Deal or no Deal

Deal or no Deal

Veröffentlicht

Samstag, 22.08.2026
von Red. TB

Im Handelsstreit zwischen Kanada und den USA läuft die Zeit ab. Wenige Stunden vor Ablauf einer von Washington gesetzten Frist ist weiterhin offen, ob beide Seiten einen endgültigen Kompromiss finden. Kanadas Handelsminister Dominic LeBlanc machte nach stundenlangen Gesprächen deutlich: „Wir haben noch Arbeit vor uns.“

LeBlanc verhandelt seit rund zwei Wochen in Washington und saß am Freitag etwa acht Stunden mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer und weiteren Vertretern zusammen. Es war eine der längsten Gesprächsrunden seit Beginn der Verhandlungen. Bis Mitternacht müssen beide Seiten die offenen Punkte klären, andernfalls drohen zusätzliche US-Zölle auf zahlreiche kanadische Waren.

US-Präsident Donald Trump äußerte sich kurz vor Ablauf der Frist vorsichtig optimistisch. Die Gespräche kämen voran, sagte er. Ein Abkommen mit Kanada sei aus seiner Sicht möglich. Details wurden bislang jedoch nicht offiziell veröffentlicht.

Nach übereinstimmenden Medienberichten zeichnet sich ein möglicher Kompromiss ab: Die USA könnten ihre Zölle auf kanadischen Stahl und Aluminium von derzeit 50 auf 25 Prozent reduzieren. Bei kanadischen Autos könnte der Zollsatz von 25 auf 15 Prozent sinken. Im Gegenzug soll Kanada unter anderem erwägen, amerikanischen Milchproduzenten einen größeren Zugang zum eigenen Markt zu ermöglichen, Gegenzölle abzubauen und den Verkauf von US-Alkohol wieder zuzulassen.

Genau an diesen Zugeständnissen entzündet sich allerdings Widerstand innerhalb Kanadas. Oppositionsführer Pierre Poilievre warnte vor einem Abkommen, bei dem kanadische Industrien weiterhin einseitig mit Zöllen belastet würden. Dies könne die Deindustrialisierung des Landes beschleunigen. Auch mehrere Provinzregierungen reagieren zurückhaltend.

Besonders deutlich äußerte sich Manitobas Premierminister Wab Kinew. Kanada solle weiterkämpfen und sich nicht unter Zeitdruck zu weitreichenden Zugeständnissen drängen lassen. Auch in Quebec wird der mögliche Deal kritisch geprüft, insbesondere wegen der Bedeutung der Milchwirtschaft für die Provinz. Andere Provinzen wie Nova Scotia und das Yukon-Territorium haben dagegen bereits Bereitschaft signalisiert, amerikanische Alkoholprodukte wieder in ihre Geschäfte aufzunehmen.

Für Premierminister Mark Carney wird der mögliche Handelskompromiss damit auch innenpolitisch zur Herausforderung. Während Unternehmen dringend auf eine Einigung drängen, um weitere US-Zölle zu verhindern, wollen viele Kanadier keinen Deal um jeden Preis. Laut einer Umfrage von Leger sprechen sich 56 Prozent der Befragten dafür aus, gegenüber Washington hart zu bleiben.

Die wirtschaftlichen Risiken eines Scheiterns sind erheblich. Trump hatte mit zusätzlichen Zöllen von bis zu 50 Prozent auf eine breite Palette kanadischer Produkte gedroht, darunter Hockey-Ausrüstung, Wein und Zement. Nach einer aktuellen Analyse könnten im schlimmsten Fall rund 90.000 Arbeitsplätze in Kanada gefährdet sein.

Auch aus Washington kommen derweil wenig diplomatische Töne. In einer bekannt gewordenen Audioaufnahme soll US-Vizepräsident JD Vance gesagt haben, Carney habe versucht, Trump in den Handelsgesprächen an Härte zu übertreffen. Tatsächlich habe Kanada aber bei zahlreichen Punkten nachgegeben.

Damit ist wenige Stunden vor Ablauf der Frist weiterhin alles offen. Die wirtschaftlichen Interessen sprechen für einen Kompromiss, der politische Druck in Kanada dagegen für möglichst wenige Zugeständnisse. LeBlanc brachte die Lage nach den langen Gesprächen treffend auf den Punkt: Die Arbeit sei noch nicht erledigt – und verhandelt werde bis zur letzten Minute.

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von Autor: Red. TB
am: Samstag, 22.08.2026

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