Innsbruck führt neue Maßeinheit ein: den Luxusquadratmeter

Innsbruck führt neue Maßeinheit ein: den Luxusquadratmeter

Veröffentlicht

Donnerstag, 10.09.2026
von Red. TB

Wer in Innsbruck eine Eigentumswohnung kaufen möchte, braucht drei Dinge: einen festen Arbeitsplatz, einen sehr verständnisvollen Bankberater und Vorfahren, die zufällig mehrere Grundstücke hinterlassen haben.

Im ersten Halbjahr 2026 kostete ein Quadratmeter Wohnfläche in der Tiroler Landeshauptstadt durchschnittlich 6.400 Euro. Das geht aus einer Analyse von Raiffeisen Immobilien hervor.

Damit ist Innsbruck die teuerste Landeshauptstadt Österreichs. Der durchschnittliche Quadratmeter kostet dort mehr als doppelt so viel wie in St. Pölten. Anders gesagt: Während man in Niederösterreich noch überlegt, in welchem Zimmer das Sofa stehen soll, fragt man sich in Innsbruck bereits, ob man sich überhaupt ein ganzes Sofa leisten kann.

Ein Quadratmeter mit Bergblick – vielleicht

Natürlich bekommt man für 6.400 Euro nicht automatisch eine Wohnung. Man bekommt zunächst einen Quadratmeter.

Dieser Quadratmeter kann sehr vielseitig genutzt werden. Man könnte darauf stehen, einen schmalen Schrank platzieren oder Freunden erzählen, dass man jetzt Immobilienbesitzer in Innsbruck sei. Für ausgestreckte Arme wird es allerdings bereits eng.

Die gute Nachricht: Die Berge sieht man möglicherweise trotzdem. Die schlechte Nachricht: Wahrscheinlich sieht man sie durch das Fenster des Maklerbüros, während der eigene Kreditantrag geprüft wird.

Hinter Innsbruck folgen Wien und Salzburg. Dort kostete der Quadratmeter durchschnittlich jeweils 5.500 Euro. Das wirkt im direkten Vergleich beinahe günstig.

In Wien erhält man für diesen Preis immerhin einen Quadratmeter mit potenzieller Nähe zu einer Straßenbahn. In Salzburg ist möglicherweise noch eine entfernte Mozart-Assoziation enthalten. In Innsbruck gibt es dafür frische Bergluft – sofern diese nicht demnächst als Sonderausstattung verrechnet wird.

In Toplagen kostet sogar die Luft extra

Besonders beeindruckend sind die Preise für Neubauwohnungen. In einer guten Innsbrucker Lage wurden bis zu 9.000 Euro pro Quadratmeter verlangt.

In sogenannten Toplagen stieg der Preis sogar auf bis zu 12.000 Euro. Was genau eine Toplage ausmacht, ist nicht abschließend geklärt. Vermutlich befindet sich die Wohnung so nah am Berg, dass man morgens direkt aus dem Schlafzimmer auf die Skipiste fallen kann.

Für 12.000 Euro erhält man also einen Quadratmeter Neubaufläche. Zwei Quadratmeter ergeben bereits eine kleine Garderobe. Bei vier Quadratmetern kann man über ein Homeoffice nachdenken, solange man bereit ist, im Stehen zu arbeiten und den Laptop senkrecht zu halten.

Eine gewöhnliche 70-Quadratmeter-Wohnung würde bei diesem Spitzenpreis 840.000 Euro kosten. Nebenkosten, Einrichtung und der obligatorische Wunsch nach einer Tür sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Makler würden wahrscheinlich von einer „kompakten urbanen Wohnlösung mit effizienter Flächennutzung“ sprechen. Andere Menschen würden sagen: Für dieses Geld sollte wenigstens jemand täglich das Frühstück bringen.

Gebraucht, aber keineswegs verbraucht

Wer nun glaubt, eine gebrauchte Wohnung sei die preiswerte Alternative, verfügt über einen bewundernswerten Optimismus.

Für gebrauchte Eigentumswohnungen wurden in Innsbruck je nach Lage zwischen 5.500 und 8.000 Euro pro Quadratmeter verlangt.

