„Ich bin dann mal weg“ – TGI verlässt Liechtenstein, aber die Fragen bleiben leider sitzen-Rechtsanwalt Korisek Wien hilft Anlegern aus Österreich

„Ich bin dann mal weg“ – TGI verlässt Liechtenstein, aber die Fragen bleiben leider sitzen-Rechtsanwalt Korisek Wien hilft Anlegern aus Österreich

Veröffentlicht

Donnerstag, 30.07.2026
von Red. TB

Man kennt das: Der Nachbar beschwert sich, das Finanzamt schreibt Briefe, drei Aufsichtsbehörden stellen unangenehme Fragen – und plötzlich entdeckt man seine große Liebe zu Mauritius.

Genau dort soll es für das Goldgeschäft der TGI offenbar weitergehen. Helmut Kaltenegger kündigte in einem Zoom-Call mit rund 3.000 Teilnehmern an, die TGI AG zum 31. Juli 2026 zu liquidieren und Liechtenstein für die nächsten „4.000 Jahre“ auf Wiedersehen zu sagen.

4.000 Jahre sind natürlich eine lange Zeit. Bis dahin dürfte sich möglicherweise sogar die eine oder andere Auszahlung erledigt haben.

Liechtenstein ist schuld – und die Medien vermutlich auch

Nach Kalteneggers Darstellung haben Behörden und Medien ständig auf die TGI „draufgehauen“ und ihr Steine in den Weg gelegt.

Das ist ärgerlich. Da möchte man in Ruhe Gold verkaufen, Rabatte verteilen, internationale Pools erfinden und einen Megabond präsentieren – und dann kommen tatsächlich Behörden und wollen wissen, ob man das alles überhaupt darf.

Wie kleinlich.

Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein hatte angeordnet, bestimmte Angebote einzustellen und entgegengenommene Kundengelder nicht weiter zu halten. Die deutsche BaFin verlangte ebenfalls die Einstellung und Abwicklung bestimmter Geschäfte. Auch die österreichische FMA veröffentlichte eine Warnung.

Drei Aufsichtsbehörden aus drei Ländern – das kann natürlich kein Zufall sein. Wahrscheinlich eine internationale Verschwörung gegen besonders innovative Goldideen.

Kann man Verfügungen einfach wegziehen?

Die spannende Frage lautet: Kann man sich aufsichtsrechtlichen Verfügungen entziehen, indem man seinen Koffer packt und „Mauritius!“ ruft?

Das wäre praktisch.

Wer einen Strafzettel erhält, zieht nach Malta. Wer Steuern nachzahlen soll, gründet eine Firma auf den Seychellen. Und wer drei Finanzaufsichten erklären soll, was mit dem Geld passiert, schaltet einfach einen neuen Zoom-Hintergrund mit Palmen ein.

Ganz so einfach dürfte es allerdings nicht sein.

Bestehende Verpflichtungen verschwinden normalerweise nicht, nur weil eine Gesellschaft liquidiert oder ein neues Unternehmen im Ausland präsentiert wird. Auch Kundenforderungen lösen sich nicht in tropischer Luft auf. Und eine behördliche Abwicklungsanordnung ist kein unverbindlicher Verbesserungsvorschlag, den man mit einem Standortwechsel höflich ablehnen kann.

Man darf also gehen. Die Akte bleibt trotzdem da.

Geld zurück oder Abenteuerurlaub auf Mauritius?

Nach der Ankündigung sollen die bisherigen Verträge am 31. Juli enden. Kunden könnten sich ihr Geld auszahlen lassen. Angeblich soll dies innerhalb von sechs bis acht Wochen geschehen.

Alternativ könne man zur „Trust Gold International“ auf Mauritius wechseln – einer, wie es hieß, „regulierten, geilen Firma“.

Das ist einmal eine juristisch präzise Beschreibung.

Andere Unternehmen sprechen von Lizenznummern, Aufsichtsbehörden, Geschäftsberichten und geprüften Bilanzen. Hier genügt offenbar: reguliert, geil, Mauritius.

Was könnte da noch schiefgehen?

Kunden sollten trotzdem einige unromantische Fragen stellen:

Wie lautet der vollständige Firmenname? Welche Lizenz besitzt die Gesellschaft? Welche Geschäfte erlaubt diese Lizenz tatsächlich? Wer kontrolliert das Unternehmen? Wo liegt das Gold? Bei welcher Bank liegen die Gelder? Und welche Rechte gibt man auf, wenn man im Backoffice auf „Transfer“ klickt?

Denn möglicherweise überträgt man nicht nur seinen Vertrag, sondern auch sein Problem – nur mit besserem Wetter.

Das neue Modell: Gold mit Geduld und Rabatt

Auch auf Mauritius soll offenbar wieder Gold mit verzögerter Lieferung angeboten werden. Dazu werden monatliche Rabatte von drei bis vier Prozent sowie Beteiligungen an sogenannten „World Pools“ in Aussicht gestellt.

Gold kaufen und jeden Monat mehrere Prozent Rabatt bekommen – das klingt fast so, als würde der Goldbarren im Lager nebenbei Taxi fahren.

Irgendwo muss das Geld für solche Rabatte schließlich herkommen.

Vielleicht arbeitet das Gold nachts. Vielleicht vermietet es sich selbst. Vielleicht nimmt es an den World Pools teil und kommt sonnengebräunt zurück.

Solange keine nachvollziehbare wirtschaftliche Erklärung vorliegt, bleibt jedoch die profane Frage: Wer finanziert diese Rabatte tatsächlich?

In 25 Ländern lieber nicht

Das neue Angebot soll in mehreren Staaten, darunter den USA, Kanada und China, nicht erhältlich sein.

Merkwürdig.

