Neue Bewegung im Ukrainekrieg, eine gefährliche Eskalation zwischen den USA und Iran, tödliche Angriffe im Libanon, Nordkoreas weiterer Ausbau seiner Streitkräfte und schwere Katastrophen von Nepal bis Miami: Die vergangenen 24 Stunden hatten international einiges zu bieten. Der Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.
Ukraine: Neuer amerikanischer Anlauf für Friedensgespräche
Eine der politisch wichtigsten Nachrichten kommt aus Kiew.
Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner trafen am Sonntag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Unmittelbar zuvor hatten die beiden in Moskau mehr als drei Stunden mit Russlands Präsident Wladimir Putin gesprochen.
Die amerikanischen Vermittler sprechen von neuer Bewegung und hoffen darauf, bald eine weitere Runde direkter, von den USA vermittelter Gespräche zwischen Russland und der Ukraine ankündigen zu können.
Einen Durchbruch gibt es allerdings nicht.
Vor allem in der Territorialfrage liegen Moskau und Kiew weiterhin weit auseinander. Selenskyj erklärte, die Ukraine sei grundsätzlich zu trilateralen Gesprächen bereit. Außerdem ging es um zusätzliche Luftverteidigung und die Energieversorgung des Landes für den kommenden Winter.
Die Bedeutung liegt deshalb weniger in einem konkreten Ergebnis als darin, dass Washington nach Monaten stagnierender Verhandlungen wieder intensiv mit beiden Seiten spricht.
Frieden ist damit noch nicht in Sicht – aber der diplomatische Kanal ist wieder deutlich aktiver.
USA und Iran: Kampf um die Straße von Hormus verschärft sich
Noch gefährlicher entwickelt sich die Situation am Persischen Golf.
Iran behauptete am Sonntag, ein unbemanntes amerikanisches Militärschiff in der Straße von Hormus getroffen zu haben. Das US-Militär wies diese Darstellung als falsch zurück.
Gleichzeitig kündigte Teheran an, außerhalb der Meerenge eine neue Sperrzone für Schiffe einzurichten.
Die Eskalation folgt auf gegenseitige Angriffe der vergangenen Tage. Die USA hatten drei iranische Öltanker attackiert, nachdem Iran nach amerikanischen Angaben ballistische Raketen gegen US-Kriegsschiffe eingesetzt hatte.
Das ist wirtschaftlich enorm bedeutsam.
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Energietransportrouten der Erde. Der Schiffsverkehr ist bereits deutlich zurückgegangen.
Entsprechend steigen die Ölpreise wieder: Brent lag am frühen Montag bei rund 96,80 Dollar pro Barrel, amerikanisches WTI bei etwa 92,14 Dollar.
Sollten die Angriffe auf Tanker weitergehen oder die Durchfahrt zusätzlich eingeschränkt werden, könnte daraus einer der größten wirtschaftlichen Risikofaktoren des Herbstes werden.
Libanon: Sieben Tote bei israelischen Angriffen
Parallel dazu hat sich auch die Lage zwischen Israel und der Hisbollah wieder verschärft.
Israelische Angriffe im Süden des Libanon töteten nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums am Sonntag sieben Menschen.
Mindestens 20 weitere Menschen wurden laut Behörden verletzt.
Israel erklärte, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Hisbollah-Drohnenangriff gegen israelische Soldaten gewesen. Dabei wurde unter anderem ein leer stehendes Krankenhaus zerstört. Die israelische Armee erklärte, das Gebäude sei von der Hisbollah als Kommandozentrum genutzt worden.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach dagegen von einer gefährlichen Eskalation.
Besonders problematisch: Zwischen Israel und der Hisbollah gilt eigentlich eine von den USA vermittelte Waffenruhe.
Trotzdem kommt es immer wieder zu Angriffen und Gefechten.
Gaza: Weitere Tote trotz Waffenruhe
Auch im Gazastreifen hält die Gewalt an.
Bei einem israelischen Luftangriff in Gaza-Stadt wurden am Sonntag ein Mann und seine achtjährige Tochter getötet. Bei weiteren Angriffen starben nach Angaben örtlicher Gesundheitsbehörden mindestens zwei weitere Menschen, darunter ein Kind.
