US-Präsident Donald Trump hat eine Verfügung unterzeichnet, mit der der bundesweite Schutzstatus für den Grauwolf und den Mexikanischen Wolf überprüft und möglicherweise aufgehoben werden soll.
Die Entscheidung könnte langfristig dazu führen, dass Viehhalter Wölfe leichter töten dürfen, wenn sie ihre Nutztiere bedrohen. In der Anordnung heißt es, Rancher spielten eine „entscheidende Rolle“ für die Lebensmittelversorgung und seien zugleich Teil des kulturellen Erbes der Vereinigten Staaten.
Naturschutzorganisationen kritisieren den Schritt hingegen scharf. Sie warnen davor, dass jahrzehntelange Bemühungen zur Erholung der Wolfspopulationen dadurch gefährdet werden könnten.
Besonders sensibel ist die Situation beim Mexikanischen Wolf.
Nach Angaben des US Fish and Wildlife Service lebten 2025 insgesamt 319 Mexikanische Wölfe in freier Wildbahn in den Vereinigten Staaten. Als die Tiere 1998 wieder angesiedelt wurden, gab es lediglich vier Exemplare.
Die Population hat sich damit zwar deutlich erholt, gilt aber weiterhin als besonders schutzbedürftig.
Beim Grauwolf liegt die Zahl wesentlich höher.
Schätzungen zufolge leben inzwischen ungefähr 18.000 Grauwölfe in den USA. Trotzdem gelten sie in Teilen des Landes weiterhin als gefährdet, vor allem weil ein großer Teil ihres ursprünglichen Lebensraums durch menschliche Besiedlung, Landwirtschaft und Infrastruktur verloren gegangen ist.
Ein früherer Versuch, den bundesweiten Schutzstatus der Tiere aufzuheben, führte bereits zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen.
Auch diesmal haben einige Naturschutzgruppen angekündigt, rechtliche Schritte zu prüfen, sollte das US-Innenministerium Trumps Verfügung umsetzen.
Die neue Anordnung bedeutet allerdings nicht, dass Rancher ab sofort überall Wölfe erschießen dürfen.
Innenminister Doug Burgum erhält zunächst 90 Tage Zeit, um zu prüfen, ob sich die Bestände von Grauwolf und Mexikanischem Wolf ausreichend erholt haben, um sie von der Liste gefährdeter Arten zu streichen.
Erst danach könnten weitere rechtliche Schritte folgen.
Trump stellt sich auf die Seite der Rancher
In der Verfügung verweist die Regierung auf die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Viehhalter.
Die Zahl der Nutztiere in den Vereinigten Staaten liege inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit rund 75 Jahren.
Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Rindfleisch innerhalb des vergangenen Jahrzehnts um etwa zehn Prozent gestiegen.
Die Regierung argumentiert deshalb, dass mehr getan werden müsse, um die Viehwirtschaft zu unterstützen.
Viele Rancher beklagen seit Jahren Verluste durch Raubtiere und fordern mehr Möglichkeiten, ihre Herden vor Wölfen zu schützen.
Naturschutzorganisationen halten dagegen.
Sie verweisen auf Untersuchungen, wonach Wolfsangriffe auf Nutztiere vergleichsweise selten vorkommen und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Gesamteinnahmen von Ranchern begrenzt seien.
Greta Anderson vom Western Watersheds Project bezeichnete Trumps Initiative als Ablenkungsmanöver.
Aus ihrer Sicht werde einigen Ranchern suggeriert, Wölfe seien eine größere Bedrohung für ihre wirtschaftliche Existenz, als dies tatsächlich der Fall sei.
Entschädigung bei Wolfsrissen
Das Wolf Conservation Center weist zudem darauf hin, dass Viehhalter bereits heute Anspruch auf Entschädigungszahlungen haben können, wenn Nutztiere nachweislich von Wölfen getötet werden.
In manchen Programmen können bis zu 100 Prozent des entstandenen Schadens ersetzt werden.
Mehrere Bundesstaaten finanzieren darüber hinaus Maßnahmen, mit denen Wolfsangriffe verhindert werden sollen.
Dazu gehören beispielsweise spezielle Zäune, Herdenschutzhunde oder andere Abschreckungssysteme.
Naturschützer argumentieren deshalb, dass das Töten von Wölfen nicht zwangsläufig die einzige oder wirksamste Lösung für Konflikte zwischen Viehhaltern und Raubtieren sei.
Mexikanischer Wolf bleibt besonders gefährdet
Besonders große Sorgen bereitet Naturschützern die Zukunft des Mexikanischen Wolfs.
