Die US-Streitkräfte untersuchen iranische Angaben, wonach bei einem amerikanischen Raketenangriff auf eine Hochzeitsfeier im Süden des Iran mehrere Menschen getötet worden sein sollen. US-Vizepräsident JD Vance bestätigte die Untersuchung, äußerte zugleich aber erhebliche Zweifel an der Darstellung Teherans.
Nach Angaben des Iranischen Roten Halbmonds sollen am Dienstag Splitter einer Rakete ein Wohnhaus in Sirik getroffen haben, in dem eine Hochzeitsfeier stattfand. Dabei seien mindestens vier Menschen getötet und 67 weitere verletzt worden.
Unter den Toten sollen sich zwei Kinder befinden.
Iranische Staatsmedien berichteten später, dass eine 22 Jahre alte Frau ihren Verletzungen im Krankenhaus erlegen sei. Damit würde die Zahl der Todesopfer auf fünf steigen.
Das iranische Außenministerium bezeichnete den Vorfall als „Kriegsverbrechen“.
Die USA weisen den Vorwurf zurück, gezielt Zivilisten angegriffen zu haben.
Ein Sprecher des US-Zentralkommandos erklärte, amerikanische Streitkräfte würden keine Zivilisten ins Visier nehmen.
Am selben Tag hatten die USA Raketenangriffe auf iranische Ziele geflogen. Washington begründete die Angriffe mit zuvor versuchten Attacken Irans auf amerikanische Streitkräfte.
Vance äußert Zweifel an iranischer Darstellung
US-Vizepräsident JD Vance erklärte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, er sei „äußerst skeptisch“ gegenüber den Berichten über den angeblichen Treffer auf die Hochzeitsgesellschaft.
Gleichzeitig bestätigte er, dass die US-Regierung den Vorfall untersuchen lasse.
Vance verwies darauf, dass iranische Staatsmedien aus Sicht Washingtons den bisherigen Verlauf des Konflikts wiederholt nicht zuverlässig dargestellt hätten.
Eine abschließende Bewertung des Vorfalls liegt bislang nicht vor.
Iran meldet zahlreiche Verletzte
Der Iranische Rote Halbmond erklärte, dass insgesamt 67 Menschen verletzt worden seien, als Raketensplitter das Gebäude trafen.
Als Todesopfer wurden örtlichen Angaben zufolge eine 50-jährige Frau, eine 43-jährige Frau, ein 16 Jahre alter Jugendlicher und ein vier Jahre alter Junge genannt.
Später meldeten iranische Staatsmedien den Tod einer weiteren 22 Jahre alten Frau im Krankenhaus.
Der Iranische Rote Halbmond veröffentlichte Bilder eines stark beschädigten Gebäudes, bei dem es sich nach Angaben der Organisation um den Ort der Hochzeitsfeier handeln soll.
Videos zeigen zerstörten Telekommunikationsturm
Unabhängige Bildanalysen liefern zumindest Hinweise auf militärische beziehungsweise infrastrukturelle Ziele in unmittelbarer Nähe.
BBC Verify bestätigte nach eigenen Angaben ein Video und zwei Bilder vom Dienstag aus der Umgebung der Küste von Kuhestak. Darauf ist die Zerstörung eines Telekommunikationsturms zu sehen.
Weitere Videos vom Dienstag und Mittwoch zeigen stark beschädigte Wohnhäuser rund 130 Meter nördlich des Turms.
Eine forensische Analyse von BBC Persian kam demnach zu dem Ergebnis, dass der Telekommunikationsturm ungefähr 112 Meter von dem Haus entfernt stand, in dem die Hochzeitsfeier stattgefunden haben soll.
Ob die Wohnhäuser direkt getroffen wurden oder durch Splitter beziehungsweise die Druckwelle eines Angriffs auf den Turm beschädigt wurden, ist damit noch nicht abschließend geklärt.
Iran reagiert mit neuen Angriffen
Nach dem mutmaßlichen Angriff auf die Hochzeitsfeier hat Iran erneut amerikanische Militärstützpunkte in der Region angegriffen.
Ziele waren nach den vorliegenden Angaben US-Stützpunkte in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Teheran bezeichnet die Angriffe als Reaktion auf den Vorfall im Süden des Landes.
Damit droht der Fall die militärische Eskalation zwischen Iran und den Vereinigten Staaten weiter zu verschärfen.
Krieg dauert bereits mehr als ein halbes Jahr
Die Kämpfe zwischen den USA, Israel und Iran dauern inzwischen seit mehr als sechs Monaten an.
Ausgangspunkt war ein gemeinsamer Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran am 28. Februar.
Seitdem kommt es regelmäßig zu gegenseitigen Raketen- und Luftangriffen.
Der mögliche Tod von Zivilisten bei der Hochzeitsfeier könnte nun erneut die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Angriffe und dem Schutz der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt rücken.
Dabei bleibt bislang entscheidend, dass die genauen Umstände des Vorfalls noch untersucht werden.
Die iranische Seite spricht von einem amerikanischen Angriff auf eine Hochzeitsgesellschaft und von einem Kriegsverbrechen.
Die US-Regierung weist eine gezielte Attacke auf Zivilisten zurück und erklärt, den Fall zu prüfen.
Viele Fragen noch offen
Der Vorfall zeigt zugleich, wie schwierig die unabhängige Überprüfung von Angaben in dem laufenden Krieg ist.
Gesichert ist nach den vorliegenden Bildanalysen, dass in unmittelbarer Nähe des betroffenen Wohngebiets ein Telekommunikationsturm zerstört wurde und umliegende Häuser schwere Schäden aufweisen.
Noch nicht abschließend geklärt ist dagegen, welche Rakete die Schäden verursacht hat, welches konkrete Ziel angegriffen werden sollte und ob die Opfer durch einen direkten Treffer oder durch herumfliegende Trümmer und Splitter ums Leben kamen.
Sollte sich bestätigen, dass eine amerikanische Rakete für den Tod der Hochzeitsgäste verantwortlich war, dürfte der Vorfall sowohl politisch als auch völkerrechtlich erhebliche Folgen haben.
Bis zum Abschluss der laufenden Untersuchung bleiben die iranischen Vorwürfe und die amerikanische Darstellung jedoch in zentralen Punkten widersprüchlich.


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