FIFA stoppt umstrittenen Investitionsplan für die Weltmeisterschaften

FIFA stoppt umstrittenen Investitionsplan für die Weltmeisterschaften

Veröffentlicht

Samstag, 01.08.2026
von Red. TB

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat den umstrittenen Plan aufgegeben, private Investoren an den wichtigsten Wettbewerben des Weltverbands zu beteiligen. Zuvor hatte sich der Widerstand zahlreicher nationaler Verbände und kontinentaler Konföderationen deutlich verschärft.

Infantino erklärte, das Vorhaben habe zu Spaltungen geführt, die nicht mehr mit dem ursprünglichen Ziel des Projekts vereinbar seien. Deshalb werde der Vorschlag nicht weiterverfolgt.

Der 56-jährige Schweizer hatte den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden jeweils Zahlungen von bis zu 40 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt, sofern sie einer Öffnung der FIFA-Wettbewerbe für private Investoren zustimmen. Betroffen gewesen wären unter anderem die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen.

Besonders scharfer Widerstand kam aus Europa. Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände beschlossen, künftige Weltmeisterschaften zu boykottieren, falls das Vorhaben umgesetzt werden sollte.

Auch innerhalb der FIFA sorgte das Projekt für heftige Kritik. Der operative Geschäftsführer Kevin Lamour erklärte, selbst Teile der FIFA-Verwaltung seien über die tatsächlichen Hintergründe des Plans getäuscht worden. Er bezeichnete das Vorhaben als Projekt einer einzelnen Person, das nicht vereine, sondern das Gegenteil bewirke.

Carlos Cordeiro, Infantinos leitender Berater für globale Strategie und Verbandsführung, trat wegen der Pläne zurück. Er bezeichnete das Modell als schlechtes Geschäft für den Fußball und warnte davor, damit die Zukunft des Sports zu verpfänden. Nach eigenen Angaben war er nicht an der Entwicklung des Vorschlags beteiligt und lehnte die Behauptung ab, die FIFA benötige externe Investoren, um zusätzliche wirtschaftliche Werte zu erschließen.

Weitere Ablehnung kam aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik. Der Regionalverband Concacaf teilte mit, seine Mitglieder hätten den Vorschlag zurückgewiesen. Nach Angaben aus Verbandskreisen sollen zahlreiche nationale Organisationen der Region das Vertrauen in Infantino bereits verloren haben oder zunehmend infrage stellen.

Auch die Asiatische Fußballkonföderation AFC stellte sich an die Seite der UEFA und der Concacaf. Der britische Premierminister Andy Burnham erklärte zudem, Infantino sei nicht der richtige Mann für die Führung des Weltfußballverbands.

Für den FIFA-Präsidenten kommt die Krise zu einem heiklen Zeitpunkt. Beim FIFA-Kongress im März will er für eine vierte Amtszeit kandidieren. Bis zu dieser Woche war allgemein erwartet worden, dass er ohne Gegenkandidaten wiedergewählt werden könnte. Mehrere Verbände hatten bereits angekündigt, ihn erneut unterstützen zu wollen. Ob sie nach den jüngsten Ereignissen an dieser Zusage festhalten, ist offen.

Infantino erklärte nach dem Rückzug des Projekts, er wolle nun alle Beteiligten wieder zusammenbringen. Das gemeinsame Interesse am Fußball müsse erneut in den Mittelpunkt gestellt werden. Der Plan sei ursprünglich entwickelt worden, um insbesondere Verbände in Ländern zu stärken, die besonders dringend finanzielle Unterstützung benötigten.

Eine Mehrheit war kaum noch erreichbar

Obwohl UEFA und Concacaf die Pläne frühzeitig abgelehnt hatten, hielt die FIFA zunächst an ihnen fest. Noch am Freitag erklärte der Weltverband, niemand wolle den Fußball verkaufen.

