Am Flughafen Leipzig/Halle wurde eine Drohne mit mutmaßlicher Sprengvorrichtung gefunden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erkannte darin umgehend eine „neue Gefahrenqualität“ – also vermutlich jene Art von Qualität, auf die wirklich niemand gewartet hatte.
Nach Dobrindts Einschätzung könnte es sich um ein hybrides Anschlagsszenario handeln. Eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne auf einem Flughafengelände sei schließlich ein neues Bedrohungsszenario. Diese Analyse dürfte selbst Laien einleuchten: Unbewaffnete Drohne eher lästig, bewaffnete Drohne eher schlecht.
Spezialisten der Bundespolizei entschärften das Fluggerät in der Nacht. Der Zünder einer noch nicht näher bekannten Sprengvorrichtung wurde entfernt. Damit war zumindest der Teil erledigt, bei dem sonst etwas hätte explodieren können.
Ermittlungen mit maximaler Behördenbeteiligung
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum übernahmen die Ermittlungen. Eine politische Motivation wird nicht ausgeschlossen – ebenso wenig vermutlich alles andere, solange noch niemand genau weiß, wer die Drohne dorthin gebracht hat.
Da der Flughafen zur kritischen Infrastruktur gehört, sind inzwischen zahlreiche Behörden beteiligt. Genannt wurden unter anderem das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei.
Damit ist immerhin sichergestellt, dass die Drohne organisatorisch vollständig umzingelt ist.
Sachsens Innenminister Armin Schuster sprach von einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“. Landes- und Bundesbehörden arbeiteten nun unter Hochdruck Hand in Hand. Bei einer so großen Zahl beteiligter Stellen bleibt zu hoffen, dass am Ende auch jemand Zeit hat, die Drohne selbst zu untersuchen.
Zweites Flugobjekt trifft Frachtmaschine
Als wäre eine Sprengstoffdrohne auf der Startbahn noch nicht genug, soll ein zweites unbekanntes Flugobjekt mit einem Frachtflugzeug kollidiert sein.
Die Maschine hatte wegen der gesperrten Landebahn durchstarten müssen und landete später in Hannover. Dort wurden leichte Beschädigungen festgestellt.
Man könnte sagen: Der Flughafenbetrieb verlief an diesem Abend nicht ganz nach Plan.
Russlandverdacht im Expressverfahren
Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter vermutet Russland hinter dem Vorfall. Für ihn deutet vieles auf einen gezielten hybriden Angriff und damit auf einen versuchten Terrorakt hin.
Beweise dafür wurden bislang nicht genannt. Doch in der politischen Sofortanalyse gilt offenbar: Erst die Drohne finden, dann Russland vermuten, anschließend auf die Ermittlungsergebnisse warten.
Ob tatsächlich ein ausländischer Staat, eine extremistische Gruppe oder jemand mit besonders verhängnisvollem Technikverständnis hinter dem Vorfall steckt, müssen nun die Behörden klären.
Bis dahin bleibt festzuhalten: Eine Sprengstoffdrohne lag auf der Landebahn, ein weiteres Flugobjekt traf ein Frachtflugzeug und mehrere Politiker lieferten bereits die passende geopolitische Einordnung.
Die Ermittlungen stehen noch am Anfang – die Schlagworte sind dagegen schon vollständig entschärft und einsatzbereit.


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