Nach Zeckenbiss im Griechenland-Urlaub: 42 Tage im Koma

Nach Zeckenbiss im Griechenland-Urlaub: 42 Tage im Koma

Veröffentlicht

Sonntag, 02.08.2026
von Red. TB

Ein Zeckenbiss während eines Griechenland-Urlaubs hat das Leben von Victoria Stellas grundlegend verändert. Die heute 51-Jährige fiel nach einer schweren Hirnentzündung für 42 Tage ins künstliche Koma. Bis heute leidet sie unter Gedächtnisproblemen und Krampfanfällen und muss täglich bis zu 18 Medikamente einnehmen.

Die aus Anglesey in Wales stammende Frau hatte sich 2019 auf der griechischen Insel Syros aufgehalten. Dort entwickelte sie zunächst grippeähnliche Beschwerden. Nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien traten plötzlich nächtliche Krampfanfälle auf.

Ärzte konnten zunächst nicht feststellen, woran Victoria erkrankt war. Nach einer Untersuchung wurde sie per Hubschrauber in das auf neurologische Erkrankungen spezialisierte Walton Centre in Liverpool gebracht. Dort versetzten die Mediziner sie für sechs Wochen in ein künstliches Koma.

Später wurde bei ihr eine Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, diagnostiziert. Dabei handelt es sich um eine durch Zecken übertragene Virusinfektion, die zu einer schweren Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute führen kann.

Erkrankung verändert den gesamten Alltag

Victoria vermutet, dass sie auf dem Grundstück ihres Schwagers gebissen wurde. Dort werden Ziegen gehalten, in deren Umgebung sich Zecken aufhalten können. Den eigentlichen Biss bemerkte sie nicht.

Nach dem Krankenhausaufenthalt dauerte ihre Behandlung insgesamt rund sechs Monate. Die Folgen der Erkrankung begleiten sie jedoch bis heute.

„Mein Leben hat sich vollständig verändert“, berichtet Victoria. Früher sei sie sehr kontaktfreudig gewesen. Heute gehe sie deutlich seltener aus und ziehe sich häufig zurück.

Besonders belastend ist der Gedächtnisverlust. Zwar erkennt sie Menschen wieder, kann sich jedoch oftmals nicht mehr an deren Namen erinnern.

Diese Einschränkung hatte auch berufliche Folgen. Victoria verlor sowohl ihre Stelle in einem Pub als auch ihre Arbeit als Schulbegleiterin für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Als sie versuchte, an die Schule zurückzukehren, konnte sie sich nicht mehr an die Namen der Kinder und Mitarbeiter erinnern. Bis heute habe sie Schwierigkeiten damit.

„Welche Arbeit kommt ohne Gedächtnis aus?“, fragt sie. Fast alles im Leben erfordere Erinnerungsvermögen – vom Einkaufen über das Reisen bis zum Berufsalltag.

Bis zu 18 Tabletten am Tag

Victoria nimmt inzwischen täglich zwischen 15 und 18 Medikamente. Ihre nächtlichen Krampfanfälle treten zwar seltener auf als früher, sind aber nicht vollständig verschwunden.

Aus Angst vor einem erneuten Anfall schläft sie mittlerweile im selben Zimmer wie ihre Mutter. Für viele alltägliche Tätigkeiten musste sie Strategien entwickeln, um sich Abläufe und Aufgaben merken zu können.

Halt gibt ihr vor allem ihre Familie. Victoria betont, wie dankbar sie für die Unterstützung ihrer Angehörigen und Freunde sei.

Auch ihre Mutter Liz warnt davor, Insekten- und Zeckenbisse zu unterschätzen. Was zunächst harmlos wirke, könne das gesamte Leben eines Menschen verändern.

Erkrankung durch Zecken übertragen

FSME ist eine Virusinfektion, die durch den Biss infizierter Zecken übertragen wird. Zecken mit dem Virus kommen vor allem in Teilen Europas und Asiens vor.

Viele Infektionen verlaufen ohne Beschwerden oder verursachen lediglich grippeähnliche Symptome. In einem kleinen Teil der Fälle kann das Virus jedoch das zentrale Nervensystem angreifen.

Mögliche Anzeichen einer schweren Erkrankung sind Krampfanfälle, Verwirrtheit, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen. Eine gezielte antivirale Therapie gegen das Virus gibt es bislang nicht. Behandelt werden vor allem die auftretenden Beschwerden und Komplikationen.

Der Infektionsmediziner Benedict Michael von der Universität Liverpool erklärt, dass schwere Verläufe wie bei Victoria glücklicherweise selten seien. Dennoch sei FSME eine bedeutende Erkrankung, weil sie durch eine Impfung verhindert werden könne.

Impfung vor Reisen in Risikogebiete

Victoria wurde in Griechenland geboren und zog im Alter von fünf Jahren nach Wales. Sie reist weiterhin jedes Jahr in ihr Geburtsland. Vor ihrer Erkrankung wusste sie nach eigenen Angaben jedoch nicht, dass es eine Impfung gegen FSME gibt.

Heute möchte sie andere Reisende auf das Risiko aufmerksam machen. Wer sich in Gebieten aufhält, in denen FSME verbreitet ist, sollte sich frühzeitig über eine Impfung beraten lassen. Das gilt besonders für Menschen, die wandern, campen oder viel Zeit in bewaldeten Gebieten und in der Nähe von Tieren verbringen.

Victoria berichtet inzwischen einmal im Jahr Studierenden der Universität Bangor von ihrer Erkrankung.

Schutzkleidung und Kontrolle nach Aufenthalten im Freien

Gesundheitsbehörden empfehlen bei Aufenthalten in möglichen Zeckengebieten lange Kleidung sowie ein geeignetes Insektenschutzmittel. Außerdem sollte man möglichst auf befestigten Wegen bleiben.

Nach einem Aufenthalt im Freien sollten Körper, Kleidung und auch Haustiere gründlich nach Zecken abgesucht werden. Festgesaugte Tiere sollten möglichst schnell mit einer Zeckenzange, einer Zeckenkarte oder einer feinen Pinzette entfernt werden.

Eine schnelle Entfernung kann das Risiko bestimmter zeckenübertragener Infektionen reduzieren. Bei FSME kann die Übertragung allerdings bereits kurz nach dem Stich erfolgen.

Victoria hofft, dass ihre Geschichte andere Menschen vorsichtiger macht. Für sie sind die Folgen des Urlaubs im Jahr 2019 bis heute Teil ihres täglichen Lebens.

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Pezibear (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 02.08.2026

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