Eine angeblich großartige internationale Investitionsmöglichkeit, die ausgerechnet in zahlreichen großen Finanzmärkten nicht angeboten wird, ist ein wenig wie ein weltberühmtes Restaurant, das vorsichtshalber keine Gäste hereinlässt.

Vielleicht verstehen die dortigen Behörden einfach keinen Spaß.

Oder sie stellen zu viele Fragen.

Und wo ist eigentlich der Megabond?

Damit kommen wir zum Elefanten im Goldlager: dem angeblichen Megabond.

Einmal war von 430 Millionen Dollar die Rede, später von bis zu 750 Millionen. Ein gewaltiges Finanzierungsinstrument, ein Bond der Superlative, praktisch der Godzilla unter den Anleihen.

Nur gesehen hat ihn bislang kaum jemand.

Wo ist die ISIN? Wo ist der Prospekt? Wer ist der Emittent? Welche Laufzeit hat die Anleihe? Wie hoch ist der Zinssatz? Welche Bank begleitet die Emission? Welche Sicherheiten gibt es? Und wo findet man die Bedingungen?

Bei einer normalen Anleihe wären das grundlegende Informationen.

Beim Megabond scheint dagegen das Prinzip zu gelten: Je größer die Zahl, desto kleiner die Dokumentation.

Euroclear – das Zauberwort der Finanzwelt

Im Zusammenhang mit dem Megabond fiel auch der Name Euroclear.

Euroclear klingt wichtig. International. Seriös. Fast so, als würde in Brüssel ein Mann mit weißem Handschuh jeden einzelnen Bond persönlich polieren.

Doch die bloße Erwähnung von Euroclear beweist noch nicht, dass ein Bond werthaltig, geprüft oder garantiert ist. Euroclear stellt Infrastruktur für Wertpapiergeschäfte bereit. Es ist keine magische Qualitätskontrolle, die aus jeder Präsentation automatisch ein sicheres Investment macht.

Wer behauptet, ein Bond sei bei Euroclear registriert oder werde dort abgewickelt, sollte deshalb entsprechende Unterlagen vorlegen können.

Also nochmals ganz höflich:

Herr Kaltenegger, wo ist die Euroclear-Dokumentation?

Oder hat auch sie Liechtenstein bereits für 4.000 Jahre verlassen?

Dubai war offenbar auch nicht ganz einfach

Zum bisherigen Ableger in Dubai soll Kaltenegger von „massiven Problemen“ gesprochen haben. Ein Marketingplan sei gescheitert, Gelder seien „woandershin“ geflossen.

„Woandershin“ ist in der Finanzbuchhaltung allerdings ein eher ungewöhnliches Konto.

Normalerweise heißen Buchungspositionen Bankguthaben, Forderungen, Verbindlichkeiten oder Betriebsausgaben. „Geld woandershin“ dürfte beim Abschlussprüfer einige Nachfragen auslösen.

Kunden könnten beispielsweise wissen wollen:

Wessen Geld ist wohin geflossen? Warum? Wer hat es erhalten? Gibt es Rückforderungsansprüche? Und wieso sollte der nächste internationale Neustart besser funktionieren als der vorherige?

Ermittlungen reisen nicht Economy

Parallel laufen in Liechtenstein Vorverfahren wegen des Verdachts des schweren Betrugs und der Geldwäsche. Dabei handelt es sich um Ermittlungen, nicht um rechtskräftige Feststellungen. Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Nur verschwinden Ermittlungen nicht, wenn man das Land verlässt.

Sie reisen notfalls mit.

Und anders als manche Goldlieferung benötigen sie möglicherweise keine sechs bis acht Wochen.

Alles heiße Luft, Herr Kaltenegger?

Vielleicht existiert der Megabond tatsächlich. Vielleicht ist die Gesellschaft auf Mauritius hervorragend reguliert. Vielleicht sind sämtliche Goldbestände vorhanden, alle Kundengelder gesichert und alle Auszahlungen schon vorbereitet.

Dann sollte es eigentlich leicht sein, die entsprechenden Unterlagen zu veröffentlichen.

Eine Lizenznummer wäre hilfreich. Ein geprüfter Jahresabschluss ebenfalls. Dazu Bestätigungen über Goldbestände, Bankkonten und Verwahrstellen. Und beim Megabond wären Prospekt, ISIN, Emittent, Laufzeit und Anleihebedingungen ein guter Anfang.

Solange das fehlt, bleibt von den großen Ankündigungen vor allem sehr viel heiße Luft.

Wobei heiße Luft auf Mauritius vermutlich wenigstens zum Klima passt.

Fazit: Die Firma geht, die Fragen bleiben

TGI verabschiedet sich aus Liechtenstein. Mauritius soll die neue Heimat werden. Die bisherigen Verträge enden, neue Möglichkeiten werden angekündigt, und irgendwo über allem schwebt weiterhin ein Megabond mit bis zu 750 Millionen Dollar.

Nur die Aufsichtsverfügungen, Kundenforderungen und Ermittlungen haben offenbar kein Ticket für den Abflug erhalten.

Darum bleiben einige einfache Fragen:

Kann man sich behördlichen Anordnungen wirklich durch einen Umzug entziehen?

Was genau sollen Kunden nach Mauritius übertragen?

Wo befinden sich ihr Geld und ihr Gold?

Welche Lizenz besitzt die neue Gesellschaft?

Und vor allem:

Wo ist der Megabond, Herr Kaltenegger?

„Ich bin dann mal weg“ ist ein schöner Satz.

Anleger dürften allerdings einen anderen bevorzugen:

„Mein Geld ist dann mal da.“

Wir helfen Ihnen:

http://www.korisek.at

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am: Donnerstag, 30.07.2026

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