Zukunftsdepot: Der Staat schenkt dem Baby 500 Euro – und hofft, dass bis 18 noch etwas davon übrig ist

Zukunftsdepot: Der Staat schenkt dem Baby 500 Euro – und hofft, dass bis 18 noch etwas davon übrig ist

Veröffentlicht

Freitag, 04.09.2026
von Red. TB

Österreich denkt über ein neues „Zukunftsdepot“ für Kinder nach. Eltern sollen steuerfrei Geld anlegen können, der Staat könnte zum Start bis zu 500 Euro dazulegen. Das Geld darf allerdings erst mit 18 Jahren angefasst werden. Bis dahin soll es wachsen. Oder zumindest nicht vollständig von Inflation, Gebühren und Finanzmärkten aufgefressen werden.

Die Bundesregierung hat eine neue Idee für Familien entdeckt:

Sparen.

Genauer gesagt sollen Eltern künftig direkt ab der Geburt ihres Kindes Geld in ein sogenanntes „Zukunftsdepot“ einzahlen können.

Und weil ein Baby naturgemäß noch keine besonders ausgeprägte Anlagestrategie besitzt, könnte der Staat zum Einstieg gleich ein Startguthaben von bis zu 500 Euro spendieren.

Familienministerin Claudia Bauer erklärte, über Details werde derzeit noch verhandelt.

Das bedeutet in Regierungssprache:

Die Idee ist da.

Das Geld vielleicht auch.

Und jetzt muss nur noch geklärt werden, wer es bezahlt.

500 Euro für den Start ins Leben

Das Prinzip klingt zunächst charmant.

Nach der Geburt eines Kindes wird ein Depot eröffnet.

Die Eltern zahlen ein.

Der Staat legt möglicherweise 500 Euro dazu.

Dann wartet man 18 Jahre.

Mit etwas Glück wird aus den 500 Euro irgendwann mehr.

Mit weniger Glück reicht es später immerhin für:

einen Führerschein-Theoriekurs,

zwei Monatskarten,

drei Lehrbücher

oder ein halbes WG-Zimmer in Wien.

Je nachdem, wie sich die Preise bis 2044 entwickeln.

Das Kind darf nicht dran

Besonders clever:

Das Geld soll erst ab dem 18. Geburtstag entnommen werden dürfen.

Damit verhindert der Staat zuverlässig, dass ein Siebenjähriger seine Altersvorsorge spontan in Pokémon-Karten investiert.

Auch Eltern sollen nicht einfach zwischendurch zugreifen können.

Das Geld bleibt also dort, wo es hingehört:

im Depot.

Unberührt.

Geduldig.

Und hoffentlich wachsend.

Im Grunde ist das die finanzpolitische Version von:

„Du bekommst das später.“

Steuerfrei bis zur Volljährigkeit

Bis zum 18. Geburtstag sollen weder Kapitalertragssteuer noch Kontoführungsgebühren anfallen.

Das klingt tatsächlich attraktiv.

Der Staat verzichtet also vorübergehend darauf, beim Sparen mitzuverdienen.

Ein bemerkenswert familienfreundlicher Schritt.

Fast könnte man meinen, Österreich habe entdeckt, dass Geld, das Kindern gehören soll, vielleicht nicht unbedingt zuerst besteuert werden muss.

Jährlich sollen bis zu 5.000 Euro eingezahlt werden können.

Damit können Eltern theoretisch über 18 Jahre bis zu 90.000 Euro einzahlen.

Praktisch dürfte sich allerdings bei vielen Familien schon vorher die Frage stellen:

„Wo genau sollen diese 5.000 Euro jährlich eigentlich herkommen?“

Für wohlhabende Familien eine schöne Sache

Genau hier beginnt die etwas weniger romantische Seite der Idee.

Wer jedes Jahr mehrere Tausend Euro für sein Kind zurücklegen kann, profitiert naturgemäß stärker als jemand, der am Monatsende bereits darüber nachdenkt, ob noch genügend Geld für Strom, Miete und Lebensmittel da ist.

Das Zukunftsdepot könnte daher für manche Familien heißen:

„Wir bauen unserem Kind langfristig Kapital auf.“

Für andere eher:

„500 Euro vom Staat? Nehmen wir.“

Und dann bleibt das Depot möglicherweise 18 Jahre lang sehr übersichtlich.

Die SPÖ fragt: Wer zahlt das eigentlich?

In der Koalition ist man sich grundsätzlich einig, dass das Zukunftsdepot kommen soll.

Bei den Details taucht allerdings eine klassische österreichische Regierungsfrage auf:

Wer bezahlt?

Die SPÖ sieht laut Finanzministerium noch einige offene Fragen.

Für das Startguthaben sollen in den kommenden beiden Jahren jeweils 40 Millionen Euro bereitstehen.

Das ist ordentlich Geld.

Und wie immer, wenn der Staat 40 Millionen Euro irgendwo ausgeben möchte, dauert es nicht lange, bis jemand fragt:

„Aus welchem Topf?“

Die Grünen finden den Topf nicht so toll

Finanziert werden soll das Startguthaben offenbar aus dem Familienlastenausgleichsfonds, kurz FLAF.

