Das Transferfenster ist geschlossen, die Nachtragsspiele sind absolviert und vor der Cup-Runde zeigt sich die österreichische Bundesliga so deutlich sortiert wie noch selten in dieser jungen Saison
In Österreich ist der Transfersommer vorbei. Seit Donnerstag, 3. September, 17 Uhr können die Bundesligisten keine neuen Spieler mehr aus anderen Vereinen verpflichten. Und unmittelbar nach dem Ende der Wechselperiode lässt sich erstmals einigermaßen erkennen, wohin die Reise in der Saison 2026/27 gehen könnte.
Ganz oben steht weiterhin der LASK. Salzburg wirkt plötzlich wieder wie das Salzburg früherer Jahre. Rapid bekam beim 1:5 in Wals-Siezenheim erstmals einen heftigen Dämpfer. Sturm Graz sucht noch nach der absoluten Konstanz.
Und bei Austria Wien?
Dort genügt inzwischen ein Blick auf die Tabelle.
Letzter.
Drei Punkte aus fünf Spielen.
Vier Niederlagen.
Schlechter war die Austria nach fünf Bundesliga-Runden in dieser Form noch nie gestartet.
LASK: Der Meister kennt derzeit nur eine Richtung
Fünf Spiele, fünf Siege, 15 Punkte und 15:2 Tore: Der amtierende Meister LASK hat seine Meisterform einfach in die neue Saison mitgenommen.
Auch beim WAC gewannen die Linzer 3:1, obwohl sie sich gegen einen Gegner, der bereits nach knapp zwei Minuten einen Mann verlor, überraschend lange schwertaten. Erst nach der Pause drehten Xavier Mbuyamba, Melayro Bogarde und Alessandro Schöpf die Wolfsberger Führung.
Saisonübergreifend steht der LASK inzwischen bei neun Bundesliga-Siegen hintereinander. Dazu kommt die erstmalige Qualifikation für die Champions-League-Ligaphase.
Und dann haben sich die Linzer auch noch Sasa Kalajdzic dauerhaft zurückgeholt.
Der österreichische Teamstürmer kam ablösefrei von Wolverhampton und unterschrieb bis 2029. Nach Angaben des Vereins schlug er finanziell lukrativere Möglichkeiten in Deutschland und Italien aus.
Trainer Dietmar Kühbauer will Kalajdzic allerdings behutsam aufbauen. Ein sofortiger 90-Minuten-Einsatz kommt nicht infrage.
Kurz gesagt: Der Meister ist Tabellenführer, spielt Champions League und bekommt zusätzlich einen österreichischen Topstürmer zurück.
Es gab schon schlechtere Wochen in Linz.
Salzburg: Das 5:1 gegen Rapid verändert die Wahrnehmung
Wenn jemand noch Zweifel hatte, ob Red Bull Salzburg unter Danny Röhl wieder ernsthaft um die Meisterschaft spielen kann, dürfte das 5:1 gegen Rapid einige davon beseitigt haben.
Haris Tabakovic traf zweimal, Nikolas Veratschnig, Edmund Baidoo und Karim Konaté ebenfalls. Rapid war praktisch schon nach 21 Minuten erledigt.
Salzburg ist unter Röhl nach zehn Pflichtspielen weiterhin ungeschlagen. Zuletzt gelangen fünf Siege in Serie. Innerhalb weniger Tage schlugen die Salzburger Mjällby 3:0, Austria Wien 4:1 und Rapid 5:1.
Nach fünf Runden steht Salzburg mit 13 Punkten hinter dem LASK auf Rang zwei. Rapid folgt mit zwölf Punkten.
Auch auf dem Transfermarkt legten die Salzburger noch einmal bemerkenswert nach.
Der 18-fache dänische Nationalspieler Jesper Lindström kommt auf Leihbasis von der SSC Neapel. Salzburg besitzt eine Kaufoption. Der 26-Jährige bringt Erfahrung aus der Bundesliga, Serie A und Premier League mit und gewann mit Eintracht Frankfurt bereits die Europa League.
