Der Sommer 2026 ist vorbei. Zumindest meteorologisch.
Gefühlt dürfte er sich aber noch ein paar Wochen im Land herumdrücken, vermutlich mit Sonnenbrille, 40 Grad im Schatten und der freundlichen Frage: „Na, geht noch was?“
Nun ist es jedenfalls offiziell: Der Sommer 2026 war der heißeste seit Beginn der Messungen vor rund 260 Jahren.
2,6 Grad über dem Klimamittel von 1991 bis 2020.
Man könnte also sagen: Österreich hat in diesem Jahr erfolgreich getestet, wie sich Mitteleuropa als Umluftofen macht.
Das Ergebnis: erstaunlich überzeugend.
41,2 Grad – weil 40 offenbar zu langweilig geworden sind
Am 5. August wurden in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad gemessen.
Neuer österreichischer Temperaturrekord.
An mehr als 100 Wetterstationen wurden im Laufe des Sommers neue absolute Höchstwerte registriert.
Früher sagte man bei 30 Grad:
„Heute ist es aber heiß.“
Heute sagt man bei 30 Grad:
„Ach, angenehm frisch.“
Besonders bemerkenswert: An sechs Tagen wurde die 40-Grad-Marke überschritten.
Vor diesem Sommer war das in Österreich überhaupt erst ein einziges Mal gelungen.
Damals war das noch ein Ausnahmeereignis.
2026 offenbar eher Teil des Wochenprogramms.
Bregenz entdeckt mediterranes Flair
Auch der Westen Österreichs bekam reichlich Sommer geliefert.
In Bregenz wurden 47 Tage mit mindestens 30 Grad gezählt.
Der bisherige Rekord lag bei 29 Tagen.
Das entspricht einer Steigerung von mehr als 60 Prozent.
Andere Branchen würden bei solchen Wachstumsraten vermutlich sofort Investorenpräsentationen vorbereiten.
„Hitze AG steigert Performance um 62 Prozent.“
Leider ist das Produkt eher mäßig attraktiv.
In Innsbruck, Salzburg, Linz, St. Pölten, Wien, Graz und Klagenfurt wurden ebenfalls so viele Hitzetage gemessen wie noch nie.
Und wer glaubt, mit dem August sei Schluss, dem sei gesagt:
Auch der September verfügt inzwischen über eine hervorragend ausgestattete Sommerabteilung.
Nachts lüften? Netter Versuch
Früher gab es bei großer Hitze einen bewährten Plan:
Tagsüber Fenster zu.
Abends Fenster auf.
Wohnung kühlt ab.
2026 funktionierte dieses Konzept ungefähr so gut wie ein Regenschirm in der Sauna.
Auch nachts blieben die Temperaturen vielerorts ungewöhnlich hoch.
Die Wohnung wurde also nicht mehr gekühlt, sondern lediglich von „Backofen Oberhitze“ auf „Backofen Umluft“ umgestellt.
Besonders in Städten wurde das nächtliche Lüften zunehmend zu einer philosophischen Übung.
Fenster auf.
Warme Luft rein.
Fenster wieder zu.
Erkenntnisgewinn: null.
Der Regen hatte offenbar andere Termine
Zum außergewöhnlich heißen Sommer kam eine extreme Trockenheit.
Der Sommer 2026 gehört zu den fünf trockensten seit Messbeginn.
Das Niederschlagsdefizit lag bei mehr als 30 Prozent.
Nun könnte man sagen: Immerhin gab es vier Sommer, die noch trockener waren.
Das klingt zunächst beruhigend.
Ungefähr so, als würde ein Arzt sagen:
„Ihre Werte sind katastrophal, aber wir hatten schon vier Patienten mit schlechteren.“
Das Problem: Die vergangenen zwölf Monate waren insgesamt die trockensten seit Beginn der Niederschlagsmessungen im Jahr 1858.
Dazu kam die enorme Verdunstung durch die wochenlange Hitze.
Das bisschen Wasser, das noch vorhanden war, verabschiedete sich also ebenfalls.
Flüsse schrumpfen, Böden reißen, Pflanzen geben auf
Die Folgen der Dürre waren überall sichtbar.
Flüsse führten extrem wenig Wasser.
