25 Jahre nach 9/11: Die Wunden sind noch immer offen

25 Jahre nach 9/11: Die Wunden sind noch immer offen

Veröffentlicht

Dienstag, 08.09.2026
von Red. TB

25 Jahre sind vergangen.

Ein Vierteljahrhundert.

Kinder wurden erwachsen. Familien gründeten neue Leben. New York bekam eine neue Skyline. Wo einst die Zwillingstürme standen, spiegeln heute zwei große Wasserbecken den Himmel.

Und trotzdem ist der 11. September 2001 für Tausende Menschen bis heute nicht vorbei.

Noch immer werden Tote identifiziert.

Noch immer sterben Feuerwehrleute, Polizisten, Helfer und Anwohner an den Folgen der giftigen Staubwolke von Ground Zero.

Noch immer kämpfen Angehörige vor Gericht um Antworten auf eine Frage, die sie seit 25 Jahren begleitet:

Wer wusste was? Wer half den Attentätern? Und wurden wirklich alle Verantwortlichen gefunden?

Der 11. September ist längst Geschichte.

Für viele Familien aber ist er noch immer Gegenwart.

Manche Familien haben bis heute kein Grab

Nach dem Einsturz des World Trade Centers bargen Einsatzkräfte rund 20.000 menschliche Überreste aus den Trümmern.

Was nüchtern wie eine Zahl klingt, bedeutet in Wahrheit etwas kaum Vorstellbares.

Es bedeutet Familien, die auf einen Anruf warteten.

Eltern, die ihre Kinder suchten.

Ehepartner, die hofften, irgendwo werde doch noch jemand lebend gefunden.

Kinder, die nicht verstanden, warum ihre Mutter oder ihr Vater plötzlich nicht mehr nach Hause kam.

Mit moderner DNA-Technik konnten über die Jahre viele Opfer identifiziert werden.

Doch bis heute sind rund 7.000 geborgene menschliche Überreste keinem Opfer eindeutig zugeordnet.

Etwa 1.110 Menschen sind nach Darstellung des Artikels bis heute nicht vollständig identifiziert.

Mehr als ein Drittel.

Für ihre Angehörigen bedeutet das:

kein Abschied am offenen Grab.

Keine letzte Berührung.

Kein Ort, an dem mit Gewissheit gesagt werden kann: Hier liegt mein Vater. Meine Mutter. Mein Sohn. Meine Tochter.

Viele Familien mussten lernen, mit einer Form der Trauer zu leben, die keinen richtigen Abschluss kennt.

Fast 3.000 Menschen gingen morgens einfach zur Arbeit

Am Morgen des 11. September machten die meisten Opfer nichts Besonderes.

Sie standen auf.

Sie tranken Kaffee.

Sie verabschiedeten sich von ihren Familien.

Sie gingen zur Arbeit.

Sie stiegen in ein Flugzeug.

Sie fuhren zu einem Termin.

Und viele von ihnen kamen nie wieder zurück.

2.977 Menschen wurden bei den Anschlägen getötet, die Attentäter nicht mitgerechnet.

Allein in New York starben 2.753 Menschen.

Darunter Banker und Reinigungskräfte.

Sekretärinnen und Feuerwehrleute.

Kellner und Manager.

Menschen, die kurz vor der Pension standen.

Menschen, die gerade erst ihren ersten Arbeitstag begonnen hatten.

Menschen, die Kinder hatten.

Menschen, die selbst noch Kinder waren.

Das jüngste Opfer war ein zweijähriges Mädchen.

Es saß in United Airlines Flug 175 und war auf dem Weg nach Los Angeles. Eigentlich sollte die Reise ein Familienurlaub werden, inklusive Disneyland.

Stattdessen raste das Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers.

Das älteste Opfer war 85 Jahre alt.

Ein Veteran des Zweiten Weltkriegs.

Er saß in American Airlines Flug 11 und wollte zur Hochzeit seines Sohnes nach Los Angeles fliegen.

Auch er kam nie an.

Eine Feuerwache verlor 19 Männer

Manche Orte wurden vom 11. September auf eine Weise getroffen, die sich kaum in Worte fassen lässt.

Eine einzige Feuerwache in Maspeth im New Yorker Stadtteil Queens verlor 19 Feuerwehrleute.

19 Männer.

Sie hinterließen zusammen 51 Kinder.

