In der österreichischen Wirtschaft standen in den vergangenen 24 Stunden vor allem neue Halbjahreszahlen großer Unternehmen im Mittelpunkt.
Dabei ergibt sich kein einheitliches Bild: Während der Versicherer UNIQA kräftig wächst, kämpfen Industriekonzerne wie Mayr-Melnhof mit einem schwierigen Preis- und Nachfrageumfeld. Beim niederösterreichischen Energieausrüster SBO gibt es dagegen erste Anzeichen einer Erholung.
SBO sieht neuen Aufschwung bei den Aufträgen
Der in Ternitz ansässige Energie- und Industrieausrüster SBO AG meldete einen deutlich besseren Auftragseingang.
Im ersten Halbjahr stiegen die Bestellungen gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent auf 235,3 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erhöhte sich gegenüber dem Jahresbeginn sogar um knapp 32 Prozent auf 117,9 Millionen Euro.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 7,7 Prozent zunahm. Zuvor hatte SBO acht Quartale in Folge stagnierende beziehungsweise rückläufige Umsätze verzeichnet.
Das Unternehmen versucht gleichzeitig, seine Abhängigkeit vom klassischen Öl- und Gasgeschäft zu reduzieren. Geothermie, Metall-3D-Druck und weitere neue Geschäftsfelder machen inzwischen annähernd zehn Prozent des Auftragseingangs aus.
Das ist für die österreichische Industrie ein vorsichtig positives Signal: Die Nachfrage scheint sich zumindest in einigen spezialisierten Bereichen wieder zu stabilisieren.
Mayr-Melnhof kämpft mit niedrigeren Preisen
Deutlich schwieriger sieht die Lage beim Verpackungs- und Kartonkonzern Mayr-Melnhof aus.
Bereinigt um den inzwischen verkauften TANN-Bereich sank der Umsatz im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent auf 1,849 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA ging um 3,5 Prozent auf 200,2 Millionen Euro zurück.
Besonders unter Druck steht der Bereich Board & Paper. Dort sank das bereinigte EBITDA um 19 Prozent. Besser entwickelte sich dagegen das Geschäft mit Verpackungen für Pharma- und Gesundheitsprodukte, dessen bereinigtes EBITDA um 14 Prozent zulegte.
Der Konzern reagiert mit einem umfangreichen Spar- und Effizienzprogramm. Das sogenannte „Fit-For-Future“-Programm brachte allein im ersten Halbjahr nach Unternehmensangaben bereits einen Ergebnisbeitrag von 105 Millionen Euro.
MM hat deshalb die erwarteten kumulierten Verbesserungen bis 2027 von mehr als 250 Millionen auf mehr als 330 Millionen Euro angehoben.
UNIQA steigert Gewinn deutlich
Ein wesentlich stärkeres Halbjahr meldete dagegen UNIQA.
Die verrechneten Prämien stiegen um zwölf Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern legte um 10,5 Prozent auf 327 Millionen Euro zu, das Konzernergebnis nach Steuern um 11,1 Prozent auf 258 Millionen Euro.
Auch das Österreich-Geschäft wuchs: Hier erhöhten sich die Prämien um 4,2 Prozent. Besonders dynamisch entwickelten sich Schaden- und Unfallversicherung, Firmenkundengeschäft und Krankenversicherung.
UNIQA bestätigte deshalb seine Prognose für das Gesamtjahr und erwartet weiterhin einen Vorsteuergewinn zwischen 540 und 570 Millionen Euro.
Das wirtschaftliche Gesamtbild
Die Unternehmenszahlen zeigen eine österreichische Wirtschaft mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
Versicherungen und spezialisierte internationale Anbieter können wachsen. Bei klassischen Industriebetrieben bleiben schwache Nachfrage, niedrigere Preise und geopolitische Unsicherheit dagegen ein Problem.
Besonders interessant ist SBO: Steigende Auftragseingänge könnten darauf hindeuten, dass zumindest Teile der exportorientierten Industrie die konjunkturelle Talsohle allmählich verlassen.


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