Berichten zufolge liegt die Kaufoption sogar nur bei ungefähr drei Millionen Euro. Napoli hatte einst rund 30 Millionen für Lindström bezahlt.
Salzburg scheint damit zurück in einer Rolle zu sein, die der Klub lange kannte:
Man muss wieder ernsthaft mit ihm rechnen.
Rapid: Erst die Klatsche, dann kein neuer Sechser
Vier Liga-Spiele lang sah bei Rapid fast alles wunderbar aus.
Vier Siege.
Darunter ein 8:0 gegen den GAK und ein 3:1 gegen Sturm Graz.
Dann kam Salzburg.
Das 1:5 war nicht einfach die erste Niederlage der Saison, sondern ein ziemlich deutlicher Realitätstest. Salzburg führte bereits nach 21 Minuten mit 3:0.
Auch auf dem Transfermarkt endete der Sommer für Rapid nicht ganz so, wie manche Fans gehofft hatten.
Nach dem Abgang von Romeo Amane verpflichtete Sportchef Markus Katzer keinen direkten Ersatz für das zentrale Mittelfeld. Katzer begründet das unter anderem mit dem Ausscheiden aus der Conference-League-Qualifikation: Rapid hat im Herbst weniger Spiele und vertraut deshalb dem vorhandenen Kader.
Andrija Radulovic wurde am letzten Transfertag für eine Saison nach Hartberg verliehen. Der Flügelspieler war in dieser Saison bei Rapid noch überhaupt nicht zum Einsatz gekommen.
Nikolaus Wurmbrand dagegen blieb. Nach Medienberichten hatten sich unter anderem Schalke und Borussia Mönchengladbach für den 20-Jährigen interessiert, Rapid soll entsprechende Angebote aber abgelehnt haben.
Rapid bleibt damit sportlich hervorragend im Rennen.
Das 1:5 hat allerdings gezeigt, dass zwischen einem starken Saisonstart und einem echten Meisterschaftsfavoriten noch ein Unterschied bestehen kann.
Austria Wien: Jetzt wird es für Stephan Helm ungemütlich
Ganz anders sieht die Situation beim Stadtrivalen aus.
Austria Wien verlor auch das Nachtragsspiel gegen die WSG Tirol mit 0:1. Drew Murray erzielte in der 66. Minute den entscheidenden Treffer. Nach Schlusspfiff reagierten die Fans mit Pfiffen.
Die nackten Zahlen sind brutal:
Fünf Spiele, ein Sieg, vier Niederlagen, 3:10 Tore und Tabellenplatz zwölf.
Trainer Stephan Helm bemüht sich öffentlich um Ruhe und Zusammenhalt. Doch der Druck wächst.
Besonders wichtig wird deshalb bereits das ÖFB-Cup-Spiel am Samstag beim Regionalligisten Traiskirchen. Ein Ausscheiden könnte die Diskussion um den Trainer massiv verschärfen.
Auch personell gab es noch Bewegung.
Moritz Wels verlässt die Austria endgültig und wechselt zur WSG Tirol. Der 21-Jährige hatte bereits in der vergangenen Saison leihweise für die Tiroler gespielt und dabei in 30 Partien fünf Tore erzielt und drei weitere vorbereitet.
Für die Austria ist die Situation damit ziemlich eindeutig:
Über Schönspielen und Entwicklung kann man irgendwann wieder diskutieren.
Jetzt werden Ergebnisse benötigt.
WSG Tirol: Erst Austria geschlagen, dann Wels gleich mitgenommen
Zu den positiven Überraschungen der vergangenen Tage gehört die WSG Tirol.
Nach dem 1:0 bei Austria Wien stehen die Tiroler nach fünf Spielen bei sieben Punkten und auf Rang fünf. Es war bereits der zweite Sieg hintereinander.
Und gewissermaßen nahm die WSG nach dem Sieg in Favoriten gleich noch einen Austrianer mit nach Tirol.
Moritz Wels kehrt nun dauerhaft nach Wattens zurück.