Kinder, die morgens einen Vater hatten und abends keinen mehr.

Monatelang musste die New Yorker Feuerwehr jeden Tag Beerdigungen organisieren.

Zeitweise bis zu 25 Trauerfeiern und Gedenkveranstaltungen an einem einzigen Tag.

343 Feuerwehrleute starben beim Einsatz am World Trade Center.

Sie gingen hinein, während Tausende andere versuchten herauszukommen.

Sie liefen Treppen hinauf, während Menschen panisch nach unten strömten.

Viele wussten vermutlich, wie gefährlich ihr Einsatz war.

Sie gingen trotzdem weiter.

Und das Sterben hörte nicht auf

Der 11. September endete nicht mit dem Einsturz der Türme.

Das ist vielleicht eine der bittersten Erkenntnisse dieser 25 Jahre.

Als die Gebäude zusammenbrachen, verwandelten sie sich in eine gewaltige Wolke aus Staub, Beton, Glas, Metallen und giftigen Stoffen.

Menschen atmeten diese Mischung ein.

Feuerwehrleute.

Polizisten.

Rettungskräfte.

Bauarbeiter.

Anwohner.

Menschen, die monatelang am Ground Zero arbeiteten.

Viele wurden Jahre später krank.

Nach Angaben des Artikels sind inzwischen mindestens 4.000 Einsatzkräfte und andere Betroffene an Krankheiten gestorben, die mit den Schadstoffen von Ground Zero in Verbindung gebracht werden.

Damit hat die Zahl der später an gesundheitlichen Folgen Gestorbenen die Zahl vieler unmittelbarer Opfergruppen längst übertroffen.

Rund 60.000 Menschen, die den Giftstoffen ausgesetzt waren, sollen inzwischen an Krebs erkrankt sein.

Und Gesundheitsexperten warnen:

Das Ende ist noch lange nicht erreicht.

In den kommenden 25 Jahren könnte die Zahl der Todesfälle durch 9/11-bedingte Erkrankungen auf 20.000 oder mehr steigen.

Der Anschlag fordert damit womöglich noch Jahrzehnte später weitere Opfer.

Langsam.

Still.

In Krankenhauszimmern statt in einstürzenden Hochhäusern.

Damals hieß es: Die Luft sei sicher

Besonders schwer wiegt für viele Betroffene, dass amerikanische Behörden nach den Anschlägen zunächst erklärten, die Luft rund um Ground Zero sei sicher.

Menschen gingen zurück an die Arbeit.

Einsatzkräfte arbeiteten teilweise ohne ausreichenden Atemschutz.

Familien kehrten in ihre Wohnungen zurück.

Später zeigte sich, wie gefährlich die Belastung tatsächlich gewesen war.

Für viele Erkrankte ist dieser Teil der Geschichte kaum zu ertragen.

Sie hatten nach den Anschlägen geholfen.

Sie hatten vertraut.

Und Jahre später bekamen sie Diagnosen wie Lungenkrankheiten oder Krebs.

Manche überlebten die Anschläge.

Aber nicht ihre Folgen.

Bis heute bleibt die Frage nach möglichen Helfern

Dann gibt es noch eine weitere offene Wunde.

Sie liegt nur wenige Straßen von Ground Zero entfernt, in einem Bundesgericht in Manhattan.

Dort kämpfen Tausende Angehörige und Überlebende seit Jahren um Antworten.

Im Mittelpunkt stehen mögliche Verbindungen zwischen einzelnen saudischen Regierungsvertretern und den Attentätern.

Die Kläger werfen Personen mit Verbindungen zum saudischen Staat vor, einzelne spätere Entführer unterstützt zu haben.

Saudi-Arabien bestreitet eine staatliche Beteiligung an den Anschlägen.

Über Jahre wurden jedoch zuvor geheime FBI-Dokumente veröffentlicht, die neue Fragen aufwarfen.

Nach Darstellung des Artikels gibt es Hinweise auf mehrere saudische Regierungsvertreter beziehungsweise mit staatlichen Stellen verbundene Personen, die Kontakte zu späteren Attentätern gehabt oder sie unterstützt haben sollen.

Gerichtlich abschließend geklärt ist eine Verantwortung Saudi-Arabiens bis heute nicht.

Und genau das macht die Situation für viele Angehörige so quälend.

Nach dem 11. September versprach Amerika:

Wir finden alle Verantwortlichen.