Für eine Umsetzung hätte Infantino jedoch die Zustimmung der Mehrheit der 211 FIFA-Mitglieder benötigt. Mindestens 106 Verbände hätten für den Vorschlag stimmen müssen.

Nach dem Widerstand aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Asien war eine solche Mehrheit kaum noch realistisch. Die UEFA verfügt über 55 Stimmen, die Concacaf über 35 und die AFC über 46. Hätten sich alle Mitgliedsverbände an die Position ihrer jeweiligen Konföderation gehalten, wären bereits 136 Stimmen gegen das Projekt zusammengekommen.

Die afrikanische Konföderation CAF und der ozeanische Verband OFC hatten angekündigt, den Vorschlag im August beraten zu wollen. Der südamerikanische Verband Conmebol forderte von der FIFA zunächst zusätzliche Informationen und Erklärungen zu Umfang, Struktur, Kontrolle und möglichen Folgen des Projekts.

Was plante Infantino?

Infantino und die FIFA wollten eine neue kommerzielle Tochtergesellschaft gründen, die zentrale Wettbewerbe des Weltverbands verwalten sollte. Dazu hätten insbesondere die Weltmeisterschaften gehört.

Externe Investoren sollten Minderheitsbeteiligungen an der Gesellschaft erwerben können, ohne die vollständige Kontrolle über sie zu erhalten. Die geplante Tochtergesellschaft trug den Namen FIFA Forward Enterprise, kurz FFE.

Den nationalen Verbänden wurde eine Frist bis zum 19. September gesetzt. Wer den Plänen bis dahin zustimmte, sollte zunächst 20 Millionen US-Dollar erhalten können. Insgesamt wurden jedem Verband Zahlungen von bis zu 40 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt.

Ein 25-seitiges Dokument der Investmentbank JP Morgan beschrieb, wie der Ausbau der FIFA-Turniere langfristig höhere Einnahmen ermöglichen sollte. Für den Zeitraum von 2035 bis 2039 wurde eine mögliche Ausschüttung von umgerechnet rund 24 Millionen Euro pro Mitgliedsverband genannt.

Das Papier sprach unter anderem von neuen Geschäftsfeldern sowie davon, führende Fachkräfte durch leistungsabhängige Vergütungsmodelle zu gewinnen. Die Weltmeisterschaft wurde als weltweit meistgesehenes Sportereignis bezeichnet. Gleichzeitig vertrat das Dokument die Auffassung, dass die FIFA ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten bislang nicht vollständig ausschöpfe.

Auffällig war, dass der Frauenfußball in dem Papier nicht ausdrücklich behandelt wurde.

Nach Angaben der FIFA sollte die amerikanische Risikokapitalgesellschaft Thrive Capital eine führende Rolle innerhalb der geplanten Investorengruppe übernehmen. Das Unternehmen wurde von Joshua Kushner gegründet, dem Bruder von Jared Kushner. Jared Kushner ist der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.

Trump erklärte, er habe mit Infantino nicht über den Investitionsplan gesprochen. Beide pflegen seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit im Jahr 2025 ein enges Verhältnis.

Berichten zufolge hätte das Projekt Investitionen in Höhe von bis zu zehn Milliarden US-Dollar einbringen können. Allerdings sollen selbst einige der acht FIFA-Vizepräsidenten vorab nicht umfassend über das Vorhaben informiert worden sein.

Kann Infantino im Amt bleiben?

Infantino wurde 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt. Damals setzte er sich mit 115 zu 88 Stimmen gegen den damaligen AFC-Präsidenten Scheich Salman al-Chalifa durch.

Der nächste FIFA-Präsident soll beim 77. Kongress des Weltverbands im März in Marokko bestimmt werden. Potenzielle Kandidaten müssen ihre Bewerbung bis zum 18. November einreichen.

Bis zum Bekanntwerden des Investitionsplans galt eine erneute Wahl Infantinos ohne Gegenkandidaten als wahrscheinlich. Die Ereignisse könnten jedoch dazu führen, dass mehrere Verbände ihre Unterstützung zurückziehen.

