Sicher reisen gegen Aufpreis: Willkommen bei der Premium-Version des Frauseins

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Veröffentlicht

Dienstag, 11.08.2026
von Red. TB

Es gibt Dinge, die kosten extra, weil sie besser sind.

Meerblick.

Business Class.

Frühstück ans Bett.

Und dann gibt es Dinge, die kosten extra, obwohl sie eigentlich selbstverständlich sein sollten.

Zum Beispiel: sich nachts nicht unwohl zu fühlen.

In einem Londoner Kapselhotel stehen zwei fast identische Angebote nebeneinander. Schlafkapsel im gemischten Bereich: 35 Pfund. Schlafkapsel im Frauenbereich: 45 Pfund.

Zehn Pfund Unterschied.

Für was genau?

Nicht für mehr Platz.

Nicht für ein besseres Bett.

Nicht für Frühstück.

Nicht einmal für eine Zimmerpflanze.

Der Aufpreis kauft etwas viel Moderneres: das Gefühl, nachts ein bisschen entspannter schlafen zu können.

Oder anders gesagt: Sicherheit gibt es jetzt offenbar im Tarif „Plus“.

Die neue Reisefrage: billig oder beruhigt?

Frauen zahlen auf Reisen nicht unbedingt offiziell mehr.

Das wäre ja auch zu plump.

Stattdessen läuft es subtiler.

Taxi statt Fußweg.

Hotel im Zentrum statt günstiges Zimmer am Stadtrand.

Privatzimmer statt Schlafsaal.

Ankunft tagsüber statt Nachtflug.

Frauenabteil statt gemischtem Bereich.

Alles freiwillig natürlich.

So freiwillig wie die Entscheidung, bei Regen einen Regenschirm mitzunehmen.

Theoretisch könnte man ihn weglassen.

Praktisch wird man halt nass.

Die Safer Tourism Foundation nennt dieses Phänomen „Avoidance Tax“, also sinngemäß Vermeidungssteuer.

Ein ziemlich nüchterner Begriff für die Tatsache, dass man Geld ausgibt, um Situationen zu vermeiden, bei denen man sich denkt: Muss ich wirklich um 1.30 Uhr allein durch diese Unterführung?

Das Sicherheitsbudget reist immer mit

Untersuchungen zeigen, dass deutlich mehr Frauen als Männer bestimmte Wege oder Gegenden nachts vermeiden.

Fast jede zweite Frau verzichtet sogar darauf, ein Reiseziel nachts überhaupt zu erkunden.

Urlaub also.

Aber bitte bis Sonnenuntergang.

Danach beginnt offenbar das kostenpflichtige Zusatzprogramm.

Die Folge: Frauen buchen häufiger Taxi, Transfer, Versicherung oder zentralere Unterkünfte.

Jede Ausgabe für sich ist überschaubar.

Zehn Euro hier.

Zwanzig dort.

Ein teureres Hotel.

Noch ein Taxi.

Und irgendwann kostet das gute Gefühl ungefähr so viel wie ein zusätzliches Wochenende.

Alleinreisen mit eingebautem Risikomanagement

Die erfahrene Alleinreisende Jen Kaarlo war in mehr als 50 Ländern unterwegs.

Ihre Reiseplanung klingt teilweise weniger nach Urlaub als nach Sicherheitskonzept.

Bei Tageslicht ankommen.

Transport vorab organisieren.

Schlafplätze prüfen.

Vulnerable Situationen vermeiden.

Im Zweifel mehr zahlen.

In Panama legte sie zusätzlich 100 bis 200 Dollar drauf, nur um sicherzugehen, dass sie ihren Schlafplatz nicht mit einer fremden Person teilen musste.

Andere Reisende nennen das Upgrade.

Sie nennt es vermutlich Nachtruhe.

Auch öffentliche Verkehrsmittel meidet sie bei der Ankunft in unbekannten Städten teilweise lieber.