Israel erklärte, einer der Angriffe habe einem Hamas-Mitglied gegolten.
Obwohl seit Oktober 2025 eine von den USA vermittelte Waffenruhe gilt, kommt es weiterhin regelmäßig zu israelischen Angriffen. Israel wirft der Hamas wiederum Verstöße und Vorbereitungen neuer Angriffe vor.
Gleichzeitig wurden in Gaza die sterblichen Überreste von mehr als 110 Menschen geborgen, darunter nach Angaben der Rettungskräfte mindestens 70 Kinder. Die Toten stammen aus früher im Krieg zerstörten Gebäuden.
Nordkorea stellt neuen Zerstörer in Dienst
Auf der koreanischen Halbinsel sendet Pjöngjang ein neues militärisches Signal.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat einen neuen Zerstörer offiziell in Dienst gestellt.
Kim erklärte, das Kriegsschiff werde Teil eines nuklearen Reaktionssystems sein, mit dem Nordkorea im Ernstfall vernichtende Gegenschläge führen könne.
Ob das Schiff tatsächlich mit Atomwaffen ausgerüstet werden soll, blieb offen.
Nordkorea investiert seit einiger Zeit erheblich in den Ausbau seiner Marine und möchte seine nuklearfähigen Streitkräfte offenbar stärker auf See ausweiten.
Gleichzeitig beginnen die USA, Südkorea und Japan gemeinsame See- und Luftmanöver.
Damit steigt auch in Ostasien die militärische Spannung.
Indonesien: Vulkanasche legt acht Flughäfen lahm
Große Probleme gibt es derzeit in Indonesien.
Der Vulkan Anak Krakatau bleibt hochaktiv.
Am frühen Montag waren wegen der Vulkanasche noch immer acht Flughäfen geschlossen, darunter Flughäfen im Großraum Jakarta.
Etwa 170.000 Passagiere sind von Flugausfällen betroffen.
Die jüngste registrierte Eruption ereignete sich am Sonntagabend. Vulkanologen warnen ausdrücklich davor, dass weitere Ausbrüche wahrscheinlich sind.
Aschewolken erreichten teilweise Höhen von bis zu 15 Kilometern. Auch Schulen stellten wegen der Luftbelastung auf Fernunterricht um.
Anak Krakatau liegt zwischen Java und Sumatra und entstand aus den Überresten des historischen Krakatau-Vulkans.
Nepal: Zehn Tage verschüttet – Frau lebend gefunden
Zwischen all den Katastrophennachrichten gibt es aus Nepal auch eine kaum für möglich gehaltene Rettung.
Eine ältere Frau wurde zehn Tage nach den verheerenden Überschwemmungen lebend aus den Trümmern ihres Hauses geborgen.
Ihre Familie hatte bereits mit den traditionellen Trauerritualen begonnen.
Die Frau hatte in einem kleinen Hohlraum ihres eingestürzten Hauses überlebt. Rettungskräfte hörten ihre Hilferufe und konnten sie nach einer etwa 45-minütigen Aktion befreien.
Die Dimension der Katastrophe bleibt dennoch gewaltig.
Mehr als 1.300 Menschen sind inzwischen durch die Überschwemmungen und Schlammlawinen in Nepal und der chinesischen Grenzregion ums Leben gekommen.
Fast 5.000 Menschen gelten weiterhin als vermisst.
Allein am chinesisch-nepalesischen Grenzübergang Gyirong wurden zwölf weitere Leichen geborgen. Auf chinesischer Seite wurden mittlerweile 43 Tote bestätigt; mehr als 500 Menschen werden dort noch vermisst.
Miami: Mindestens fünf Tote bei Absturz eines Amazon-Frachtflugzeugs
Ein schweres Flugzeugunglück erschütterte am Sonntag die USA.
Eine für Amazon eingesetzte Boeing 767 schoss bei der Landung auf dem Miami International Airport über die Start- und Landebahn hinaus.
Das Flugzeug überquerte einen angrenzenden Bereich und kollidierte mit mehreren Fahrzeugen.
Mindestens fünf Menschen starben.
Fünf weitere Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer.
Das Flugzeug war aus San Juan in Puerto Rico gekommen und wurde von der Frachtfluggesellschaft 21 Air für Amazon betrieben.