Der Rücktritt Cordeiros ist besonders bedeutsam, da er als erster hochrangiger FIFA-Funktionär wegen des Projekts sein Amt niederlegte. Er vertrat den Weltverband außerdem in der Arbeitsgruppe des Weißen Hauses zur Weltmeisterschaft 2026.

Auch Lamours öffentliche Kritik macht deutlich, wie tief die Spaltung innerhalb der Organisation inzwischen reicht. Ein Präsident müsse Menschen zusammenbringen, sie vereinen und inspirieren, erklärte er. Bei diesem Projekt sei genau das Gegenteil geschehen.

Lamour nahm dabei auch persönliche Konsequenzen in Kauf. Sollte ihn seine Kritik den Arbeitsplatz kosten, werde er diese Entscheidung akzeptieren. Zumindest könne er nach seinen Äußerungen ruhig schlafen.

Chronologie der Ereignisse

Montag, 27. Juli

Gianni Infantino veröffentlicht auf seinem privaten Instagram-Konto einen Beitrag mit 15 Bildern. Darin fordert er seine Kritiker auf, zu meditieren, zu beten oder ein Fußballspiel anzusehen, anstatt Hass und falsche Gerüchte über seine Amtsführung zu verbreiten.

Dienstag, 28. Juli

Die Zeitungen The Times und Financial Times berichten über Infantinos Plan, Anteile an FIFA-Wettbewerben einschließlich der Weltmeisterschaft an private Investoren zu vergeben.

Die UEFA erklärt daraufhin, der Fußball gehöre nicht der FIFA und könne deshalb auch nicht von ihr verkauft werden. Der Weltverband habe mit dem Vorhaben eine Grenze überschritten.

Später bestätigt die FIFA offiziell, dass entsprechende Pläne existieren.

Mittwoch, 29. Juli

Infantino schreibt an alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände. Er stellt jedem Verband Zahlungen von bis zu 40 Millionen US-Dollar in Aussicht, sofern dieser dem Projekt zustimmt.

Um zunächst 20 Millionen US-Dollar erhalten zu können, sollen die Verbände ihre Zustimmung spätestens bis zum 19. September erklären.

Die UEFA wirft der FIFA vor, den Fußball zur persönlichen Bereicherung von Funktionären und deren Umfeld zu benutzen.

Donnerstag, 30. Juli

Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände beschließen, Weltmeisterschaften zu boykottieren, falls Infantinos Plan umgesetzt wird.

Auch die Concacaf erklärt, ihre Mitgliedsverbände hätten den Vorschlag abgelehnt.

Freitag, 31. Juli

Die FIFA verteidigt das Vorhaben zunächst und erklärt, niemand wolle den Fußball verkaufen. Der Verband kündigt an, weiterhin an dem Projekt festzuhalten.

Die Asiatische Fußballkonföderation erklärt ihre Solidarität mit UEFA und Concacaf, spricht zunächst jedoch keine vollständig eindeutige Ablehnung aus.

Carlos Cordeiro tritt als leitender Berater Infantinos zurück. Er bezeichnet das Projekt als schlechtes Geschäft für den Fußball, das die Zukunft des Sports belasten würde.

Der britische Premierminister Andy Burnham erklärt, Infantino sei nicht der richtige Mann für die Führung der FIFA.

FIFA-Geschäftsführer Kevin Lamour erhebt schwere Vorwürfe und erklärt, selbst die eigene Verwaltung des Weltverbands sei über das Projekt getäuscht worden.

Samstag, 1. August

Infantino zieht den Investitionsplan endgültig zurück. Er räumt ein, dass das Vorhaben zu erheblichen Spaltungen geführt habe, und kündigt an, die verschiedenen Interessengruppen im Weltfußball wieder zusammenführen zu wollen.

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geralt (CC0), Pixabay

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