Bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten im Buckingham-Palast sind zahlreiche Alltagsgegenstände aus vergangenen Jahrzehnten und sogar aus dem 19. Jahrhundert entdeckt worden. Darunter befinden sich alte Arbeitsschuhe, Zeitungsausschnitte, Wettzettel, eine Getränkeflasche und persönliche Gegenstände früherer Mitarbeiter.
Die Funde kamen im Zuge der rund 369 Millionen Pfund teuren Sanierung des Londoner Königspalastes ans Licht. Viele der Gegenstände lagen jahrzehntelang unter Fußböden oder verborgen in der Gebäudestruktur.
Schuhe, Wettzettel und Zeitungsausschnitte
Zu den ungewöhnlichsten Entdeckungen gehört ein Paar stark abgenutzter, genagelter Arbeitsstiefel. Auch ein Ticket für einen sogenannten „Whist Drive“, eine Kartenveranstaltung des sozialen Clubs im Buckingham-Palast aus dem Jahr 1949, wurde gefunden. Es steckte in einem Stück Mauerwerk.
Unter den Fußböden fanden Arbeiter zudem alte Fußball-Wettscheine von 1957, eine leere Zigarettenschachtel, eine Flasche Schweppes-Wasser sowie Zeitungsausschnitte über die Täter des berühmten britischen Postzugraubs von 1963.
Ein besonders alter Fund stammt aus dem Jahr 1889: ein Ausschnitt mit Theaterankündigungen aus dem Londoner West End. Hinzu kamen Bruchstücke dekorativer Keramikfliesen, deren Muster auf die Mitte des 19. Jahrhunderts datiert wird.
Ablaufplan von Queen Elizabeth II. entdeckt
Unter den Dokumenten befindet sich auch ein maschinengeschriebener Ablaufplan für einen diplomatischen Empfang von Queen Elizabeth II. im Jahr ihres Silbernen Thronjubiläums 1977.
Darin wurde genau festgelegt, wie sich die Königin bei der Veranstaltung durch die Räume bewegen sollte. Sie sollte den Saal in einer bestimmten Richtung durchqueren, während Mitarbeiter angewiesen wurden, die rund 350 britischen Gäste dazu zu ermutigen, sich unter die anwesenden Diplomaten zu mischen.
Der Fund vermittelt damit einen seltenen Einblick in die detaillierte Organisation höfischer Veranstaltungen.
Alte Technik als Sicherheitsrisiko
Nicht alle Entdeckungen waren historisch interessant – einige zeigten auch, warum die Sanierung dringend notwendig ist.
So wurden alte Elektrokabel mit vulkanisierter Gummiisolierung entdeckt. Diese galten als besonders großes Brandrisiko und gehörten deshalb zu den ersten Bereichen, die bei Beginn der Renovierungsarbeiten erneuert wurden.
Im Zuge der Sanierung werden außerdem alte Leitungen, Bleirohre, Heizkessel und elektrische Anlagen ausgetauscht. Viele davon waren seit rund 60 Jahren nicht grundlegend erneuert worden.
Zehn Jahre Renovierungsarbeiten
Der Buckingham-Palast wird seit Jahren umfassend modernisiert. Das zehnjährige Sanierungsprogramm soll im März abgeschlossen werden.
Ziel ist es, das historische Gebäude langfristig vor Brand- und Wasserschäden zu schützen und seine technische Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen.
König Charles III. und Königin Camilla wohnen währenddessen weiterhin im Clarence House. Auch nach Abschluss der Arbeiten wollen sie Buckingham Palace nicht zu ihrem dauerhaften Wohnsitz machen.
Der Palast soll stattdessen stärker für offizielle Veranstaltungen und für die Öffentlichkeit genutzt werden. Geplant ist, Besuchern künftig möglicherweise längere Öffnungszeiten zu ermöglichen.
Staatsbankette, Gartenfeste, Empfänge sowie Treffen mit dem Premierminister und ausländischen Botschaftern sollen weiterhin im Buckingham-Palast stattfinden.
Die nun entdeckten Gegenstände zeigen dabei eine ganz andere Seite des königlichen Gebäudes: nicht nur die Welt von Staatsakten und Zeremonien, sondern auch den ganz gewöhnlichen Alltag der Menschen, die dort über Generationen gearbeitet haben.


0 Kommentare