Die amerikanische Transportsicherheitsbehörde untersucht jetzt die Unfallursache.
Der Flughafen stellte den Betrieb zunächst ein, konnte am Sonntagabend aber zwei Start- und Landebahnen wieder öffnen.
Grönland wird zum geopolitischen Machtspiel
Auch in der Arktis gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist nach Grönland gereist und kündigte eine deutliche Ausweitung der europäischen Investitionen auf der Insel an.
Unter anderem soll Geld in kritische Rohstoffe, Satellitenkommunikation und erneuerbare Energien fließen.
Der Besuch ist hochpolitisch.
US-Präsident Donald Trump hält weiterhin an seiner Forderung fest, die Vereinigten Staaten sollten die Kontrolle über Grönland übernehmen.
Dänemark und die grönländische Regierung lehnen das entschieden ab.
Der Besuch von der Leyens ist deshalb auch als demonstratives Zeichen europäischer Unterstützung für Grönland und Dänemark zu verstehen.
Die Arktis wird durch schmelzendes Eis, neue Schifffahrtsrouten und große Rohstoffvorkommen strategisch immer wichtiger.
USA, Europa, Russland und China konkurrieren zunehmend um Einfluss.
China steckt 54 Milliarden Dollar in sein Finanzsystem
Auch aus China kommt eine wirtschaftlich bedeutende Nachricht.
Peking will umgerechnet rund 54 Milliarden US-Dollar in staatliche Banken und Versicherungen pumpen.
Das Geld soll die Kapitalbasis großer Institute stärken und ihnen ermöglichen, weiterhin Kredite zur Unterstützung der chinesischen Wirtschaft bereitzustellen.
Zu den Empfängern gehören unter anderem die Agricultural Bank of China und die Industrial and Commercial Bank of China.
Hintergrund sind unter anderem eine schwache Kreditnachfrage und sinkende Profitabilität im chinesischen Bank- und Versicherungssektor.
Die Maßnahme zeigt, dass Peking weiter versucht, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt durch staatliche Eingriffe zu stabilisieren.
Brasilien: Gericht stoppt riesiges Lithiumprojekt
In Brasilien hat ein Gericht die Umweltgenehmigungen für die große Grota-do-Cirilo-Lithiummine von Sigma Lithium vorläufig aufgehoben.
Grund ist ein Konflikt um eine nahe gelegene Quilombola-Gemeinschaft.
Quilombolas sind Nachfahren entkommener versklavter Menschen und besitzen in Brasilien besondere Schutzrechte.
Das Gericht sieht ausreichende Hinweise darauf, dass Sprengungen und Erdarbeiten der Mine Auswirkungen auf die Gemeinschaft haben könnten. Vor weiteren Genehmigungen müsse deshalb unter anderem eine entsprechende Konsultation stattfinden.
Der Fall ist international relevant, weil Lithium zu den wichtigsten Rohstoffen für Batterien und Elektromobilität gehört.
Die drei wichtigsten Entwicklungen der Nacht
Wenn man die zahlreichen Meldungen auf drei große Themen reduziert, stechen diese besonders hervor:
Erstens: Im Ukrainekrieg gibt es erstmals seit längerer Zeit wieder eine intensive amerikanische Vermittlung zwischen Moskau und Kiew. Ein Durchbruch fehlt allerdings weiterhin.
Zweitens: Die Auseinandersetzung zwischen den USA und Iran rund um die Straße von Hormus ist derzeit das größte unmittelbare geopolitische und wirtschaftliche Risiko. Weitere Angriffe auf Schiffe könnten die Ölpreise erheblich nach oben treiben.
Drittens: Mehrere große Katastrophen sorgen für internationale Auswirkungen – die verheerenden Überschwemmungen in Nepal und China, die Vulkanaktivität in Indonesien und der tödliche Flugzeugunfall in Miami.
Damit beginnt die neue Woche mit einer ungewöhnlich dichten Mischung aus Diplomatie, militärischer Eskalation und Naturkatastrophen.
Vor allem die nächsten Schritte zwischen USA und Iran sowie Russland und der Ukraine dürften entscheiden, ob aus diesem ohnehin bewegten Wochenende eine noch wesentlich unruhigere Woche wird.


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