Stattdessen: Taxi oder vorgebuchter Wagen.

Teurer?

Ja.

Beruhigender?

Auch.

Und genau da liegt das Problem.

Frauen-Schlafsaal: zwei Euro mehr für weniger Nervosität

Auch Jodie Hughes bucht inzwischen fast immer Schlafsäle nur für Frauen.

In Japan sind diese teilweise kaum teurer als gemischte Zimmer.

In Europa sieht das nicht immer so großzügig aus.

In einem Hostel in Brügge kostete ein Bett im gemischten Schlafsaal 26 Euro, im Frauenschlafsaal 28 Euro.

Zwei Euro Aufpreis.

Nicht die Welt.

Aber die Symbolik ist schon bemerkenswert.

Ein bisschen mehr Privatsphäre.

Ein bisschen mehr Ruhe.

Ein bisschen weniger Unsicherheit.

Macht zwei Euro.

Kartenzahlung möglich.

Natürlich ist das keine Sicherheitsgebühr

Hostelbetreiber weisen darauf hin, dass Frauenbereiche nicht deshalb teurer seien, weil Sicherheit extra koste.

Es liege einfach an der Nachfrage.

Frauenräume seien stärker gefragt.

Also steigt der Preis.

Marktwirtschaft.

Ganz normal.

Das stimmt sogar.

Nur ist die Pointe kaum zu übersehen: Frauen fragen diese Zimmer möglicherweise gerade deshalb stärker nach, weil sie sich dort sicherer fühlen.

Sicherheit ist also offiziell kein Premiumprodukt.

Sie wird nur zufällig teurer, wenn besonders viele Menschen sie wollen.

Ein faszinierendes Detail.

Der eigentliche Preis ist nicht auf der Rechnung

Das Geld ist dabei nur ein Teil des Problems.

Viele Frauen berichten, dass sie Reisen anders planen.

Weniger spontan.

Mehr vorbereitet.

Mehr Kontrollfragen.

Wo ist das Hotel?

Wie komme ich zurück?

Wann wird es dunkel?

Ist der Weg belebt?

Welche Gegend sollte ich meiden?

Kann ich dort nachts allein laufen?

Ist das Taxi registriert?

Kennt jemand meinen Standort?

Für manche Männer beginnt Urlaub mit der Frage: Wo gibt’s das beste Essen?

Für manche Frauen beginnt er zusätzlich mit: Wie komme ich da nachts wieder weg?

Diese mentale Zusatzschicht steht auf keiner Rechnung.

Sie reist kostenlos mit.

Reisen, aber bitte mit Sicherheitsupgrade

Das Absurde ist: Viele Frauen verzichten nicht aufs Reisen.

Sie reisen trotzdem.

Sie zahlen nur anders dafür.

Mit Geld.

Mit Planung.

Mit Vorsicht.

Mit Aufmerksamkeit.

Und gelegentlich mit dem Verzicht auf das billigste Angebot.

Die entscheidende Frage lautet deshalb irgendwann nicht mehr: Kann ich mir die Reise leisten?

Sondern: Kann ich mir leisten, bei der Sicherheit zu sparen?

Das ist eine ziemlich ernüchternde Kalkulation für etwas, das eigentlich Erholung heißen soll.

Fazit: Sicherheit jetzt auch im Premium-Paket

Am Ende landet man in einer kleinen Schlafkapsel in London, hat zehn Pfund mehr bezahlt und schreibt Freunden: Bin gut angekommen.

Eigentlich ein völlig banaler Satz.

Und genau deshalb ist er so bezeichnend.

Denn der Aufpreis hat weder das Bett größer noch die Reise schöner gemacht.

Er hat nur ein Gefühl gekauft.

Ruhe.

Für eine Nacht.

Die eigentliche Frage bleibt daher unangenehm einfach:

Warum ist Sicherheit für Frauen auf Reisen manchmal kein Standard – sondern ein Upgrade?

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minh1857 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 11.08.2026

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