Zum ersten Mal seit Jahren steht die afghanische Frauenfußballmannschaft wieder gemeinsam auf dem Spielfeld. In Auckland (Neuseeland) trafen sich 23 Spielerinnen zu einem Trainingslager und zwei Freundschaftsspielen gegen die Cookinseln – ein sportlicher Neuanfang nach Jahren der Flucht, des Exils und der Ungewissheit. Möglich wurde dies, nachdem die FIFA im April entschieden hatte, dass die Mannschaft künftig offiziell für Afghanistan antreten darf.
Für die Spielerinnen bedeutet das weit mehr als Fußball. Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 sind Frauen in Afghanistan aus weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. Sie dürfen weder organisiert Sport treiben noch viele Berufe ausüben oder höhere Schulen und Universitäten besuchen. Die damalige Nationalmannschaft zerstreute sich über mehrere Länder, viele Spielerinnen fanden Schutz unter anderem in Australien, Großbritannien oder Portugal.
Eine von ihnen ist Manozh Noori. Schon als Jugendliche spielte sie heimlich Fußball auf den Straßen Kabuls. Um nicht erkannt zu werden, trug sie bei Spielen zeitweise eine Gesichtsmaske. Als ihr Erfolg immer größer wurde und ein Fernsehinterview ihre Identität offenbarte, geriet sie innerhalb der Familie unter massiven Druck. Nach der Rückkehr der Taliban entschloss sie sich schließlich zur Flucht. Ihre Medaillen und Pokale vergrub sie zuvor im Garten ihres Elternhauses. Bis heute liegen sie dort. Eines Tages wolle sie zurückkehren und sie wieder ausgraben, sagt sie.
Auch Mursal Sadat verbindet mit dem Fußball weit mehr als sportlichen Ehrgeiz. Nach ihrer Flucht lebt sie heute in Australien, arbeitet als Trainerin und engagiert sich für Flüchtlinge sowie für Frauen- und Menschenrechte. Ohne den Fußball, sagt sie, wäre sie vermutlich noch immer in Afghanistan – ohne die Möglichkeit, frei zu lernen oder selbst über ihre Zukunft zu entscheiden.
Ähnliche Erfahrungen schildert Najma Arefi. In Afghanistan trainierte sie häufig bei Temperaturen von über 45 Grad, weil Mädchen nur ungünstige Trainingszeiten erhielten. Heute lebt sie in England, studiert Strafrecht und genießt Freiheiten, die für Frauen in ihrer Heimat derzeit unerreichbar sind. Gleichzeitig belastet sie das Schicksal der Millionen Mädchen, denen diese Möglichkeiten weiterhin verwehrt bleiben.
Sportlich verlief das Wiedersehen wenig erfolgreich: Beide Freundschaftsspiele gegen die Cookinseln gingen verloren. Für die Spielerinnen spielte das Ergebnis jedoch nur eine Nebenrolle. Entscheidend war die Rückkehr auf den Fußballplatz – als Mannschaft, die trotz Vertreibung, Exil und jahrelanger Unsicherheit nicht aufgegeben hat.
Die Anerkennung durch die FIFA gilt für viele der Spielerinnen als historischer Schritt. Sie eröffnet ihnen erstmals die Chance, sich künftig für internationale Wettbewerbe wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele zu qualifizieren – unabhängig von der Zustimmung der Taliban.


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