Gleichzeitig verließ Ademola Ola-Adebomi die WSG. Der Mittelstürmer wechselt zum belgischen Zweitligisten Sporting Lokeren. In der vergangenen Saison hatte er für die Tiroler in 26 Pflichtspielen viermal getroffen und drei Tore vorbereitet.
Die WSG wirkt damit momentan wesentlich stabiler, als man es nach dem Saisonstart erwarten durfte.
Sturm Graz: Ordentlich, aber noch nicht überzeugend
Sturm Graz steht nach fünf Spielen mit acht Punkten auf Rang vier.
Das ist keine Katastrophe.
Für einen Klub mit den Ansprüchen der Grazer ist es aber auch noch keine Bilanz, die große Begeisterung auslöst.
Beim 1:3 gegen Rapid kassierte Sturm die erste Liga-Niederlage der Saison. Zuvor hatte es unter anderem ein 1:1 gegen Aufsteiger Austria Lustenau gegeben.
Interessant wird nun auch die weitere Kaderentwicklung.
Für die Europa League verzichtete Trainer Fabio Ingolitsch auf Szymon Wlodarczyk, Niklas Geyrhofer und etwas überraschender auch Axel Kayombo. Gerade Kayombo hat durch die zusätzliche Konkurrenz im Angriff an Boden verloren.
Weil die Transferfenster in einigen anderen Ländern noch geöffnet sind, sind Abgänge aus Österreich weiterhin möglich. Neue Spieler können die österreichischen Bundesligisten dagegen nicht mehr verpflichten.
WAC: Fitz ist zurück – Behounek muss nach Blitz-Rot zuschauen
Beim Wolfsberger AC sorgte das 1:3 gegen den LASK für eine kuriose Geschichte.
Raffael Behounek sah bereits nach knapp zwei Minuten Rot. Es war der früheste Bundesliga-Platzverweis seit 2020.
Der Senat 1 sperrte den Verteidiger für ein Spiel. Die Sperre wird bereits beim Cup-Spiel gegen Parndorf abgesessen.
Die wesentlich erfreulichere Nachricht für den WAC ist Dominik Fitz.
Der frühere Austria-Spielmacher ist nach seinem wenig erfolgreichen MLS-Abenteuer zurück in Österreich. Wolfsberg leiht den 27-Jährigen für eine Saison von Minnesota United aus und besitzt zusätzlich eine Kaufoption.
Für den WAC könnte Fitz genau der kreative Spieler sein, der nach dem bisherigen wechselhaften Saisonstart gefehlt hat.
Hartberg profitiert von Rapids Überangebot
Der TSV Hartberg nutzte den letzten Transfertag und holte Andrija Radulovic auf Leihbasis von Rapid.
Der 24-jährige montenegrinische Teamspieler besitzt in Wien noch einen Vertrag bis 2029, hatte unter Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup zuletzt aber keine Perspektive auf ausreichend Einsatzzeit.
Hartberg liegt nach fünf Spielen mit sechs Punkten auf Rang sechs.
Für einen Klub, der nach einem schwierigen Start bereits früh unter Druck geraten war, ist das zumindest eine ordentliche Stabilisierung.
Austria Lustenau verstärkt noch einmal den Angriff
Auch Aufsteiger Austria Lustenau wurde unmittelbar vor Transferschluss noch aktiv.
Alieu Conateh kommt für eine Saison auf Leihbasis von Grasshopper Zürich.
Der erst 19-jährige gambische Angreifer kennt Österreich bereits: In der vergangenen Saison war er an Amstetten ausgeliehen.
Für Lustenau ist zusätzliche Offensivqualität wichtig. Der Aufsteiger verlor im Sommer mehrere der besten Torschützen seiner Aufstiegsmannschaft.
Mit fünf Punkten aus den ersten fünf Spielen kann Lustenau bislang trotzdem durchaus leben.
GAK holt Erfahrung – Ried verliert Sollbauer
Einen direkten Wechsel zwischen zwei Bundesligisten gab es kurz vor Transferschluss auch zwischen Ried und dem GAK.
