Schweres Busunglück im Engadin: Was bisher bekannt ist

Schweres Busunglück im Engadin: Was bisher bekannt ist

Veröffentlicht

Freitag, 11.09.2026
von Red. TB

Bei einem schweren Busunfall im Unterengadin sind am Donnerstagnachmittag mehrere Menschen ums Leben gekommen. Weitere Insassen wurden verletzt. Der niederländische Reisecar verunglückte auf der Engadinerstrasse zwischen Zernez und Susch. Die Rettungs- und Bergungsarbeiten dauerten bis in die Nacht. Viele Einzelheiten, insbesondere die genaue Zahl der Opfer und die Ursache des Unfalls, sind noch nicht abschliessend geklärt.

Der bisher bekannte Unfallhergang

Der Reisebus war am Donnerstag gegen 16.45 Uhr in Richtung Susch unterwegs. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Behörden kollidierte das Fahrzeug mit einer Leitplanke, durchbrach diese und kippte um. Anschliessend rutschte der Car ein kurzes Stück einen Hang hinunter und blieb auf der Seite liegen.

Die Unfallstelle befindet sich in einem Baustellenbereich der Engadinerstrasse. Der Bus kam in unmittelbarer Nähe einer Baustellenampel zum Stillstand. Auf diesem Abschnitt war die Fahrbahn nach Angaben von Augenzeugen teilweise nur einspurig befahrbar.

Die Strasse wurde nach dem Unglück vollständig gesperrt. Einsatzkräfte mussten zunächst die Unfallstelle sichern, Verletzte versorgen und die noch im Fahrzeug befindlichen Menschen retten.

Hinweise auf einen Selbstunfall

Die Kantonspolizei Graubünden geht derzeit davon aus, dass kein zweites Fahrzeug unmittelbar an dem Unfall beteiligt war. Nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand handelt es sich demnach um einen Selbstunfall.

Über die konkrete Ursache können die Behörden bislang keine gesicherte Aussage machen. Niederländische Medien berichteten, der Fahrer habe möglicherweise einem Hindernis oder einem Felsbrocken auf der Fahrbahn ausweichen müssen. Diese Darstellung ist bisher nicht offiziell bestätigt.

Ob tatsächlich ein Gegenstand auf der Strasse lag, ob die Baustellensituation eine Rolle spielte oder ob technische, medizinische beziehungsweise andere Ursachen zum Unfall führten, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

Gerade in den ersten Stunden nach einem schweren Unglück entstehen häufig unterschiedliche Darstellungen. Die Ermittler müssen deshalb Spuren am Fahrzeug und auf der Fahrbahn sichern, Aussagen von Überlebenden auswerten und den technischen Zustand des Busses untersuchen.

49 Menschen befanden sich im Reisebus

Nach Angaben des niederländischen Reisebranchenverbands ANVR waren insgesamt 49 niederländische Staatsangehörige an Bord: 48 Reisende sowie der Fahrer.

Der Car gehört einem niederländischen Busunternehmen. Die Reisegruppe war zu Beginn der Woche zu einer mehrtägigen Reise aufgebrochen. Eigentlich hielt sie sich im Rahmen einer organisierten Reise in Österreich auf. Für Donnerstag war offenbar ein Tagesausflug in die Schweiz vorgesehen.

Der Veranstalter bietet bei vergleichbaren Österreichreisen auch Fahrten mit dem Bernina Express an. Ob dieser Programmpunkt unmittelbar mit der Route des verunglückten Busses zusammenhing, war zunächst nicht abschliessend bestätigt.

Mehrere Tote und Verletzte

Die Kantonspolizei Graubünden bestätigte am Donnerstagabend, dass mehrere Menschen bei dem Unfall ums Leben kamen. Auch mehrere Verletzte wurden gemeldet. Eine genaue Opferzahl veröffentlichten die Behörden zunächst nicht.

Über den Zustand der Verletzten lagen ebenfalls noch keine vollständigen Angaben vor. Wegen der Schwere des Unglücks wurden zahlreiche Ambulanzen und mehrere Rettungshelikopter aufgeboten.

Die Zurückhaltung der Behörden bei konkreten Zahlen dürfte auch damit zusammenhängen, dass zunächst die Identitäten der Opfer zweifelsfrei festgestellt und Angehörige informiert werden müssen. Gerade bei einer ausländischen Reisegruppe ist dafür eine enge Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und niederländischen Stellen erforderlich.

Eine ausführlichere Mitteilung mit aktualisierten Angaben wurde für Freitagmorgen erwartet.

Verletzte in umliegende Spitäler gebracht

Die Rettungsdienste transportierten Verletzte in verschiedene Spitäler der Region. Augenzeugen berichteten unter anderem von der Landung eines Rettungshelikopters beim Spital in Scuol.

Wie viele Menschen in den einzelnen Kliniken behandelt werden und wie schwer ihre Verletzungen sind, war am Donnerstagabend noch nicht offiziell bekannt. Auch dazu wollten die Behörden nach Abschluss der ersten Rettungs- und Identifizierungsarbeiten weitere Informationen veröffentlichen.