Die Grünen kritisieren das.

Der Fonds, der ohnehin familienpolitische Leistungen finanziert, soll also Familiengeld verwenden, um Familien Geld zum Sparen zu geben.

Das klingt zunächst logisch.

Politisch lässt sich darüber trotzdem hervorragend streiten.

Denn Österreich wäre nicht Österreich, wenn man sich bei einer Sparförderung nicht zunächst darüber einigen müsste, aus welchem Sparschwein sie finanziert wird.

Die FPÖ sagt: Wenn schon, dann bitte für alles

FPÖ-Budgetsprecher Arnold Schiefer bezeichnete die Idee grundsätzlich als sinnvoll.

Allerdings möchte er die steuerliche Entlastung nicht nur auf das Zukunftsdepot beschränken.

Auch Sparbücher, Bausparverträge und andere Vorsorgeformen sollten profitieren.

Das Prinzip lautet also:

Wenn der Staat schon Steuern erlässt, dann bitte nicht nur beim modernen Depot.

Auch das gute alte Sparbuch möchte schließlich weiterhin mitspielen.

Vielleicht gibt es demnächst also einen familienpolitischen Wettbewerb:

ETF gegen Bausparer.

Finale 2044.

Der Kanzler war schneller als die Details

Das Zukunftsdepot war bereits während der Budgetverhandlungen Thema.

Bundeskanzler Christian Stocker war mit der Idee öffentlich vorgeprescht, bevor sämtliche Einzelheiten geklärt waren.

Auch das hat in der Politik Tradition.

Zuerst wird das Produkt vorgestellt.

Dann wird gerechnet.

Und anschließend wird geprüft, ob das Produkt überhaupt finanziert werden kann.

In der Privatwirtschaft nennt man das möglicherweise riskantes Projektmanagement.

In der Politik nennt man es:

Ankündigung.

Was aus 500 Euro werden könnte

Rein theoretisch können 500 Euro über 18 Jahre durchaus wachsen.

Bei einer durchschnittlichen Rendite von beispielsweise fünf Prozent jährlich wären daraus nach 18 Jahren rund 1.200 Euro geworden.

Das klingt ordentlich.

Allerdings nur, wenn:

die Märkte mitspielen,

die Inflation nicht alles auffrisst,

das Geld tatsächlich investiert wird,

die Regeln gleich bleiben

und keine zukünftige Regierung irgendwann beschließt, dass das Zukunftsdepot nun „Generationenvorsorgekonto Plus“ heißt und völlig anders funktioniert.

18 Jahre sind schließlich eine lange Zeit.

In Österreich passen in diesen Zeitraum ungefähr neun Steuerreformen, zwölf Fördermodelle und mindestens drei komplette Neubenennungen desselben Programms.

Das Kind wird mit 18 überrascht

Besonders schön dürfte der Moment am 18. Geburtstag werden.

Andere Eltern überreichen einen Autoschlüssel.

Andere finanzieren eine Reise.

Die österreichische Familie der Zukunft sagt:

„Alles Gute zum Geburtstag. Hier ist dein Depot.“

Das Kind fragt:

„Wie viel ist drin?“

Die Eltern antworten:

„Das hängt von der Marktlage ab.“

Damit lernt der junge Erwachsene gleich am ersten Tag seiner finanziellen Selbstständigkeit eine wichtige Lektion:

Nichts im Leben ist sicher. Nicht einmal das Geburtstagsgeschenk.

Fazit: Gute Idee – wenn man Geld zum Sparen hat

Grundsätzlich ist das Zukunftsdepot keine schlechte Idee.

Steuerfreies langfristiges Sparen für Kinder kann sinnvoll sein.

Ein staatliches Startkapital kann Familien motivieren, früh mit Vermögensaufbau zu beginnen.

Und 18 Jahre Zeit sind an den Kapitalmärkten durchaus ein interessanter Anlagehorizont.

Die entscheidende Frage ist allerdings, wer tatsächlich davon profitiert.

Denn Familien, die jährlich 5.000 Euro einzahlen können, brauchen möglicherweise weniger staatliche Motivation zum Sparen als jene, bei denen am Monatsende keine 50 Euro übrig bleiben.

Vielleicht sollte die politische Debatte deshalb nicht nur lauten:

„Wie bringen wir Eltern dazu, Geld für ihre Kinder anzulegen?“

Sondern manchmal auch:

„Wie sorgen wir dafür, dass Familien überhaupt Geld übrig haben, das sie anlegen können?“

Bis diese Frage beantwortet ist, bekommen österreichische Babys möglicherweise schon bald ihre erste staatliche Finanzanlage.

500 Euro Startkapital.

18 Jahre Sperrfrist.

Und die stille Hoffnung, dass daraus irgendwann genug wird für den Start ins Erwachsenenleben.

Oder wenigstens für die Kaution.

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ddimitrova (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 04.09.2026

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