Der 36-jährige Innenverteidiger Michael Sollbauer verlässt die SV Ried und schließt sich dem Grazer AK an. Er unterschrieb zunächst bis Sommer 2027, zusätzlich besteht eine Option auf ein weiteres Jahr.
GAK-Trainer Gerald Scheiblehner sieht in dem erfahrenen Verteidiger vor allem einen Führungsspieler.
Das ist nachvollziehbar.
Der GAK hat nach fünf Spielen bereits 13 Gegentore kassiert und steht mit vier Punkten auf Rang zehn. Ried hat ebenfalls vier Punkte.
Sollbauer soll beim GAK damit vor allem eines bringen:
Ordnung.
Altach: Die Massombo-Geschichte endet vorerst ohne Transfer
Beim SCR Altach war eines der größten Transferthemen bereits kurz vor dem Deadline Day entschieden.
Yann Massombo bleibt in Vorarlberg.
Der Offensivspieler hatte Mitte August für erheblichen Wirbel gesorgt, als er wegen seines Wechselwunsches nicht mit der Mannschaft zum Spiel bei Sturm Graz fahren wollte. Sturm hatte Interesse an einer Verpflichtung.
Massombo entschuldigte sich später und wurde wieder ins Mannschaftstraining aufgenommen. Ein Sommerwechsel ist damit vom Tisch. Altach prüfte allerdings weiterhin mögliche rechtliche Schritte wegen der Vorgänge rund um die Kontaktaufnahme.
Sportlich läuft es bei Altach bislang schlecht.
Nach fünf Runden stehen lediglich drei Punkte und Rang elf zu Buche.
So sieht die Liga jetzt aus
Nach fünf Spielen hat sich an der Spitze bereits eine interessante Dreiergruppe gebildet.
Der LASK führt mit der maximalen Ausbeute von 15 Punkten vor Salzburg mit 13 und Rapid mit 12.
Dahinter folgt bereits mit Abstand Sturm Graz mit acht Punkten. WSG Tirol hat sieben, Hartberg sechs. Austria Lustenau und WAC kommen auf fünf, Ried und GAK auf vier. Altach hält bei drei Punkten.
Austria Wien ist aufgrund der schlechteren Tordifferenz mit ebenfalls drei Punkten Letzter.
Besonders auffällig ist die Torbilanz der Spitzenteams:
Der LASK steht bei 15:2, Salzburg bei 14:3 und Rapid trotz der fünf Gegentore in Salzburg noch bei 15:7.
Die drei Vereine haben sich damit schon früh etwas vom Rest des Feldes abgesetzt.
Jetzt übernimmt zunächst der ÖFB-Cup
Am kommenden Wochenende ruht die Bundesliga. Stattdessen steht vom 4. bis 6. September die zweite Runde des ÖFB-Cups auf dem Programm.
Für einige Bundesligisten werden diese Spiele alles andere als lästige Pflichttermine.
Austria Wien muss nach Traiskirchen und steht nach dem katastrophalen Ligastart bereits unter erheblichem Druck. Rapid gastiert bei Austria Klagenfurt, Salzburg beim SKN St. Pölten, Sturm Graz in Voitsberg und Titelverteidiger LASK in Deutschlandsberg.
Danach geht die Bundesliga vom 11. bis 13. September weiter.
Und der sechste Spieltag hat gleich einen echten Gradmesser zu bieten:
Sturm Graz empfängt den LASK.
Salzburg gastiert in Ried, Rapid muss zum WAC und Austria Wien empfängt Aufsteiger Austria Lustenau.
Damit könnte sich schon Mitte September zeigen, ob der LASK tatsächlich einfach dort weitermacht, wo er in der vergangenen Meistersaison aufgehört hat – oder ob Salzburgs plötzlich wiederentdeckte Dominanz den Titelkampf doch schneller neu eröffnet, als es vor wenigen Wochen zu erwarten war.
Die vielleicht spannendste Entwicklung der ersten Wochen lautet deshalb:
Der LASK ist weiterhin die Nummer eins. Aber Salzburg sieht erstmals seit langer Zeit wieder aus wie eine Mannschaft, die ihm diesen Platz wirklich streitig machen kann.


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