Die geografische Lage des Unfallortes stellte die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Im Unterengadin sind die Wege zu geeigneten Spitälern teilweise weit. Bei schweren Verletzungen können deshalb Lufttransporte erforderlich sein.

Care-Team betreut Überlebende und Angehörige

Für die Betroffenen wurde ein Care-Team-Point eingerichtet. Dort erhalten Überlebende sowie anreisende Angehörige psychologische und organisatorische Unterstützung.

Die Betreuung findet an einem nicht öffentlich bekannt gegebenen Ort statt. Erste Angaben, wonach dafür die Turnhalle des Sportzentrums Zernez genutzt werde, erwiesen sich als nicht zutreffend.

Nach schweren Verkehrsunfällen übernehmen Care-Teams eine wichtige Aufgabe. Sie begleiten Menschen, die unter Schock stehen, helfen bei der Kontaktaufnahme mit Angehörigen und vermitteln weitere Unterstützung. Bei einer Reisegruppe aus dem Ausland kommen sprachliche und organisatorische Fragen hinzu.

Aufwendiger Rettungs- und Bergungseinsatz

Der Einsatz dauerte mehrere Stunden. Neben Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten waren zahlreiche Ambulanzfahrzeuge sowie mehrere Helikopter beteiligt. Nach Angaben der Kantonspolizei verliessen die letzten Rettungshelikopter die Unfallstelle kurz vor 22 Uhr.

Nachdem die Versorgung und der Abtransport der Verletzten abgeschlossen waren, begannen die Spurensicherung und die weiteren Bergungsarbeiten. Der verunglückte Reisebus sollte möglichst noch in der Nacht geborgen werden.

Erst nach Abschluss dieser Arbeiten kann die beschädigte Strasse überprüft und wieder für den Verkehr freigegeben werden. Wie lange die Sperrung dauert, hängt auch davon ab, ob zusätzliche Untersuchungen an der Unfallstelle notwendig sind.

Ermittlungen sollen Unfallursache klären

Die Kantonspolizei Graubünden und die zuständigen Untersuchungsbehörden haben Ermittlungen aufgenommen. Im Mittelpunkt steht die Frage, weshalb der Bus von seiner Fahrspur abkam und die Leitplanke durchbrach.

Dabei dürften unter anderem die Spuren auf der Fahrbahn, die Beschädigungen am Fahrzeug, mögliche Aufzeichnungen technischer Systeme und die Aussagen von Überlebenden ausgewertet werden. Auch die Baustellenführung und die örtlichen Verkehrsverhältnisse könnten untersucht werden.

Eine belastbare Antwort ist nicht kurzfristig zu erwarten. Bei einem Unfall dieses Ausmasses müssen verschiedene mögliche Ursachen geprüft und voneinander abgegrenzt werden. Spekulationen über ein Hindernis auf der Fahrbahn bleiben bis zu einer Bestätigung durch die Ermittler vorläufig.

Anteilnahme aus der Schweiz

Bundespräsident Guy Parmelin sprach den Betroffenen und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. Zugleich versicherte er, dass die zuständigen Schweizer Behörden alle Umstände des Unglücks umfassend untersuchen würden.

Das Unglück betrifft neben den schweizerischen Einsatz- und Ermittlungsbehörden insbesondere die Niederlande. Dort müssen Angehörige informiert und die weitere Betreuung der Reisegruppe koordiniert werden. Auch der Reiseveranstalter steht vor der Aufgabe, Überlebende und Familien zu unterstützen.

Viele Fragen sind noch offen

Am Morgen nach dem Unfall bleiben entscheidende Punkte ungeklärt:

  • Wie viele Menschen kamen ums Leben?
  • Wie viele Insassen wurden verletzt?
  • Wie schwer sind ihre Verletzungen?
  • Weshalb verlor der Fahrer die Kontrolle über den Bus?
  • Befand sich tatsächlich ein Hindernis auf der Fahrbahn?
  • Welche Rolle spielte der einspurige Baustellenbereich?
  • Gab es technische Probleme am Fahrzeug?
  • Wann kann die Engadinerstrasse wieder freigegeben werden?

Gesicherte Antworten können erst die weiteren Ermittlungen liefern. Bis dahin gilt es, bestätigte Tatsachen von Augenzeugenberichten und noch ungeprüften Vermutungen zu trennen.

Fest steht bislang, dass sich auf der Engadinerstrasse zwischen Zernez und Susch ein schweres Unglück ereignet hat, bei dem mehrere Menschen starben und weitere verletzt wurden. Hinter diesen nüchternen Angaben stehen Reisende, deren gemeinsamer Ausflug innerhalb weniger Augenblicke in einer Katastrophe endete, sowie Familien, die nun auf Nachrichten über ihre Angehörigen warten.

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von Autor: Red. TB
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