Festplatten weg, Cage auch bald im Netz? Produzent verklagt Netflix wegen verschwundenem Kriegsfilm

Festplatten weg, Cage auch bald im Netz? Produzent verklagt Netflix wegen verschwundenem Kriegsfilm

Veröffentlicht

Samstag, 01.08.2026
von Red. TB

Netflix hat schon vieles gestreamt: Serien über Serienkiller, Dokus über dubiose Unternehmer und Filme, die man nach zehn Minuten wieder vergisst. Nun steht der Konzern selbst im Mittelpunkt einer Geschichte, die klingt wie ein Thriller aus der Kategorie „Das kann man sich nicht ausdenken“: Ein unveröffentlichter Film mit Nicolas Cage soll nach einem angeblichen Diebstahl von Festplatten aus einem Netflix-Büro verschwunden sein.

Im Zentrum der Geschichte steht der Kriegsfilm „Fortitude“, inszeniert von Simon West, bekannt unter anderem durch „Con Air“. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt von einer britischen Geheimdienstmission gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Also eigentlich Stoff für große Leinwand, patriotische Musik und Nicolas Cage mit ernstem Blick in Richtung historischer Verantwortung.

Doch bevor der Film offiziell seinen Weg zum Publikum finden konnte, soll er nach Darstellung von Autor und Produzent Simon Afram auf sehr unschöne Weise in die Freiheit entlassen worden sein: nicht durch Premiere, nicht durch Streamingstart, sondern angeblich durch gestohlene Festplatten.

Afram und seine Firma Op-Fortitude werfen Netflix vor, zunächst Interesse an dem Film gezeigt zu haben. Der Streamingriese habe demnach um eine digitale Kopie gebeten, um die Produktion sichten zu können. Am 15. Juni sei diese Kopie übermittelt worden – unverschlüsselt und mit dem Hinweis, sie nach der Sichtung wieder zu löschen.

Zehn Tage später dann offenbar die Wendung, die selbst ein Drehbuchlektor als „etwas zu konstruiert“ markiert hätte: Ein Netflix-Manager soll Afram mitgeteilt haben, dass mehrere Festplatten aus einem Büro entwendet worden seien. Auf diesen Datenträgern habe sich nach Darstellung der Klägerseite auch „Fortitude“ befunden.

Für Afram ist der Schaden gewaltig. Er verlangt nun 105 Millionen Dollar von Netflix. Seine Begründung: Wenn der Film jederzeit illegal im Internet auftauchen könne, sei sein wirtschaftlicher Wert praktisch zerstört. Die Produktion selbst soll rund 45 Millionen Dollar gekostet haben.

Netflix weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern sieht sich offenbar nicht als Hüter eines digitalen Schatzes, der ohne branchenübliche Sicherheitsvorkehrungen übergeben wurde. Sinngemäß lautet die Verteidigung: Wer einen unveröffentlichten Film unverschlüsselt verschickt, sollte sich später nicht wundern, wenn die Datensicherheit nicht gerade nach Fort Knox klingt.

So steht nun Aussage gegen Aussage – und ein Film namens „Fortitude“ gerät ausgerechnet durch eine Sicherheitsgeschichte in die Schlagzeilen. Der Titel bedeutet sinngemäß Tapferkeit oder Standhaftigkeit. Beides werden die Beteiligten vermutlich brauchen: Afram vor Gericht, Netflix in der öffentlichen Kommunikation und Nicolas Cage, falls sein Film irgendwann nicht auf der Leinwand, sondern zuerst in irgendeiner dunklen Ecke des Internets auftaucht.

Juristisch ist die Sache offen. Nach Angaben des Branchenportals Deadline liegt eine Klage vor, Netflix bestreitet die Verantwortung. Ob der Film tatsächlich durch den angeblichen Festplattendiebstahl wirtschaftlich entwertet wurde und ob Netflix dafür haftet, muss nun ein Gericht klären.

Bis dahin bleibt die Geschichte ein erstaunliches Lehrstück für die Filmbranche: Man kann Millionen in Stars, Sets und historische Ausstattung investieren. Aber am Ende entscheidet vielleicht eine unverschlüsselte Datei darüber, ob ein Film Premiere feiert – oder als teuerster Bürovorfall Hollywoods endet.

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Tumisu (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Samstag, 01.08.2026

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