Afrikas Fischer schlagen Alarm: Illegale Fischerei bedroht Lebensgrundlage an Westafrikas Küste

Afrikas Fischer schlagen Alarm: Illegale Fischerei bedroht Lebensgrundlage an Westafrikas Küste

Veröffentlicht

Montag, 06.07.2026
von Red. TB

An den Küsten Sierra Leones wächst die Verzweiflung der Fischer. Was einst reichhaltige Fanggründe waren, liefert heute immer weniger Ertrag. Viele Familien kämpfen ums wirtschaftliche Überleben – und für die Bewohner der Insel Sherbro steht der Hauptverantwortliche längst fest: große ausländische Fischtrawler, vor allem aus China.

Immer weniger Fisch in den Netzen

Seit Generationen leben die Menschen auf Sherbro Island vom Fischfang. Gemeinsam ziehen sie ihre Netze vom Strand ein – eine Tradition, die das Leben der Dorfgemeinschaft prägt. Doch die Fänge werden von Jahr zu Jahr kleiner.

Während früher Schnapper, Makrelen, Barrakudas und Sardinen in großer Zahl an Land gezogen wurden, berichten die Fischer inzwischen von drastischen Einbußen.

Nach Angaben des Fischerverbandes Sierra Leones sind die Fangmengen in den vergangenen Jahren um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Schwere Vorwürfe gegen ausländische Fangflotten

Die Fischer erheben dabei massive Vorwürfe gegen internationale Fangschiffe.

Sie berichten, dass große Trawler regelmäßig nachts in eine eigentlich geschützte Küstenzone eindringen, in der industrielle Fischerei verboten ist.

Besonders schwer wiegt der Vorwurf einiger Fischer, ihre Netze würden gezielt zerstört.

Ein neues Netz kostet umgerechnet bis zu 250 US-Dollar – für viele Familien eine kaum bezahlbare Summe.

Andere berichten von Kollisionen zwischen kleinen Fischerbooten und den deutlich größeren Industrietrawlern.

Westafrika als Zentrum illegaler Fischerei

Nach Schätzungen internationaler Organisationen stammt rund 40 Prozent der weltweit illegal gefangenen Fischbestände aus den Gewässern Westafrikas.

Den betroffenen Staaten entstehen dadurch jedes Jahr wirtschaftliche Schäden von schätzungsweise zehn Milliarden US-Dollar.

Neben den finanziellen Verlusten sehen Experten zunehmend auch die Ernährungssicherheit der Bevölkerung gefährdet, da Millionen Menschen auf Fisch als wichtigste Eiweißquelle angewiesen sind.

Verdacht richtet sich vor allem gegen chinesische Fangschiffe

Nach Einschätzung der Umweltorganisation Environmental Justice Foundation (EJF) stammt heute der überwiegende Teil der industriellen Fangflotte in der Region aus China.

Während früher auch Schiffe aus Südkorea, Taiwan oder Europa aktiv gewesen seien, dominierten inzwischen chinesische Trawler die Gewässer vor Westafrika.

Aus Sicht der Organisation kontrolliere China seine Hochseeflotte bislang nicht ausreichend.

Regierung weist Vorwürfe zurück

Das Fischereiministerium Sierra Leones widerspricht den Anschuldigungen.

Nach Angaben der Behörden habe sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert. Alle internationalen Fangschiffe müssten heute elektronische Ortungssysteme einsetzen und würden regelmäßig kontrolliert.

Auch Verstöße gegen die sieben Seemeilen breite Schutzzone würden streng geahndet.

Auf Nachfrage konnten die Behörden allerdings keine konkreten Beispiele nennen, bei denen in den vergangenen Jahren tatsächlich Strafen wegen solcher Verstöße verhängt wurden.

China weist Kritik zurück

Eine Stellungnahme der chinesischen Handelskammer in Sierra Leone blieb aus.

Das chinesische Außenministerium hatte ähnliche Vorwürfe in anderen Weltregionen zuletzt grundsätzlich zurückgewiesen. China bezeichnet sich selbst als verantwortungsvolle Fischereination und betont, internationale Fangaktivitäten erfolgten im Einklang mit geltendem Völkerrecht.

Experten fordern internationalen Druck

Umweltschützer sehen dringenden Handlungsbedarf.

Sie verlangen eine lückenlose Überwachung der industriellen Fangflotten sowie stärkeren internationalen Druck auf Staaten, deren Schiffe wiederholt mit illegaler Fischerei in Verbindung gebracht werden.

Zugleich appellieren sie an Verbraucher weltweit. Ein erheblicher Teil des in Westafrika gefangenen Fisches lande später auf internationalen Märkten.

Wer Fisch kaufe, so die Forderung der Experten, sollte stärker auf Herkunft und nachhaltige Fangmethoden achten.

Existenzkampf für die Küstengemeinden

Für die Fischer Sierra Leones geht es längst nicht mehr nur um sinkende Einkommen.

Viele sehen ihre jahrhundertealte Lebensweise bedroht. Sie befürchten, dass ihre Kinder vom traditionellen Fischfang künftig nicht mehr leben können, wenn die Küstengewässer weiterhin durch industrielle Fangflotten übernutzt werden.

Der Konflikt zeigt exemplarisch, wie eng wirtschaftliche Interessen, internationale Fischerei und der Schutz natürlicher Ressourcen miteinander verbunden sind – und wie schwer es für kleine Küstengemeinden ist, sich gegen globale Fangflotten zu behaupten.

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Gerhard_Romero (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 06.07.2026

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