FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät wenige Monate vor seiner angestrebten Wiederwahl zunehmend unter Druck. Führende Fußballverbände aus Europa sowie Nord- und Mittelamerika werfen der FIFA-Spitze mangelnde Transparenz und schlechte Führung vor.
Auslöser ist ein inzwischen zurückgezogener Plan, private Investoren an einer neuen kommerziellen FIFA-Tochtergesellschaft zu beteiligen. Diese Gesellschaft sollte wichtige Wettbewerbe, darunter die Weltmeisterschaften, wirtschaftlich verwalten. Externe Geldgeber hätten Minderheitsanteile erwerben können.
Die UEFA begrüßte den Rückzug des Vorhabens als Erfolg für den gesamten Fußball. Gleichzeitig griff sie Infantino ungewöhnlich scharf an. Die aktuelle FIFA-Führung habe das Vertrauen der UEFA und zahlreicher weiterer Mitglieder der Fußballfamilie verloren.
Infantino hatte bei seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten im Jahr 2016 Transparenz versprochen und erklärt, das Geld der FIFA gehöre den nationalen Verbänden und müsse der Entwicklung des Fußballs dienen. Nach Ansicht der UEFA hat er beide Zusagen nicht eingehalten.
Der umstrittene Investorenplan sei ohne ausreichende Offenheit und hinter verschlossenen Türen entwickelt worden. Die Verantwortlichen müssten benannt und zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem müsse verhindert werden, dass ähnliche Vorhaben künftig erneut ohne Beteiligung der Mitgliedsverbände vorbereitet werden.
Auch die Concacaf, der Verband für Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik, äußerte deutliche Kritik. Sie nannte Infantino zwar nicht direkt beim Namen, forderte aber eine vollständige Überprüfung der FIFA-Führung.
Die Zukunft der Weltmeisterschaft sei außerhalb der üblichen Entscheidungsstrukturen und ohne ausreichende Beratung vorangetrieben worden. Ein Weltverband sei kein Privatunternehmen, sondern müsse im Interesse des Fußballs und seiner Mitglieder handeln.
Der englische Fußballverband unterstützte die Forderung nach einer umfassenden und unabhängigen Prüfung der FIFA-Führung. Auch Vertreter des norwegischen Verbandes verlangten bessere Kontrollmechanismen und warnten davor, den Konflikt lediglich in vertraulichen Gesprächen zwischen Funktionären zu lösen.
Unterstützung erhielt Infantino dagegen vom katarischen Fußballverband. Dieser begrüßte zwar das Ende des Investorenplans, stellte sich aber weiterhin hinter den FIFA-Präsidenten.
Die Kritik wiegt besonders schwer, weil Infantino beim FIFA-Kongress im März für eine weitere Amtszeit kandidieren möchte. Beobachter sehen seinen Ruf durch den gescheiterten Plan erheblich beschädigt.
Nach den bekannt gewordenen Unterlagen sollte eine neue Gesellschaft mit dem Namen FIFA Forward Enterprise gegründet werden. Eine von der Investmentbank JP Morgan erstellte Präsentation stellte höhere Einnahmen für die Mitgliedsverbände in Aussicht. Gleichzeitig wurde die FIFA darin als wirtschaftlich noch nicht ausreichend ausgeschöpft bezeichnet.
Der Frauenfußball wurde in dem Dokument offenbar nicht erwähnt.
Die UEFA hatte sogar mit einem Boykott künftiger Weltmeisterschaften gedroht, sollte das Vorhaben umgesetzt werden. Weitere Kontinentalverbände schlossen sich der Kritik an.
Zusätzliche Unruhe entstand, als ein hochrangiger FIFA-Mitarbeiter erklärte, selbst die Verwaltung des Weltverbandes sei über das Projekt getäuscht worden. Ein enger Berater Infantinos trat zurück und bezeichnete das Vorhaben als schlechtes Geschäft, das die Zukunft des Fußballs gefährdet hätte.
Der Investorenplan ist damit vorerst gescheitert. Die Diskussion über Transparenz, Verantwortung und Infantinos Zukunft an der Spitze der FIFA hat jedoch gerade erst begonnen.


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