Claire Musser, Geschäftsführerin des Grand Canyon Wolf Recovery Project, warnt davor, den gestiegenen Bestand automatisch als vollständige Erholung der Art zu interpretieren.
Nur weil inzwischen mehr Tiere existierten, bedeute dies nicht, dass die Population dauerhaft gesichert sei.
Eine Lockerung des bundesweiten Schutzes könne deshalb jahrzehntelange Wiederansiedlungsprogramme gefährden.
Der Mexikanische Wolf gehört zu den seltensten Wolfspopulationen Nordamerikas.
Seine Rückkehr in die Wildnis gilt als eines der aufwendigsten Artenschutzprojekte der Vereinigten Staaten.
Rekordpreise für Rindfleisch erhöhen politischen Druck
Trumps Entscheidung steht auch im Zusammenhang mit der schwierigen Lage auf dem amerikanischen Rindfleischmarkt.
Die Verbraucherpreise für Rindfleisch befinden sich auf einem sehr hohen Niveau.
Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen.
Dürreperioden haben Viehbestände reduziert.
Hinzu kamen Probleme durch Parasiten und Tierkrankheiten.
Das Angebot an Rindfleisch ist dadurch knapper geworden.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch.
Die US-Regierung versucht deshalb, die Preise für Verbraucher zu senken.
Ein Teil der Strategie bestand darin, Beschränkungen für Rindfleischimporte zu lockern.
Genau das hat wiederum viele amerikanische Rancher verärgert.
Sie argumentieren, dass zusätzliche Importe ihre ohnehin geringen Gewinnmargen weiter unter Druck setzen könnten.
Damit befindet sich Trump in einem politischen Spannungsfeld.
Auf der einen Seite sollen Verbraucher niedrigere Fleischpreise bekommen.
Auf der anderen Seite sollen amerikanische Viehhalter wirtschaftlich geschützt werden.
Die Lockerung des Wolfsschutzes könnte deshalb auch als politisches Entgegenkommen gegenüber der Rancher-Lobby verstanden werden.
Wölfe wurden in den USA fast ausgerottet
Die Diskussion besitzt einen historischen Hintergrund.
Ende des 19. Jahrhunderts begann die US-Regierung mit einer systematischen Kampagne zur Ausrottung von Wölfen.
Die Tiere galten damals vor allem als Bedrohung für Viehherden.
Staatliche Programme, Fallensteller, Landbesitzer und Rancher töteten über Jahrzehnte große Mengen von Wölfen.
Die Tiere wurden erschossen, vergiftet oder gefangen.
Dadurch verschwanden sie aus weiten Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes.
In manchen Regionen standen sie schließlich kurz vor der vollständigen Ausrottung.
Erst später änderte sich die Haltung.
Mit dem Ausbau des Naturschutzes wurden Wolfspopulationen geschützt und teilweise wieder angesiedelt.
Diese Programme führten dazu, dass sich die Bestände in mehreren Bundesstaaten deutlich erholen konnten.
Doch genau dieser Erfolg ist nun Gegenstand der politischen Debatte.
Befürworter einer Lockerung des Schutzstatus argumentieren, dass sich die Populationen ausreichend erholt hätten und deshalb wieder stärker reguliert werden könnten.
Naturschützer warnen dagegen, dass die bisherigen Fortschritte keineswegs garantiert seien.
Entscheidung liegt nun beim Innenministerium
In den kommenden drei Monaten soll das US-Innenministerium deshalb prüfen, ob die Bestände tatsächlich stabil genug sind, um ihren besonderen Schutzstatus zu verlieren.
Sollte Minister Doug Burgum zu diesem Ergebnis kommen, könnte ein neues Verfahren zur Streichung der Tiere von der Liste gefährdeter Arten beginnen.
Das dürfte allerdings kaum ohne Widerstand bleiben.
Naturschutzverbände haben bereits signalisiert, dass sie mögliche Entscheidungen gerichtlich überprüfen lassen könnten.
Damit könnte sich ein Konflikt wiederholen, den die USA bereits mehrfach erlebt haben:
Rancher verlangen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Herden.
Naturschützer wollen verhindern, dass sich die Geschichte der nahezu vollständigen Ausrottung wiederholt.
Und die Regierung muss entscheiden, wie viel Schutz eine Tierart noch benötigt, deren Bestände sich teilweise deutlich erholt haben.
Im Mittelpunkt steht deshalb eine schwierige Frage:
Wann ist eine bedrohte Tierart tatsächlich so weit gerettet, dass ihr besonderer Schutz aufgehoben werden kann?
Für Donald Trump scheint die Antwort näher gerückt zu sein.
Für viele Naturschützer dagegen längst noch nicht.


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