt wurde nach Unternehmensangaben niemand.

Damit darf man sich zumindest über die groteske Symbolik Gedanken machen.

Früher brauchte man Kulissen für absurde Politik

Denn Selenskyjs Karriere besitzt ohnehin eine Dramaturgie, die inzwischen fast schon unheimlich wirkt.

Er war Komiker.

Dann spielte er in „Diener des Volkes“ einen Geschichtslehrer, der überraschend Präsident der Ukraine wird.

Dann kandidierte der Schauspieler tatsächlich für das Präsidentenamt.

Und gewann.

Seit 2019 ist er Präsident.

Damals konnte man noch sagen:

Das Leben imitiert die Kunst.

Heute wäre man froh, wenn es dabei geblieben wäre.

Denn inzwischen braucht niemand mehr Autoren, um absurde politische Situationen zu erfinden.

Die Realität hat die Drehbuchabteilung längst übernommen.

Die Requisiten sind weg – die Show geht weiter

Kvartal 95 kündigte nach dem Angriff an, seine Shows trotzdem fortzusetzen.

Sinngemäß lautet die Botschaft:

mit Requisiten oder ohne.

Und das ist vermutlich die bemerkenswerteste Pointe dieser Geschichte.

Denn was soll eine Komödiantentruppe auch anderes machen?

Aufhören zu lachen, weil jemand das Requisitenlager zerstört hat?

Genau das will man offenbar nicht.

„Lachen ist heute auch ein Teil des Lebens“, erklärte das Unternehmen.

Ein Satz, der in Friedenszeiten nach Werbeslogan klingen könnte.

Im Krieg bekommt er eine völlig andere Bedeutung.

Putin liefert leider keine Satire, sondern Realität

Und hier hört der Spaß dann auch auf.

Denn ein russischer Drohnenangriff ist natürlich keine Pointe.

Die Ukraine verteidigt sich weiterhin gegen die großangelegte russische Invasion. Angriffe auf Kiew und andere ukrainische Städte gehören zu einer Realität, bei der hinter jeder nüchternen Meldung die Möglichkeit von Toten und Verletzten steht.

Diesmal traf es nach Angaben von Kvartal 95 ein Lager.

Keine Menschen.

Zum Glück.

Deshalb kann man über die Absurdität dieser Geschichte überhaupt schreiben.

Denn symbolischer könnte sie kaum sein:

Ein Mann verbringt Jahre damit, Politik satirisch zu überzeichnen.

Dann wird er selbst Politiker.

Dann Präsident.

Dann Kriegspräsident.

Und schließlich zerstört eine russische Drohne die Kulissen aus jener Zeit, in der die größten Katastrophen noch nach Drehschluss beendet waren.

Vielleicht ist genau deshalb das Weitermachen die beste Antwort

Kulissen kann man neu bauen.

Kostüme kann man ersetzen.

Requisiten kann man nachproduzieren.

Zwanzig Jahre Erinnerungen lassen sich allerdings nicht einfach nachbestellen.

Kvartal 95 will trotzdem weitermachen.

Das hat etwas wunderbar Trotzendes.

Kulissen weg?

Dann eben ohne Kulissen.

Kostüme weg?

Dann eben andere.

Requisiten zerstört?

Die Pointe funktioniert notfalls auch ohne.

Denn ausgerechnet in einem Land, in dem der Krieg inzwischen selbst ein ehemaliges Requisitenlager erreicht, dürfte Humor eine besondere Bedeutung besitzen.

Früher brauchte Kvartal 95 noch Autoren, Schauspieler, Kulissen und Kostüme, um die Absurditäten des Lebens darzustellen.

Heute reicht manchmal ein Blick auf die Nachrichten.

Und wahrscheinlich ist genau das die bitterste Pointe:

Die alten Kulissen sind zerstört.

Das absurde Theater der Realität läuft weiter.

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alexman89 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 17.09.2026

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