Wir klären auf, wie das geschehen konnte.

Wir ziehen jeden zur Rechenschaft.

25 Jahre später sitzen Familien noch immer in Gerichtssälen.

Zwei Entführer und viele offene Fragen

Besonders intensiv untersucht wird die Geschichte von Nawaf al-Hazmi und Khalid al-Mihdhar.

Beide gehörten zu den Männern, die American Airlines Flug 77 entführten und in das Pentagon steuerten.

Nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten erhielten sie offenbar Unterstützung bei alltäglichen Dingen.

Wohnungssuche.

Bankkonten.

Kontakte.

Orientierung in einem fremden Land.

Wer ihnen dabei half und welche Verbindungen diese Personen zu saudischen Stellen hatten, beschäftigt Ermittler und Gerichte bis heute.

Für Angehörige ist das keine abstrakte historische Debatte.

Für sie geht es darum, endlich zu verstehen, wie die Männer, die ihre Familien zerstörten, sich so lange vorbereiten konnten.

Und wer ihnen dabei möglicherweise die Türen öffnete.

Ein Vierteljahrhundert ohne vollständige Antworten

Vielleicht ist genau das der Grund, warum der 11. September noch immer so weh tut.

Andere Katastrophen haben einen Anfang und irgendwann zumindest einen Abschluss.

Bei 9/11 scheint dieser Abschluss bis heute zu fehlen.

Nicht alle Toten sind identifiziert.

Nicht alle gesundheitlichen Folgen sind bekannt.

Nicht alle Verantwortungsfragen sind geklärt.

Noch immer kommen neue Namen auf Gedenktafeln hinzu.

Nicht von Menschen, die 2001 unter den Türmen starben.

Sondern von Menschen, die damals halfen und erst Jahre später an den Folgen ihres Einsatzes starben.

New York erinnert sich nicht nur einmal im Jahr

Für Millionen Menschen im Großraum New York braucht es keinen Jahrestag, um sich zu erinnern.

Sie fahren an einer Feuerwache vorbei, die damals Männer verlor.

Sie kennen eine Familie, in der ein Platz am Esstisch leer blieb.

Sie sehen einen Namen auf einem Denkmal.

Sie kennen jemanden, der krank wurde.

Oder jemanden, der jemanden kannte, der an jenem Morgen einfach zur Arbeit ging und nie zurückkam.

Nach dem Anschlag hingen überall Schilder mit zwei Worten:

Never Forget.

Niemals vergessen.

Vielleicht war dieser Satz gar nicht notwendig.

Denn viele Menschen hatten nie die Möglichkeit zu vergessen.

25 Jahre später werden wieder Glocken läuten

Zum Jahrestag werden wieder die Namen der Opfer verlesen.

Es wird Schweigeminuten geben.

Dudelsäcke werden spielen.

Glocken werden läuten.

Menschen werden Blumen an den Gedenkstätten niederlegen.

Angehörige werden mit den Fingern über eingravierte Namen fahren.

Und irgendwo wird wieder jemand vor einem Namen stehen und sich daran erinnern, wie dieser Mensch gelacht hat.

Wie seine Stimme klang.

Was er am Abend des 10. September gesagt hatte.

Vielleicht war es etwas völlig Banales.

„Bis morgen.“

Für Tausende Familien kam dieses Morgen nie.

Die Türme sind verschwunden – die Folgen nicht

New York hat sich verändert.

Am Ground Zero steht heute das One World Trade Center.

Touristen fotografieren die Skyline.

Züge fahren wieder.

Menschen arbeiten, essen, lachen und leben dort, wo vor 25 Jahren die Welt für einen Moment stillzustehen schien.

Das ist vielleicht die stärkste Antwort auf Terror:

Das Leben ging weiter.

Aber weiterleben bedeutet nicht vergessen.

Und weiterleben bedeutet auch nicht, dass jede Wunde heilt.

Solange Familien nicht wissen, wo die Überreste ihrer Angehörigen sind.

Solange Menschen an den Giften von Ground Zero sterben.

Solange Gerichte darüber streiten, wer den Attentätern möglicherweise geholfen hat.

Solange bleiben Fragen offen.

Der 11. September 2001 liegt 25 Jahre zurück.

Für die Geschichte ist das eine lange Zeit.

Für Trauer manchmal nur ein Augenblick.

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OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 08.09.2026

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