Widerstand gegen FIFA-Präsident Infantino wächst

Widerstand gegen FIFA-Präsident Infantino wächst

Veröffentlicht

Dienstag, 04.08.2026
von Red. TB

Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino nimmt weiter zu. Nach Informationen aus UEFA-Kreisen erwägen mehrere seiner Gegner, die Zusammenarbeit mit dem Weltfußballverband teilweise zu verweigern, solange Infantino im Amt bleibt. Im Raum steht unter anderem ein Boykott von FIFA-Sitzungen.

Auslöser des Konflikts sind Pläne Infantinos, Anteile an wichtigen FIFA-Wettbewerben für private Investoren zu öffnen. Vorgesehen war die Gründung einer kommerziellen Tochtergesellschaft mit dem Namen „FIFA Forward Enterprise“. Diese sollte zentrale Wettbewerbe, darunter die Weltmeisterschaften, wirtschaftlich verwalten. Externe Investoren hätten Minderheitsbeteiligungen erwerben können.

Die FIFA hatte betont, dass diese Beteiligungen keinen beherrschenden Einfluss ermöglichen sollten. Dennoch stieß das Vorhaben bei mehreren Kontinentalverbänden auf deutliche Kritik.

UEFA prüft rechtliche Schritte

Die UEFA drohte der FIFA mit juristischen Maßnahmen. In einem Schreiben an Infantino erklärte der europäische Verband, man prüfe Klagen, Schiedsverfahren und Beschwerden bei Aufsichtsstellen.

Zudem verlangte die UEFA, dass sämtliche Unterlagen zu dem Investitionsprojekt gesichert werden. Dazu zählen E-Mails, Kurznachrichten, Messenger-Kommunikation, Sitzungsprotokolle und weitere Dokumente. Die FIFA solle verhindern, dass relevante Informationen im Rahmen interner Routinen gelöscht oder vernichtet werden.

Besonders umstritten war offenbar ein Schreiben Infantinos an alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände. Darin wurde den Verbänden eine Zahlung von 40 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt, sofern sie das Konzept unterstützten. Wer bis zum 19. September zustimmte, sollte zunächst 20 Millionen Dollar erhalten können.

Die UEFA verlangt nun auch Unterlagen über die rechtliche Grundlage, Genehmigung und Kommunikation dieses Zahlungsmodells.

Mehrere Verbände entziehen Infantino ihre Unterstützung

Wales hat seine Unterstützung für Infantinos Bewerbung um eine weitere Amtszeit bereits öffentlich zurückgezogen. Auch der englische Fußballverband soll einen ähnlichen Schritt vorbereiten. Serbien, Schweden und Finnland haben sich ebenfalls von Infantino distanziert.

Der schottische Verband unterstützt nach Angaben aus UEFA-Kreisen die kritische Haltung gegenüber dem FIFA-Präsidenten.

Infantino will im März für eine vierte und zugleich letzte Amtszeit kandidieren. Für seine Wiederwahl benötigt er mindestens 106 Stimmen der insgesamt 211 FIFA-Mitglieder.

Unterstützung erhält er weiterhin unter anderem aus Marokko, Katar, dem Libanon, Kuwait und Sri Lanka. Während sich die asiatische Konföderation solidarisch mit UEFA und Concacaf zeigte, haben die Verbände aus Afrika, Südamerika und Ozeanien Infantinos Vorhaben bislang nicht öffentlich verurteilt.

FIFA-Rat könnte Sondersitzung erzwingen

Theoretisch könnte auch der FIFA-Rat versuchen, Infantino zum Rücktritt zu bewegen. Dafür müssten 19 der insgesamt 37 Ratsmitglieder eine Sondersitzung verlangen. Diese müsste anschließend innerhalb von zwei Wochen stattfinden.

Die UEFA verfügt im FIFA-Rat über neun Mitglieder, der asiatische Verband über sieben, Concacaf über fünf, Afrika über sechs, Südamerika über fünf und Ozeanien über drei. Hinzu kommen Infantino selbst und FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström.

Ob genügend Mitglieder für einen solchen Schritt zusammenkommen, ist derzeit offen.

Vorwurf mangelhafter Führung

UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister bezeichnete die Entstehung des Investitionsprojekts als Beispiel für einen katastrophalen Führungsprozess. Es brauche klare Verantwortlichkeiten und Kontrollmechanismen, damit ähnliche Alleingänge künftig verhindert würden.

Sie äußerte die Hoffnung, dass weitere Verbände ihre Unterstützung für Infantino zurückziehen. Für den Weltfußball sei dies ein bedeutender Moment. Die UEFA könne nicht dauerhaft auf neue Krisen reagieren, die durch einseitige Entscheidungen ausgelöst würden.

Weltfußball tief gespalten

Die angekündigte Verweigerung der Zusammenarbeit und die möglichen rechtlichen Schritte könnten den Druck auf Infantino stärker erhöhen als einzelne zurückgezogene Unterstützungsschreiben.

Seine Gegner versuchen offenbar, ihn politisch zu isolieren und weitere Verbände für ihren Widerstand zu gewinnen. Besonders Asien könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Gleichzeitig muss die UEFA vermeiden, den Eindruck zu erwecken, Europa wolle dem Rest der Fußballwelt seine Position aufzwingen. Infantino verfügt weiterhin über Rückhalt in Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas.

Der Konflikt zeigt, wie tief der internationale Fußball inzwischen gespalten ist. Sollte Infantino nicht freiwillig zurücktreten, dürften seine Gegner versuchen, für die Wahl im kommenden Jahr einen gemeinsamen Gegenkandidaten zu finden.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

jarmoluk (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 04.08.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv