Die britische Hitzewelle macht inzwischen nicht einmal mehr vor dem Gemüse halt. Blumenkohl wird gelb, Gurken rollen sich ein, Kartoffeln wachsen knubbelig und Pak Choi kommt mit Löchern aus dem Beet. Kurz gesagt: Die Ernte sieht aus, als hätte sie ebenfalls dringend Urlaub nötig.
Grund sind außergewöhnlich hohe Temperaturen und große Trockenheit. Viele Pflanzen wachsen langsamer oder entwickeln ungewöhnliche Formen. Für Supermärkte ist das bislang oft ein Problem, denn dort gilt traditionell: Eine Gurke hat gefälligst gerade zu sein und ein Blumenkohl so weiß, als hätte er noch nie die Sonne gesehen.
Dieses Jahr könnte sich das ändern. Weil die Erntemengen sinken, lockern einige Händler ihre Schönheitsregeln. Schließlich ist eine krumme Gurke immer noch besser als gar keine Gurke.
Besonders auffällig ist der Blumenkohl. Durch die starke Sonne verfärben sich seine Köpfe gelblich. Geschmacklich macht das keinen Unterschied – optisch wirkt er lediglich so, als hätte er zwei Wochen Mallorca ohne Sonnencreme hinter sich.
Auch Gurken leiden unter der Hitze in Gewächshäusern. Manche wachsen spiralförmig und biegen sich zurück. Die Pflanzen stehen unter Hitzestress – und produzieren offenbar Gemüse mit eingebautem Fragezeichen.
Beim Pak Choi sorgen wiederum Flohkäfer für kleine Löcher. Normalerweise reicht schon ein winziger Schaden, damit Supermärkte die Pflanzen aussortieren. In diesem Sommer zeigen sich einige Händler großzügiger. Der Pak Choi schmeckt schließlich noch – offenbar sogar den Käfern.
Kartoffeln entwickeln nach Hitzeperioden dagegen gerne zusätzliche Knubbel. Für Chipshersteller und Supermärkte sind solche Exemplare wenig attraktiv, für den Kochtopf aber völlig unproblematisch. Nur beim Schälen braucht es etwas mehr Geduld.
Landwirte hoffen deshalb, dass Verbraucher ihre Erwartungen an perfektes Gemüse etwas herunterschrauben. Denn essbar sind die meisten dieser Schönheitsfehler problemlos.
Die neue britische Gemüsekollektion lautet damit: Blumenkohl mit Sonnenbrand, Lockengurke, Loch-Pak-Choi und Kartoffel mit Persönlichkeit.
Nicht perfekt – aber immerhin noch da.


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