Der neue Marvel-Film „Spider-Man: Brand New Day“ sorgt nicht nur an den Kinokassen für Aufsehen. Auch Tom Hollands deutlich muskulösere Erscheinung wird in den sozialen Netzwerken intensiv diskutiert.
Viele Nutzer vergleichen aktuelle Bilder des Schauspielers mit Aufnahmen aus seiner ersten Zeit als Spider-Man vor rund zehn Jahren. Schon damals war Holland schlank und durchtrainiert. Inzwischen wirkt sein Körper jedoch noch kräftiger und definierter.
Diese Veränderung hat eine Debatte über die sogenannte „Physique Inflation“ ausgelöst. Gemeint ist damit die Vorstellung, dass ein Körper, der vor wenigen Jahren noch als außergewöhnlich sportlich galt, heute bereits als durchschnittlich wahrgenommen wird. Männer müssten demnach immer muskulöser werden, um weiterhin als besonders fit oder attraktiv zu gelten.
Als Beispiel werden häufig frühere Superheldendarsteller mit heutigen Schauspielern verglichen. Tobey Maguire verkörperte Spider-Man Anfang der 2000er-Jahre mit einer deutlich schlankeren Statur als viele moderne Leinwandhelden. In den sozialen Medien heißt es deshalb scherzhaft, Holland habe sich vom „Spider-Boy“ zum „Spider-Man“ entwickelt.
Ob eine solche Muskelinflation tatsächlich existiert, lässt sich nach Einschätzung von Fitnessexperten nicht eindeutig beantworten. Zwar streben heute offenbar wieder mehr Männer nach einem besonders kräftigen und definierten Körper. Allerdings verändern sich Schönheits- und Fitnessideale regelmäßig.
In den Actionfilmen der 1980er-Jahre dominierten beispielsweise ausgesprochen massige Körper. In den 1990er-Jahren waren deutlich schlankere Figuren verbreitet. Auch heute hängt das Aussehen eines Schauspielers stark von der jeweiligen Rolle, dem Filmstudio, der Regie und der kreativen Ausrichtung einer Produktion ab.
Der Prominententrainer Jason Walsh betont, dass Hollands Entwicklung vor allem das Ergebnis langfristiger und konsequenter Arbeit sein dürfte. Der Schauspieler sei jung, körperlich leistungsfähig und habe über Jahre hinweg trainiert. Solche Veränderungen entstünden nicht über Nacht, sondern durch regelmäßiges Training, passende Ernährung und Geduld.
Walsh hat bereits zahlreiche Hollywoodstars auf körperlich anspruchsvolle Rollen vorbereitet, darunter Brie Larson, Jake Gyllenhaal, Matt Damon, John Krasinski, Bradley Cooper und Pedro Pascal. Nach seiner Erfahrung unterscheiden sich die körperlichen Anforderungen von Film zu Film erheblich. Deshalb sei es schwierig, von einem einheitlichen Trend in Hollywood zu sprechen.
Außerhalb der Filmbranche beobachten Trainer jedoch durchaus veränderte Erwartungen. Der Sportwissenschaftler Sam Bartlett berichtet, dass viele männliche Kunden heute entweder vor allem ihre langfristige Gesundheit verbessern oder ein möglichst auffälliges Erscheinungsbild erreichen wollen.
Wer hauptsächlich aus ästhetischen Gründen trainiert, nennt laut Bartlett häufig Christian Bales Körper in „American Psycho“ als Vorbild. In seinen rund 15 Jahren in der Fitnessbranche habe er festgestellt, dass Männer zunehmend stärker auf ihr äußeres Erscheinungsbild achteten.
Ein Teil seiner Kunden wünsche sich einen Körper, der an Superhelden oder Actiondarsteller erinnert. Andere interessierten sich dagegen kaum für sichtbare Muskeln und konzentrierten sich stärker auf Leistungsfähigkeit, Gesundheitswerte und ein langes, aktives Leben.
Ein konkretes körperliches Ziel sei grundsätzlich nicht problematisch, solange die allgemeine Gesundheit nicht vernachlässigt werde. Bartlett warnt jedoch davor, einen extrem schlanken oder muskulösen Körper automatisch mit besonders guter Gesundheit gleichzusetzen.
Menschen, die äußerlich am fittesten wirken, hätten bei medizinischen Untersuchungen nicht zwangsläufig die besten Werte. Besonders gesunde und leistungsfähige Personen sähen häufig weniger extrem aus: etwas weniger definiert, etwas weniger muskulös, dafür belastbar und langfristig aktiv.
Holland selbst hat erklärt, dass er unter anderem mit einem an CrossFit erinnernden Programm trainiert habe. Dazu gehörten Klimmzüge, Liegestütze und Kniebeugen mit dem eigenen Körpergewicht. Experten gehen jedoch davon aus, dass sein vollständiger Trainingsplan deutlich umfangreicher war.
Eine vergleichbare körperliche Entwicklung sei für viele Männer grundsätzlich auch ohne unerlaubte Hilfsmittel möglich, insbesondere über einen Zeitraum von zehn Jahren. Das Ergebnis hänge jedoch von zahlreichen individuellen Faktoren ab. Dazu gehören das Alter, die genetischen Voraussetzungen, der Alltag, das Stressniveau, die Ernährung und die Erholung.
Zudem verlaufe körperlicher Fortschritt selten gleichmäßig. Berufliche Belastungen, Krankheiten, Schlafmangel oder persönliche Veränderungen könnten das Training zeitweise beeinträchtigen. Entscheidend sei deshalb nicht die schnelle Veränderung, sondern eine langfristige Entwicklung.
Wer Muskeln aufbauen möchte, muss nach Ansicht der Experten regelmäßig Krafttraining betreiben. Die beanspruchten Muskelgruppen sollten in ausreichenden Abständen erneut trainiert werden. Gleichzeitig benötigt der Körper genügend Energie und Eiweiß, um neue Muskelmasse aufzubauen.
Bartlett empfiehlt dafür einen moderaten Kalorienüberschuss. Das bedeutet, dass über die Nahrung etwas mehr Energie aufgenommen wird, als der Körper täglich verbraucht. Ohne diese zusätzliche Energie könne der Muskelaufbau erschwert werden.
Ebenso wichtig seien ausreichender Schlaf, ein kontrollierter Umgang mit Stress und eine ausgewogene Verteilung von Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten. Schnelle Lösungen seien langfristig meist weniger erfolgreich als beständige und realistische Gewohnheiten.
Walsh sieht körperliche Fitness deshalb nicht nur als Mittel für ein bestimmtes Aussehen. Regelmäßige Bewegung könne sich positiv auf nahezu alle Lebensbereiche auswirken. Wer dauerhaft Zeit in die eigene Gesundheit investiere, verbessere häufig nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Wohlbefinden und Belastbarkeit.
Tom Hollands Veränderung zeigt damit vor allem, was über viele Jahre durch konsequentes Training möglich sein kann. Gleichzeitig erinnert die Diskussion um die „Physique Inflation“ daran, dass immer größere Muskeln nicht automatisch mehr Gesundheit bedeuten.


0 Kommentare