Rumänien hat eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode gefunden, um einer drohenden Stromkrise zu begegnen: Wenn zu wenig Energie da ist, produziert man eben vorübergehend nichts, was Energie verbraucht.
Die Autobauer Dacia und Ford haben ihre Werke bis zum 19. August stillgelegt. Nach Angaben von Ministerpräsident Ilie Bolojan folgten die Unternehmen damit dem freundlichen Aufruf der Regierung, den Stromverbrauch freiwillig zu senken. „Freiwillig“ bedeutet in solchen Situationen ungefähr: Niemand zwingt euch – aber es wäre ausgesprochen ungünstig, wenn ihr einfach weitermacht.
Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten. Durch den Produktionsstopp sank der landesweite Strombedarf um rund 200 Megawatt. Weitere Unternehmen sollen ebenfalls ihren Verbrauch drosseln. Rumänien entwickelt sich damit kurzfristig von einem Industriestandort zu einem sehr großen Energiesparmodus.
Ausgelöst wurde die Krise durch eine Hitzewelle und eine anhaltende Dürre. Besonders der niedrige Wasserstand der Donau bereitet Probleme. Weil nicht mehr ausreichend Wasser zur Kühlung vorhanden ist, musste der Energiekonzern Nuclearelectrica einen der beiden Reaktoren seines Atomkraftwerks abschalten.
Das Kraftwerk deckt normalerweise etwa ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs. Nun muss das Land täglich zwischen 2.000 und 2.500 Megawatt importieren. Leider sind auch Stromleitungen nicht dafür bekannt, sich bei Bedarf spontan zu verbreitern.
Ministerpräsident Bolojan appellierte deshalb erneut an Unternehmen, Behörden und Privathaushalte, freiwillig weniger Strom zu verbrauchen. Die Bevölkerung soll also Klimaanlagen, Maschinen und Geräte möglichst zurückhaltend nutzen – während draußen die Hitzewelle erklärt, warum das ein durchaus anspruchsvoller Wunsch ist.
Rumänien hofft nun auf sinkende Temperaturen, steigende Wasserstände und möglichst wenig gleichzeitig eingeschaltete Kaffeemaschinen.


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