„Gebraucht“ bedeutet auf dem Immobilienmarkt ohnehin nicht automatisch günstig. Es bedeutet lediglich, dass bereits andere Menschen festgestellt haben, wo es im Winter zieht und welcher Nachbar sonntags um sieben Uhr sein Schlagzeug übt.

Bei besonders charmanten Altbauwohnungen darf man sich außerdem auf Formulierungen wie „mit Entwicklungspotenzial“ freuen. Das bedeutet häufig, dass sich Bad, Elektrik und Heizung gemeinsam an die Zeit erinnern, als Telefone noch eine Wählscheibe hatten.

Eine Wohnung mit „authentischen Gebrauchsspuren“ besitzt Kratzer. Eine „individuelle Raumaufteilung“ hat einen Flur, der dreimal um die Küche führt. Und „ideal für handwerklich Begabte“ heißt übersetzt: Bringen Sie Werkzeug, Geld und sehr viel Geduld mit.

Neubau wird zum seltenen Sammlerstück

Auch in Wien und Salzburg ist der Unterschied zwischen neuen und gebrauchten Wohnungen erheblich. Als wichtiger Grund gelten die stark gestiegenen Baukosten.

Material, Energie, Grundstücke und Arbeitskräfte sind teurer geworden. Neue Wohnungen entstehen deshalb langsamer und zu höheren Preisen. Das geringe Angebot macht den Neubau zunehmend zu einer Art Sammlerobjekt.

Raiffeisen Immobilien geht davon aus, dass die Preise wegen des knappen Neubauangebots auch künftig steigen könnten.

Für Wohnungssuchende ist das eine unerfreuliche Nachricht. Für Immobilienanzeigen eröffnet es dagegen neue sprachliche Möglichkeiten. Aus „teuer“ wird „wertstabil“, aus „sehr teuer“ wird „exklusiv“ und aus „für normale Einkommen unerreichbar“ wird „für anspruchsvolle Eigennutzer“.

St. Pölten – das Monaco der Vernunft

Am anderen Ende der Rangliste liegt St. Pölten. Dort kostete ein Quadratmeter Eigentumswohnung durchschnittlich 2.800 Euro.

Im Vergleich zu Innsbruck erscheint die niederösterreichische Landeshauptstadt damit plötzlich wie ein geheimes Immobilienparadies. Zwar fehlen die Tiroler Berge, dafür kann man sich nach dem Wohnungskauf möglicherweise noch einen Tisch leisten.

Für den durchschnittlichen Preis eines Innsbrucker Quadratmeters bekommt man in St. Pölten mehr als zwei Quadratmeter. Das klingt zunächst nicht spektakulär, ist aber bereits ausreichend, um sich hinzulegen und über die richtige Wahl des Wohnortes nachzudenken.

Allerdings sollten sich Interessenten beeilen. Sobald häufig genug erwähnt wird, wie günstig St. Pölten im Vergleich ist, wird vermutlich jemand den Ausdruck „aufstrebende Wohnregion mit hervorragender Zukunftsperspektive“ erfinden. Kurz darauf kostet auch dort der Abstellraum so viel wie früher ein Einfamilienhaus.

Eisenstadt bleibt vergleichsweise bodenständig

In Eisenstadt lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 3.400 Euro. Die burgenländische Landeshauptstadt bleibt damit deutlich unter dem Innsbrucker Niveau.

Für Käufer bedeutet das: Es besteht eine realistische Chance, nicht nur eine Wohnung, sondern auch mehrere Zimmer zu erwerben.

Natürlich ist Eisenstadt kleiner als Innsbruck, Wien oder Salzburg. Dafür muss man beim Kauf einer Küche nicht überlegen, ob man den Backofen untervermieten kann.

Graz bietet Wohnraum mit Dachsteinferne

In Graz wurden durchschnittlich 3.600 Euro pro Quadratmeter verlangt. Damit liegt die steirische Landeshauptstadt ebenfalls im vergleichsweise erschwinglichen Bereich.

Graz besitzt Universitäten, Kultur, eine lebendige Innenstadt und ausreichend Restaurants, in denen man nach der Kreditunterzeichnung Trost finden kann.

Der einzige Nachteil: Der Blick auf das Tiroler Bergpanorama fehlt. Dafür hat man möglicherweise noch Geld übrig, um gelegentlich nach Innsbruck zu fahren und es sich anzusehen.

Klagenfurt mit Seeaufschlag

In Klagenfurt kostete der Quadratmeter durchschnittlich 3.900 Euro. Die Nähe zum Wörthersee dürfte verhindern, dass die Preise vollständig in den Bereich des Vernünftigen abrutschen.

Dennoch bleibt Klagenfurt deutlich günstiger als Innsbruck. Dort kann man theoretisch eine Wohnung kaufen und anschließend noch darüber nachdenken, ob man sich Vorhänge leisten möchte.

In Tirol gehört diese Frage möglicherweise bereits in das zweite Finanzierungsgespräch.

Linz liegt im österreichischen Mittelfeld

Linz erreichte einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 4.200 Euro und landete damit im Mittelfeld der Landeshauptstädte.

Die oberösterreichische Hauptstadt ist also weder günstig genug, um spontane Begeisterung auszulösen, noch teuer genug, um internationale Investmentfonds nervös werden zu lassen.

Makler könnten diesen Zustand als „ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis“ bezeichnen. Käufer nennen ihn vermutlich einfach: immer noch sehr viel Geld.

Bregenz fast auf dem Siegerpodest

Bregenz war mit durchschnittlich 5.200 Euro pro Quadratmeter die viertteuerste Landeshauptstadt Österreichs.

Der Bodensee, die begrenzte Fläche und die Nähe zur Schweiz tragen vermutlich dazu bei, dass auch dort Wohnraum nicht gerade zum Sonderangebot gehört.

Bregenz verpasst damit nur knapp das Preisniveau von Wien und Salzburg. Für einen Platz auf dem Siegerpodest reicht es nicht – eine Tatsache, über die sich die meisten Wohnungssuchenden wahrscheinlich nicht beschweren werden.

Durchschnittspreise sind nur der Anfang

Die genannten Quadratmeterpreise dienen lediglich als Orientierung. Der tatsächliche Kaufpreis hängt von Lage, Baujahr, Zustand und Ausstattung ab.

Auch Stockwerk, Aussicht, Balkon, Terrasse, Parkplatz und Energieeffizienz beeinflussen den Wert. Eine Wohnung mit Bergblick kostet mehr als eine mit Blick auf die Mülltonnen. Wobei ein findiger Makler Letzteres möglicherweise als „unverbaubare Aussicht auf die funktionale Infrastruktur des Hauses“ bezeichnen würde.

Besondere Vorsicht ist bei Begriffen wie „Toplage“, „zentral“, „ruhig“ und „charmant“ geboten.

„Zentral und ruhig“ kann bedeuten, dass die Wohnung direkt über einer Straßenbahnhaltestelle liegt, die nachts nicht fährt. „Charmant“ deutet häufig darauf hin, dass keine Wand im rechten Winkel steht. Und „lichtdurchflutet“ bedeutet manchmal nur, dass noch keine Vorhänge vorhanden sind.

Wohneigentum wird zur Geduldsprüfung

Die hohen Preise zeigen, wie schwierig der Erwerb einer Wohnung geworden ist. Selbst Haushalte mit guten Einkommen müssen häufig einen erheblichen Teil ihrer Ersparnisse einsetzen und langfristige Kredite aufnehmen.

Hinzu kommen Kaufnebenkosten, Gebühren, Steuern und mögliche Sanierungsarbeiten. Der veröffentlichte Quadratmeterpreis bildet deshalb nur einen Teil der tatsächlichen Belastung ab.

In Innsbruck erreicht der Immobilienmarkt inzwischen ein Niveau, bei dem man nicht mehr fragt, wie viele Zimmer eine Wohnung hat. Man fragt zunächst, wie viele Generationen an der Rückzahlung beteiligt sein werden.

Vielleicht entwickeln Banken demnächst Kredite mit 120 Jahren Laufzeit. Die monatliche Rate bleibt überschaubar, solange Kinder, Enkel und Urenkel den Vertrag rechtzeitig übernehmen.

Bis dahin gilt: Wer in Innsbruck Eigentum erwerben möchte, sollte frühzeitig sparen. Am besten beginnt man im Kindergarten – unmittelbar nach dem ersten Taschengeld.

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daveoxberry (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 10.09.2026

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