Grundwasserstände sanken.
Der Bodensee erreichte historische Tiefstände.
Böden rissen auf.
Bäume und Sträucher begannen teilweise deutlich früher, ihre Blätter abzuwerfen.
Vermutlich aus Protest.
Auch die Landwirtschaft bekam die Hitze mit voller Wucht zu spüren.
Mais, Erdäpfel und Äpfel litten unter erheblichen Ernteausfällen.
In ausgetrockneten Flussbetten tauchten sogar alte Kriegsrelikte wieder auf.
Wenn also inzwischen nicht nur Pflanzen, sondern auch Gegenstände aus vergangenen Kriegen wegen der Trockenheit wieder sichtbar werden, darf man wohl vorsichtig feststellen:
Es war wirklich ziemlich trocken.
Selbst Atomkraftwerke hatten irgendwann genug
In Ungarn mussten aufgrund niedriger Wasserstände zeitweise sogar Atomkraftwerke abgeschaltet werden.
Das ist durchaus bemerkenswert.
Man stelle sich das vor:
Eine Technologie, die Kernspaltung beherrscht, kapituliert vor der Frage:
„Ist noch genug Wasser im Fluss?“
Weniger Gewitter – aber wenn, dann richtig
Immerhin gab es wegen des stabilen Hochdruckwetters weniger Gewitter.
Rund 55.000 Blitze wurden bislang registriert.
Normal wären etwa 92.000.
Endlich eine positive Nachricht!
Fast.
Denn wenn es dann einmal krachte, dann offenbar mit dem Motto:
Wenn schon, denn schon.
Schwere Sturmböen deckten Dächer ab, rissen Bäume um und warfen sogar Grabsteine um.
Auch Veranstaltungen mussten wegen Sturmgefahr teilweise abgesagt werden.
Der Wettergott hatte also offenbar beschlossen, Quantität durch Qualität zu ersetzen.
Leider ist das alles nicht wirklich lustig
Bei aller Ironie bleibt eine Zahl, über die man nicht lachen kann.
Allein im Juni und Juli wurden in Österreich 646 hitzebedingte Todesfälle registriert.
Die Zahlen für August standen zunächst noch aus.
Spätestens an diesem Punkt endet jeder Spaß.
Denn Rekordtemperaturen sind keine lustige statistische Randnotiz.
Sie bedeuten Belastungen für ältere Menschen, Kranke, Kinder, Beschäftigte im Freien und alle, die in Wohnungen leben, die sich tagelang nicht mehr abkühlen.
„So heiß war es früher auch“
Natürlich wird trotzdem wieder jemand sagen:
„Also ich kann mich erinnern, 1978 war es auch einmal sehr warm.“
Bestimmt.
Vielleicht gab es damals sogar zwei Wochen Sonne am Stück.
Nur reden wir inzwischen nicht mehr über einen heißen Nachmittag am Badesee.
Wir reden über neue Temperaturrekorde an mehr als 100 Stationen, sechs Tage über 40 Grad, historische Trockenheit, Rekordwerte bei Hitzetagen, extreme Niedrigwasserstände und hunderte Hitzetote.
Aber selbstverständlich:
Früher war Sommer auch warm.
Und früher gab es auch Telefonzellen.
Trotzdem benutzt heute kaum noch jemand eine.
Willkommen in der neuen Normalität?
Die GeoSphere Austria warnt davor, dass Hitzewellen künftig häufiger auftreten, länger dauern und noch heißer werden könnten.
Das ist vermutlich der unangenehmste Satz der gesamten Sommerbilanz.
Denn der Sommer 2026 könnte damit nicht nur ein historischer Ausnahmefall gewesen sein.
Er könnte ein Vorgeschmack gewesen sein.
Vielleicht werden wir irgendwann auf 41,2 Grad zurückblicken und sagen:
„Ach ja, damals, als 41 Grad noch einen Wetterrekord wert waren.“
Bis dahin bleibt zumindest eine Erkenntnis:
Österreich hatte 2026 einen Sommer für die Geschichtsbücher.
Leider eines jener Bücher, bei denen man nach den ersten Seiten bereits ahnt, dass die Fortsetzung nicht unbedingt besser wird.


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