Ceuta-Krise: Europa entdeckt die Solidarität – und schließt vorsichtshalber die Grenzen

Ceuta-Krise: Europa entdeckt die Solidarität – und schließt vorsichtshalber die Grenzen

Veröffentlicht

Samstag, 01.08.2026
von Red. TB

Rund 60.000 Menschen gelangen von Marokko in die spanische Exklave Ceuta, mindestens 67 sterben – und Europas Regierungen reagieren mit jener Geschlossenheit, für die die EU berühmt ist: Jeder macht zunächst etwas anderes.

Spanien erklärte, die Lage innerhalb von 48 Stunden wieder unter Kontrolle gebracht zu haben. Fast alle Migranten seien nach Marokko zurückgekehrt, niemand sei auf das europäische Festland gelangt.

Italien setzte trotzdem vorsorglich die Schengen-Regeln gegenüber Spanien aus. Finnland und Dänemark fanden die Idee prüfenswert, Tschechiens Regierungschef brachte gleich einen zeitweisen Ausschluss Spaniens aus dem Schengenraum ins Spiel.

Dass Ceuta gar nicht zum Schengenraum gehört, störte die politische Entschlossenheit nur unwesentlich.

Spaniens Premier Pedro Sánchez reagierte empört. Einige EU-Staaten handelten „egoistisch, polarisierend und rechtswidrig“, schrieb er an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Spanien habe die Grenze gesichert, Rückführungen organisiert und verhindert, dass Migranten weiter nach Europa gelangten.

Mit anderen Worten: Madrid hatte das Problem bereits weitgehend gelöst, bevor andere Regierungen beschlossen, Spanien für das Problem zu bestrafen.

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sprach von einer Bedrohung der nationalen Sicherheit. Frankreich verschärfte die Kontrollen, Portugal dachte darüber nach, Finnland begann mit Vorbereitungen und Dänemark forderte, sämtliche Möglichkeiten zu prüfen.

Europa zeigte damit erneut, wie schnell aus einem gemeinsamen Außengrenzenproblem ein Wettbewerb um die härteste Pressemitteilung werden kann.

Immerhin forderten 22 der 27 EU-Staaten inzwischen ein Treffen der Innenminister. Dort soll beraten werden, wie man Spanien unterstützen kann – nachdem einige Teilnehmer zunächst erklärt hatten, Spanien sei selbst das Sicherheitsrisiko.

Auch Großbritannien bot Hilfe an. Das Land gehört zwar nicht mehr zur EU, kann aber wenigstens solidarisch wirken, ohne an den anschließenden europäischen Sitzungen teilnehmen zu müssen.

Vor Ort hat Spanien Soldaten, Polizisten, Drohnen, Taucher und Boote eingesetzt. Zusätzlich soll eine aufblasbare Barriere im Meer weitere Überfahrten verhindern. Der europäische Grenzschutz setzt damit offenbar zunehmend auf die technische Philosophie des Wasserparks.

Sánchez macht Schleuserbanden für den plötzlichen Andrang verantwortlich. Diese hätten ein Urteil des obersten spanischen Gerichts bewusst falsch dargestellt. Das Urteil besagt, dass Menschen, die auf See aufgegriffen werden, nicht ohne Verfahren direkt nach Marokko zurückgebracht werden dürfen.

Aus einer juristischen Vorschrift wurde in sozialen Netzwerken offenbar die wesentlich attraktivere Botschaft: Spanien habe seine Grenzen geöffnet.

Ob auch Marokko seine Kontrollen absichtlich lockerte, bleibt Gegenstand politischer Spekulationen. Die marokkanischen Behörden arbeiten inzwischen mit Spanien zusammen. Erfahrungsgemäß funktioniert diese Zusammenarbeit besonders gut, sobald die internationale Aufmerksamkeit groß genug ist.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Lage als „Katastrophe“ und sprach von einer Invasion durch Hunderttausende Menschen. Tatsächlich waren es nach spanischen Angaben etwa 60.000.

Doch Zahlen sind in politischen Debatten bekanntlich vor allem Vorschläge.

Während sich die Situation in Ceuta beruhigt, geht der diplomatische Streit erst richtig los. Spanien verlangt Solidarität, Italien verlangt Grenzkontrollen, Nordeuropa verlangt Optionen, Deutschland verlangt Rücknahmen und Brüssel verlangt die Einhaltung der Regeln.

Europa ist sich damit in einem Punkt vollkommen einig:

Jemand muss dringend etwas unternehmen.

Nur darüber, wer dieser Jemand ist, wird noch beraten.

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von Autor: Red. TB
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